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So, wie wir mit den Minderheiten umgehen, die bei uns leben, so erwarten wir auch, dass Titularnationen mit den deutschen Minderheiten umgehen.

Angela Merkel, Aussiedler- und Minderheitenpolitik in Deutschland, 2008

Ausgrenzende Frage

„Woher kommen Sie?“ – ein Beispiel für den alltäglichen Rassismus

Woher kommen Sie? Eine scheinbar harmlose Frage. Doch was versteckt sich dahinter? Was möchte der Fragende damit wissen? Woher man kommt oder den ethnischen Hintergrund? Wenn Letzteres: Wieso wird dann nicht direkt danach gefragt?

VONAlev Dudek

 „Woher kommen Sie?“ – ein Beispiel für den alltäglichen Rassismus
Die Verfasserin ist geborene Fürtherin. Sie hat ein Abitur vom Dürer-Gymnasium in Nürnberg; einen Bachelor in Allgemeine Geisteswissenschaften und einen Master in Öffentliche Verwaltung vom Western Michigan University. Sie ist im Jahre 1998 in die USA ausgewandert und lebt seit 2011 wieder in Deutschland. Sie sitzt im Vorstand der internationalen gesellschaft für diversity management (idm). Sie hat ihr eigenes Blog, wo sie Artikel über Diversity, Anti-Diskriminierung, Chancengleicheit und ähnliche Themen veröffentlicht.

DATUM29. Januar 2013

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RESSORTAktuell, Meinung

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„Menschen mit Migrationshintergrund“ werden in Deutschland durch die Frage „woher sie denn kommen“ zu „Fremden„ gemacht. Durch den unkritischen Umgang mit dieser Frage tragen viele von uns – auch Betroffene – zu dem Kreislauf des alltäglichen Rassismus und „Unterordnung“ der „Menschen mit Migrationshintergrund“ bei.

Diese Frage sollte nicht beantwortet werden, um die Erwartung des Gegenübers zu befriedigen oder weil eine bestimmte Auskunft der gesellschaftlichen Norm entspricht. Menschen, die diese Frage als unpassend sehen, sollten dies dem Gegenüber aufrichtig kommunizieren. Damit würden sie einen wichtigen Beitrag zu Bekämpfung von „Kultur des Vorurteilens“ und vom Rassismus, leisten.

Denn in seltenen Fällen dient die Frage dazu, die Gemeinsamkeiten zwischen zwei Menschen zu identifizieren und eine Verbindung zwischen ihnen zu schaffen. Häufig hat diese Frage eine rassistische Konnotation – auch dann, wenn sie von einem „Menschen mit Migrationshintergrund“ gestellt wird.

Obwohl die Frage – je nach Situation, Umstand, Kontext oder Land – auch eine andere „Funktion“ haben kann, gibt es erstaunliche Parallele, wie ausgrenzend viele Minderheiten in vielen Teilen der Erde diese Frage empfinden. Hier ein Beispiel aus den USA:

http://www.youtube.com/watch?v=IRc_7Xk-4is.

Deshalb sollten wir, bevor wir die „Woher-kommen-Sie-Frage“ beantworten, herausfinden, wonach sich die andere Person eigentlich erkundigt und warum.

„Woher kommen Sie?“ ist in den meisten Fällen, eine versteckte Form, Information über die ethnische Herkunft einer Person einzuholen. Sie sollen ihre ethnische Herkunft offenlegen! Wenn das so ist, wieso fragt er/sie/man dann nicht direkt nach der ethnischen Herkunft? Das tut er/man(?) nicht, weil man sich hinter einer direkten Frage schlecht verstecken kann. Außerdem kann sich der Gefragte gegen diese indirekte, vermeintlich „harmlose und nette Frage“ kaum wehren. Im Zweifelfall kann sich der Fragensteller auf die „Mehrdeutigkeit“ der Frage berufen. Genau deshalb ist diese Art des Rassismus sehr problematisch. Es ist schwer zu detektieren und ist psychologisch einer der „effektivsten“ Formen von Ausgrenzung.

Außerdem: Wir in Deutschland sind nicht gerade bekannt dafür, dass wir eine offene und neugierige Kultur pflegen. Wieso sind wir aber in Hinsicht auf diese spezielle Frage so „offen“? „Menschen mit Migrationshintergrund“ werden doch selten etwas gefragt. Eher werden sie belehrt und aufgeklärt. Nach ihrem Wissen über Technologie, Kunst, Literatur oder was sie denn über die deutsche Fiskalpolitik denken, erkundigt sich ja auch kaum jemand. Warum also dieses Interesse, „woher sie kommen“? Warum diese Ausschweifung von der „Norm“?

„Mark Terkessidis hat erkannt, dass Rassismus der Apparat ist, der Menschen systematisch zu Fremden macht.“ Terkessidis, M. (2004): Die Banalität des Rassismus. Bielefeld: Transcript Verlag

Oft kommt das Gegenargument, auch Menschen der „dominanten Kultur“ würden gefragt, „woher sie kommen“. Ja, aber nicht so oft. Außerdem wird die Antwort nicht infrage gestellt oder eine zweite Frage nachgeschoben, wenn als Antwort „Aachen“ kommt.

Mindestens zwei Unterschiede können wir also festhalten: (1.) Ein weißer Deutscher darf diese Frage wörtlich verstehen und hat das Privileg, den „Ort, woher er kommt“, selbst zu „bestimmen“. Ein Privileg, dass dem „Menschen mit Migrationshintergrund“ selten eingeräumt wird. Bei ihm wird die „Befragung“ mit hoher Wahrscheinlichkeit so lange fortgesetzt, bis aus seiner Antwort auch sein ethnischer Hintergrund hervorgeht bzw. der Fragesteller eine Antwort erhält, der sein Vorurteil befriedigt.

Erst danach kann sich der Fragensteller wieder „konzentrieren“. Er kann sein Gegenüber in die zugehörige „Box“ einsortieren und die von ihm bestimmte Konversation weiterführen – etwa über den letzten Urlaub und über die netten Menschen aus dem „dort“igen Kulturkreis. Ständige Assoziationen mit Urlaubserlebnissen und andere (auch „positiven“) Vorurteilen führen zur verstärkten Ausgrenzung von „Menschen mit Migrationshintergrund“. Der wichtigste Effekt dieser „Frage“ ist aber, dass dem Gegenüber klargemacht wird – ob gewollt oder ungewollt, dass er nicht „hierher“, sondern „woanders“ hingehört. Damit wird definiert, wer sich in wessen „Territorium“ aufhält. Dabei hat er ja nichts gegen „Migranten“ und ist froh, dass sie in Deutschland sind. Dass der Gegenüber eventuell genauso ein Deutscher ist, ist irrelevant, denn er ist offensichtlich kein „weißer Deutscher“ wie er und somit nicht gleichberechtigt.

(2.) Der weiße Deutsche wird mit der „Woher-kommen-Sie-Frage“ viel seltener konfrontiert. Dabei ist die Häufigkeit des Auftretens dieser Frage ein kritischer Faktor in diesem „Entfremdungsprozess“. Es ist ein großer Unterschied, ob jemand die Frage ein bis zweimal im Jahr gestellt bekommt oder ob diese Frage jedes Mal, wenn man auf eine Gruppe von Menschen trifft, die man nicht kennt, gestellt wird. Manchmal wird diese Frage mehrere Male während einer einzigen Veranstaltung gestellt, was durch die ständige Wiederholung an sich schon zu einer Entfremdung führen kann.

Zum Schluss soll nicht unerwähnt bleiben, dass manche Menschen diese Frage gerne hören und beantworten. Jeder Mensch hat das Recht zu bestimmen, welche Frage er toleriert und welche nicht. In diesem Artikel geht es aber nicht um persönliche Vorzüge. Es geht darum, die sozial-psychologischen Aspekte dieser „seltsamen“ Interaktion zwischen Menschen, die sich nicht kennen, zu verstehen.

Die Frage „Woher kommen Sie?“ ist nicht nur eine Frage, die den Teufelskreis vom Rassismus verstärkt. Sie bietet dem vermeintlichen Fremden auch eine Gelegenheit, den Teufelskreis vom Rassismus und Inferiorization zu brechen. Ihm wird eine Gelegenheit geboten, eine unerwartete Antwort zu geben und diese kulturell tief verwurzelte und gesellschaftlich akzeptierte Form des Rassismus herauszufordern.

Das Ziel in einer zivilisierten Gesellschaft sollte sein, Menschen als Individuen zu sehen und sich auch als Individuen kennenzulernen. In diesem Sinne mal eine andere Frage: Werden wir, „Menschen mit Migrationshintergrund“, die Gelegenheit nutzen und den Status-quo herausfordern, oder werden wir das tun, was von uns erwartet wird – sehr persönliche Informationen zur Verfügung stellen, damit man uns weiterhin kategorisieren und entfremden kann?

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96 Kommentare
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  1. Ich antworte auf die Frage immer: Ich bin Nordhessen geboren. Meine Eltern sind beide Serben. Oder ich bin ethnischer Serbe. Habe mich von der Frage noch nie beleidigt gefühlt. Dazu sage ich dann meinetwegen noch: Bin Deutscher und serbischer Staatsbürger.

  2. glamorama sagt:

    Kleine Korrektur: Nicht als Deutscher, sondern generell als Mensch, der sich äußerlich vom vermeintlich „durchschnittlichen“ Mitteleuropäer nicht unterscheidet, bekommt man diese Frage viel seltener gestellt als jemand, der durch Hautfarbe und andere Merkmale gleich als „nicht von hier stammend“ wahrgenommen wird. Je homogener die Herkunft der Menschen in einer Region ist, desto häufiger wird man damit konfrontiert.

    Das ist kein deutsches Phänomen und auch nicht in jedem Fall rassistisch. Ich habe mal ein junges Paar kennengelernt: Er geborener Kanadier mit asiatischen Wurzeln; seine Freundin die Tochter britischer Eltern und in Hong Kong aufgewachsen. Einmal dürfen Sie raten, wer beim ersten gemeinsamen China-Urlaub des Pärchens permanent als Einheimischer und wer als Fremder wahrgenommen wurde.

    In einer Umgebung, in der Einwanderung selbstverständlich ist, werden solche Fragen hingegen kaum gestellt – bzw. anders beantwortet: Im Berliner Wedding beispielsweise ist mit der Frage „Woher kommst Du“ in der Regel gemeint: „In welchem Kiez bist Du großgeworden?“. Wenn die milchkaffeebraune Bedienung im Café dann „Ich komme aus Kreuzberg“ antwortet, wird genauso anerkennend genickt wie wenn ich „Aus Thüringen“ sage.

  3. Soli sagt:

    Was ein Unsinn, ich frage auch „Mitteleuropäer“ woher sie kommen. DAS ist kein Zeichen von ausgrenzung sondern von Interesse. Zudem kann man nur so überhauüt auf evtl. regionale Besonderheiten der Menschen eingehen.

    Ich frage „die weißen Deutschen“ (ist das eigentlich schon Rassismus?) sogar häufiger.
    Aber wenn, wie die autorin vermutet, der Migrant gleich imemr darauf anspringt und sein evtl. Geburtsland angibt – vielleicht hat der Fragesteller darauf gar nicht abgezielt? Mcih interesisert nämlich ebensowenig ob er aus Ghana oder Mail kommt den nviel mehr ob er aus Aachen oder Saarbrücken kommt.

    Manche Migranten sehen auhc Probleme wo eigentlich gar keine sind…

  4. Kolcek sagt:

    Die Frage woher jemand kommt ist nicht rassistisch! Und das muss auch keiner sich einreden lassen! Ganz im gegenteil! Ich habe nur all zu oft bemerkt, dass Menschen froh darüber waren, dass man sich für sie interessiert hat.
    Die einzigen Menschen die auf solch eine harmlose Frage sensibel reagieren sind Menschen mit Komplexen oder Menschen die innerlich unzufrieden sind und sich vielleicht für ihre Herkunft schämen (warum auch immer).

    Der Argumentation aus dem Artikel, kann ich überhaupt nicht folgen!

    „Werden wir, „Menschen mit Migrationshintergrund“, die Gelegenheit nutzen und den Status-quo herausfordern, oder werden wir das tun, was von uns erwartet wird – sehr persönliche Informationen zur Verfügung stellen, damit man uns weiterhin kategorisieren und entfremden kann?“

    Schlussendlich fordert die Autorin nichts anderes, als die Realität zu ignorieren! Bin ich etwa schon ein Rassist, wenn ich eine andere Hautfarbe mit meinen bloßen Augen erkenne und aus dem Grund frage woher er kommt? Nein! Ein Rassist wäre ich erst dann, wenn ich irgendwelche negativen Klischees auf ihn anwenden würde.

    Mir stellt sich die Frage ob es nicht rassistischer ist, zu glauben jemand wäre ein Rassist, nur weil er diese Frage stellt.

  5. Statten sagt:

    Warum wird ein Manfred, Herbert oder Wilhelm nicht danach gefragt? Sobald man jedoch nicht in das Bild eines typischen Deutschen (Inländers) passt, ist das meist die erste Frage. Von dem Fragenden ist dies nicht böse gemeint. Trotzdem ist er gestrebt, sich ein Vorurteil zu bilden. Das liegt in der Natur des Menschen, andere zu kategorisieren. Selbst Menschen mit Migrationshintergrund tun dies untereinander.

    Als jemand mit Migrationshintergrund antworte ich zu dieser Frage mit einer Lüge. Ich gebe ein Bild wieder, was mir am besten passt (z. B. meine Eltern sind Franzosen, Amerikaner, Engländer, Finnen… was auch immer). Manchmal sage ich auch: „Ich komme aus dem Mittelmeer“. Viele sind verwirrt und fragen dann nicht mehr. Das zeigt mir dann auch direkt, dass deren Bildungsstand etwas hakt. Wenn die weiter fragen, sage ich: Mein Vater war Seepirat, meine Mutter eine Meerjungfrau. Oft arte ich auch in einen leichten Quatsch, gebe aber keine befriedigende Antwort.

    Grund: Ich sehe nicht ein, warum ich ehrlich mit jemandem sein muss, der mich ja auch nicht fair behandelt und solch eine Frage stellt. Wird mir die Frage gestellt, nachdem ich eine persönliche Beziehung zu dieser Person aufgebaut habe, sieht die Sache anders aus. Dann können wir auch ehrlich miteinander kommunizieren.

  6. Lothar Schmidt sagt:

    Wie verfährt man dann als „weißer“ Deutscher mit den „dunklen“ Migranten? Soll man sie gar nichts fragen, oder die Frage einfach nur vermeiden? Überhaupt Fragen zum kulturellen Hintergrund gar nicht stellen.

    Wenn man zum Essen eingeladen ist: nicht fragen, um was für eine Küche es sich handelt? Könnte das als Rassismus gedeutet werden? Wir wollen ja die Kultur nicht ansprechen.

    Was ist, wenn der Migrant zuerst fragt? Soll man bereitwillig Auskunft geben über seinen kulturellen Hintergrund, aber nicht zurückfragen?

  7. Stephan sagt:

    Ich würde sagen, dass es vom Kontext abhängt, ob die Frage nach dem „Woher“ einen rassistischen Unterton hat oder nicht. Die Erfahrung, dass die von vielen, die im Gegensatz zu mir keine Kartoffeldeutschen sind, so wahrgenommen wird, durfte ich schon vor Jahren machen. Damals habe ich in einem Jugendlager in Frankreich eine Deutsche mit koreanischen Wurzeln kennengelernt und fragte sie nachdem wir eine Weile nett geplaudert hatten, wo sie denn herkommt. Daraufhin sagte sie recht barsch, sie komme aus Köln, ihre Eltern aber aus Korea. Mir war das ganze unangenehm, obwohl es mir um Köln ging und nicht um Korea – denn dass sie in Deutschland lebte war nicht nur aus dem Gespräch hervorgegangen sondern lag auf der Hand, weil sie völlig akzentfrei Deutsch sprach. Mir ist zwar einerseits klar gewesen, dass sie offenbar oft mit einem – sagen wir mal zumindest latent rassistischen – Unterton danach gefragt worden ist. Andererseits weiß ich bis heute nicht, wie ich hätte anders fragen sollen. In Frankreich wäre schließlich auch die Frage „Bist Du von hier?“ eher unpassend gewesen…

  8. Hyper On Experience sagt:

    Frau Dudek,

    Ich hab‘ selbst einen Migrationshintergrund und kenne diese Frage von Kindheit an und ganz ehrlich – nichts liegt mir ferner als denjenigen, die sie stellen pauschal Rassismus oder Kategorisierung zu unterstellen.
    Wer sich bei einer solchen Frage, die ja auch aus persönlichem Interesse erfolgen kann, angegriffen fühlt, sollte sein Selbstbewusstsein dringend nachjustieren lassen.
    Menschen denken nun mal in Kategorien, Sie übrigens auch,wie man an ihrem Artikel, der seinerseits kategorisiert und pauschaliert, schön sehen kann. Indem Sie der Mehrheit derjenigen, die nach dem „Woher“ fragen, unterstellen, mit dieser Frage Menschen entfremdem zu wollen, nutzen Sie Stigmatisierung, um Stigmatisierung anzuprangern.

  9. Lothar Schmidt sagt:

    @Statten

    Lieber Statten, vorweg machen Sie schon mal einen Logikfehler. Sie behaupten, dass Manfred, Herbert oder Wilhelm nicht nach Ihrer Herkunft gefragt werden, sind aber selbst keiner dieser Leute. Sie können es also gar nicht wissen, es sei denn, Sie wären ständig und überall dabei.

    Und natürlich werden Manfred, Herbert oder Wilhelm gefragt, wo sie herkommen. ich arbeite in einem Software-Entwicklerteam mit Kollegen aus ganz Deutschland. Mit das ERSTE, was bei solchen Treffen gefragt ist, wo man herkommt. Sch**ss egal, ob das Deutschland, Spanien oder Mexiko ist (auch daher kommen Kollegen) von uns. Es ist also mitnichten BÖSE Absicht dahinter, warum unterstellt man das den Deutschen immer.

    „Ich gebe ein Bild wieder, was mir am besten passt (z. B. meine Eltern sind Franzosen, Amerikaner, Engländer, Finnen… was auch immer). “

    Können Sie das näher erläutern? Warum a) lügen Sie bei einer normalen Frage (der NUR Sie selbst böse Absicht unterstellen) und b) nennen Länder, die scheinbar in den Augen der Deutschen ein gewisses Ansehen haben? Das ist doch -Verzeihung- lächerlich…

    „Ich sehe nicht ein, warum ich ehrlich mit jemandem sein muss, der mich ja auch nicht fair behandelt und solch eine Frage stellt.“

    Was ist daran unfair? Ich denke, dass hier vor allem Komplexe eine gewisse Rolle spielen. Man schämt sich indirekt für seine Herkunft. Anders kann ich es mir nicht erklären. Weil nämlich solche Aussagen ausschließlich von Leuten kommen, die hier als Gastarbeiter tätig waren. Von Amerikanern, Engländern, Finnen oder Franzosen hört man solche Aussagen aber zu 100% nie.

  10. Chris Pyak sagt:

    Ich möchte einen Aspekt zu diesem Thema ergänzen: Die Deutungshoheit hat in diesem Fall der Gefragte. WARUM jemand eine Frage stellt – das kannst Du im Zweifelsfall nicht wissen. Du kannst niemandem hinter die Stirn schauen.

    Aber wie Du darauf antwortest: Das liegt alleine bei Dir. Du kannst Dich entscheiden die Frage als Affront zu verstehen. Dann machst Du (!) Dich selbst (!) zum Opfer. Denn DU hast entschieden die Frage so zu verstehen.

    Oder Du verstehst die Frage als Einladung sich besser kennenzulernen. Dann kannst Du eine Verbindung zu Deinem Gegenüber aufbauen. Das halte ich für die weit häufigere Variante.

    Ich bin als Kind oft gefragt worden: „Bist Du Türke?“ Im Ruhrgebiet ist man da direkt. Und wenn mein Freund sich als Pole zu erkennen gab, hiess es oft. „Soll ich mein Auto abschliessen?“.

    Wir haben genau so direkt geantwortet. Und gut wars! Denn in Wirklichkeit wurde nicht unsere Herkunft getestet – sondern ob WIR als „Kerle“ tough genug sind. Mit einer witzigen Antwort war das Thema erledigt und wir hatten einen neuen Freund gewonnen.

    Also: Entscheide selbst ob Du „Opfer“ bist – oder selbst bestimmst.


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