MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

TV-Tipps des Tages

22.04.2011 – Döner, Ausländer, Araber, Migranten, Bosporus, Türkei, Marxloh

TV-Tipps des Tages sind: Wie der Döner an den Rhein kam; Men on the Bridge: Ohne voneinander zu wissen, kreuzen sich täglich die Lebenswege der unterschiedlichsten Menschen mit ihren eigenen Geschichten; Puzzle: Viele Kulturen – ein Land

Wie der Döner an den Rhein kam
Dokumentation – Film von Katja Duregger – Der Döner Kebap, das Grillfleisch im Brot, ist mittlerweile einer der beliebtesten Imbisse im Rheinland. Original türkisch, sollte man meinen – und irrt. Den Döner, zu Deutsch „Drehspieß“, gibt es in der Türkei nur zu besonderen Anlässen: Lammfleisch, langsam drehend gegrillt. „Döner, wie er hier zubereitet wird, hab ich nie in der Türkei gesehen!“ wundert sich Ali Balaban, Feinschmecker und Kölner Restaurantbesitzer. „Weißkohl und Rotkohl ist nur deshalb im Döner drin, weil die Deutschen so gern Kohl essen!“ ergänzt Ismet Kirkici, dessen Familie seit 1982 im „Türkiye Pazari“ in Köln Döner Kebab anbietet.

Begonnen hat der Döner seinen Siegeszug mit den Krisen der Industrie im Rheinland in den 70er Jahren. Als Ford und die Kabelwerke Felten und Guillaume in Köln und später Krupp und Thyssen in Duisburg viele Arbeiter entlassen mussten, war darunter zahlreiche türkische, die dennoch in Deutschland bleiben wollten. Einige überlegten, einen Imbiss aufzumachen – zunächst für türkische Landsleute. „Jeder machte seinen Döner selber, auch wenn er keine Ahnung hatte, abenteuerlich war das manchmal!“ erinnert sich Bernd Stumm, der damals als Lebensmittelkontrolleur unterwegs war. Dennoch wagten sich auch Deutsche bald in die türkischen Läden und verlangten immer öfter etwas Schnelles auf die Hand statt ein Tellergericht. Hamburger-Ketten waren gerade modern – warum also nicht auch das Fleisch vom Drehspieß ins Brot stecken? Und vielleicht auch mit Hähnchenfleisch, wenn die Deutschen beim Anblick von Lamm die Nase rümpfen?

„Der Hochkantschaschlik gedreht und gegrillt, der schmeckt ja anders als Kohlrouladen von Muttern,“ erklärt sich der Kabarettist Fatih Cevikkollu den bald einsetzenden Erfolg der deutsch-türkischen Erfindung. Vor allem junge Leute probierten und fanden es lecker. So lecker, dass Kemal Ascioglu, der mit einem Imbisswagen durch Duisburg fuhr und Döner anbot, seinen 26jährigen Sohn Dursun zur Unterstützung aus der Türkei holte. „Mit Zwiebeln, Tomate und scharf“ waren lange die einzigen deutschen Worte, die er konnte. Heute betreibt er sehr erfolgreich seinen „Dönermann“ in Duisburg-Marxloh. 14:00-14:45 • WDR

Men on the Bridge
Spielfilm (840 – Lebensstile/-entwürfe)– Ohne voneinander zu wissen, kreuzen sich täglich die Lebenswege der unterschiedlichsten Menschen mit ihren eigenen Geschichten, Träumen und Hoffnungen auf der Bosporusbrücke. Mit gestyltem Haar und Ohrring hat der 17-jährige Fikret etwas von einem Don Juan. Im Dauerstau auf der Bosporusbrücke, die Istanbuls europäischen mit dem asiatischen Teil verbindet, verkauft er illegal Rosen. Gleichzeitig bemüht er sich im alten Zentrum der Stadt um einen „richtigen“ Job. Umut, 28, fährt Sammeltaxi und passiert täglich die Bosporusbrücke. Er ist auf der Suche nach einer besseren Wohnung, doch den Ansprüchen seiner Frau kann er mit seinem Einkommen nicht gerecht werden. Der 24-jährige Murat ist als Verkehrspolizist auf der Bosporusbrücke stationiert und fühlt sich zwischen den langen Autoschlangen einsam. Jeden Tag nach Feierabend sucht er in Chatrooms online nach der Liebe. Regisseurin Asli Özge, 1975 in Istanbul geboren, studierte Regie an der Film- und Fernsehakademie der Marmara-Universität Istanbul. „Men on the Bridge“ ist Asli Özges erster Kinofilm. Der Film wurde als „Bester Film“ des „Internationalen Istanbul Film Festival“ in Istanbul ausgezeichnet und lief unter anderem auf den Filmfestivals in Locarno und Toronto. Seit 2000 lebt und arbeitet Asli Özge in Berlin. 21:45-23:10 • 3sat

Puzzle
Viele Kulturen – ein Land – Moderation: Özlem Sarikaya

Themen: Jazz-Entdeckung: Fjoralba Turku; Dokumentartheater: Süper! Türken! Orienthelfer: Christian Springer

Jazz-Entdeckung: Fjoralba Turku
Wer Fjoralba Turku kennenlernen will, muss ihr zuhören. Die junge Sängerin und Komponistin hat eine besondere Gabe: Singend erzählt sie Geschichten, die, wie sie sagt, mehr über sie verraten, als sie im Gespräch vielleicht zeigen würde.

Dokumentartheater: Süper! Türken!
Eigentlich heißt Herr Gümrükcü Abdurrahman. Weil dieser Name aber für deutsche Zungen zu kompliziert war, ließ er sich Abraham nennen. Das war 1970, als er im Zuge des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens als Gastarbeiter nach Franken kam.

Orienthelfer: Christian Springer
Viele kennen ihn in seiner Paraderolle: als grantelnden Neuschwansteiner Kassenwart Fonsi Wachtlinger. Was dagegen nur wenige wissen: Der Kabarettist Christian Springer hat auch eine andere Seite. Er ist ein bayerischer Araber. 04:35-05:05 • EinsExtra

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. Sinan A. sagt:

    „puzzle“ vom Bayerischen Fernsehen ist wirklich nett gemacht, gefällt mir gut. Reinschauen lohnt sich.

    http://www.br.de/puzzle



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...