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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Buchtipp zum Wochenende

Asiatische Deutsche – Vietnamesische Diaspora and Beyond

Das Leben zwischen hybriden Kulturen, politischen Grenzen und konstruierten Nationen – eine Form des Zuhause-Seins? Das Sammelband von Kien Nghi Ha beantwortet diese und zahlreiche weitere Fragen über asiatische Deutsche bzw. über die vietnamesische Diaspora.

„Nachdem der dominierende Diskurs über Integrationsdefizite und gute und schlechte Migranten die rassistischen Theorien des 19. Jh. jüngst wiederbelebt haben, holt dieses Buch uns eindrucksvoll ins 21. Jh. Zurück“, schreibt Prof. Dr. Sérgio Costa, Direktor des Lateinamerika Instituts an der Freie Universität Berlin über das Sammelband von Kien Nghi Ha. Ihm und den Autoren sei es gelungen, es auf den Punkt zu bringen: „Deutschland – und auch Europa – sind unwiderruflich plural, heterogen, hybrid und gerade deshalb spannend und zukunftsfähig (geworden)“.

Im ersten Teil des Bandes werden essenzialistische Identitätskonstruktionen sowie das homogenisierende Kulturverständnis hinterfragt und zeitgenössische Bedeutungen der asiatischen Diaspora analysiert. Anstatt Migration lediglich als ein zu bewältigendes Problem zu begreifen, beleuchten die Beiträge im zweiten Teil ihre kosmopolitischen Potenziale. Vor diesem Hintergrund werden vielfältige Verbindungen zu anderen People-of-Color-Gemeinschaften in Deutschland gezogen. Denn die komplex zusammengesetzten Identitäten in diasporischen Communities reflektieren unterschiedliche geschichtliche Erfahrungen mit Exil, genderspezifischer Ausbeutung und Rassismus, die kulturelle und gesellschaftspolitische Bedeutungen in sich tragen.

Am Beispiel der vietnamesischen Migration wird aufgezeigt, dass das Leben in der Diaspora vielgestaltige Formen angenommen hat und dieser Prozess aus der Perspektive der migrantischen Subjekte zu denken ist. Indem die Nation von ihren Rändern aus neu gedacht wird, können bisher vernachlässigte Fragen und marginalisierte Räume in den Fokus genommen werden. Dieser Perspektivwechsel durchzieht die vielschichtigen Analysen, Gespräche, Porträts, Foto-Essays und Kurzgeschichten namhafter WissenschaftlerInnen und talentierter KünstlerInnen, die diesen Raum mit Leben und Innenansichten füllen.

„Mit dem Sammelband gewährt uns Kien Nghi Ha einen Einblick in die Diversität asiatischer Präsenzen in Deutschland. Neben mehreren Beiträgen, die nicht nur für die etablierte Rassismusforschung in Deutschland von Bedeutung sind, finden sich Analysen sozialer und kultureller Praktiken, Untersuchungen medialer Repräsentationspolitiken, Autobiographisches sowie Aufsätze über Community-Pflege und transkultureller Interaktion. Ein ungemein spannender Sammelband, der Autor_innen aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen und künstlerischen Milieus versammelt; ein Band der einmal mehr deutlich macht, dass es höchste Zeit dafür ist, dass das Deutschland, das wir tagtäglich in Cafés, U-Bahnen, Clubs, Restaurants, Schulen, Universitäten, Geschäften, Fußgängerzonen, Tankstellen, Bibliotheken etc. erleben, endlich auch in der deutschen Kultur- und Politiklandschaft sichtbar wird: In Rathäusern und Parlamenten, in Theatern und Museen, in Konzertsälen und im deutschen Fernsehen – überall da eben, wo Deutschland repräsentiert wird“ (Philippa Ebéné, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin der Werkstatt der Kulturen Berlin). (mig)

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