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Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Khola Maryam Hübsch

Medien transportieren einseitiges Opfer-Bild von muslimischen Frauen

Deutsche Medien transportieren nach Analyse der Frankfurter Publizistin Khola Maryam Hübsch ein einseitiges Opfer-Bild von Musliminnen. Das Image bewege sich „zwischen Gewaltopfer und Haremsphantasie“, sagte sie am Dienstagabend in Münster.

„Die meisten der von mir untersuchten Belege aus Zeitungen und Zeitschriften stellen islamische Frauen in einer Opferrolle dar – durch verkürzte Koran-Zitate, irreführende Bildzeilen oder konstruierte Kausalitäten.“ Aktuelle Studien über die Lebenswirklichkeit der Frauen widersprächen diesen Klischees.

Beim Stichwort „Islam“ denken der Expertin zufolge viele Menschen zu Unrecht als erstes an Opfer von Zwangsehen und Ehrenmorden. „Bei diesem Frauenbild handelt sich um eine Projektionsfläche westlicher Normvorstellungen – nicht erst seit der Integrationsdebatte in Deutschland.“ Die Unterdrückung islamischer Frauen werde stets als religiöses Problem dargestellt, obwohl es sich faktisch um eine Frage von Bildung und sozialer Herkunft handele. „Frauen haben die Revolution in der arabischen Welt entscheidend mitgetragen. Wie passt das mit dem Klischee der unterdrückten Frau zusammen“, fragte die Journalistin.

Studien belegen verzerrtes Medienbild
Der Vortrag „Zwischen Gewaltopfer und Haremsphantasie: Zum Selbst- und Fremdbild der muslimischen Frau“ war Teil der Ringvorlesung „Religion und Geschlecht“ des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der WWU Münster. Die Publizistin hat in ihrem Buch „Der Islam in den Medien“ die Darstellung muslimischer Frauen auf wiederkehrende Muster hin untersucht. Khola Maryam Hübsch ist auch Beauftragte für den interreligiösen Dialog der Frauenorganisation „Lajna Imaillah“ der „Ahmadiyya Muslim Gemeinde“ in Deutschland, die sich als Reformbewegung sieht.

Studien zur Lebensrealität von Musliminnen in Deutschland widersprächen dem gängigen Frauenbild, sagte Hübsch unter Verweis auf die Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ des Bundesamtes für Migration von 2009. Eine „überwältigende Mehrheit“ der befragten muslimischen Frauen gebe darin an, das Kopftuch als religiöses Symbol zu tragen und nicht, wie oft unterstellt, aus Unterdrückung oder als politische Aussage. „Musliminnen in Deutschland sehen sich eher als emanzipiert“, hätten weitere aktuelle Studien ergeben.

Die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild steht nach Auffassung der Publizistin der Integration im Wege, die gerade Islamkritiker oft forderten. Das wiederum stärke reaktionäre Kräfte innerhalb des Islams. „Theologische Sachkenntnis und eine genaue Ursachenanalyse können aus diesem Teufelskreis herausführen“, sagte Hübsch. (bhe/vvm/eb)

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9 Kommentare
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  1. Cengiz sagt:

    Ein schöner Artikel, der nicht die Gefühle von Muslimen verletzt.
    Frau Hübsch sollte unbedingt zu „Anne Will“ und „Maischberger“ eingeladen werden.

  2. Tom sagt:

    Unterdrückung von Frauen kann wohl auch religiös begründet werden und ist dann „Religion“ und nicht Unterdrückung?

  3. Kafil sagt:

    Es kann und darf keine Religion wahr sein, wenn in ihr die Frauen benachteiligt werden. In Islam sind Mann und Frau absolut Gleichwertig.

    Nicht nur die Medien allein transportieren das einseitiges Opfer-Bild von Musliminnen, sondern viele sogenannte Muslime tragen ihren Teil dazu auch bei, indem sie die einheimische Kultur, Gewohnheiten und Traditionen als „islamische“ sehn, was eigentlich nichts mit dem wahren Islam zu tun haben.

    Ein schöner Artikel. der das schöne Bild des Islam unverzerrt schildert.

  4. Naja sagt:

    Unabhängig vom Artikel finde ich es erstaunlich, wie sehr man die eigene Herkunft und Kultur ablegt (oder offenbar ablegen muss), wenn man zum Islam konvertiert (in diesem Fall ja bereits der Vater). Nichtmal mehr der Vorname bleibt.

  5. MoBo sagt:

    @ Naja: nicht alle Deutschen die konvertieren ändern ihren Namen, z.B. hier: http://www.nafisa.de/ueber-uns/ueber-uns-die-autorinnen/

    Da Frau Hübsch von sich sagt, sie sei schon immer Muslima, wird sie wohl mit dem Namen geboren sein, an ihr selbst ist also nichts zu kritisieren. Christen die Mönche werden nehmen auch neue Namen an – legen die auch ihre eigene Kultur ab?

  6. Kafil sagt:

    Sie ist in einer muslimischen Familie geboren und trägt einen islamischen Namen. So what?
    Naja, wo hat sie ihre Herkunft und Kultur geleugnet? Was ist Kultur?
    Die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerung einer Gemeinschaft / eines Volkes. Zudem beschreibt sie eine FEINE, GEHOBENE Lebensart, das sog. kultivierte verhalten von Menschen. Und hat sie ihre Kultur abgelegt? NEIN, hat sie nicht.
    Anpassungsfähigkeit und Weltoffenheit sind die Eigenschaften, die Menschen dazu befähigen, dinge zu verändern. I Love My Germany

  7. Khan sagt:

    Ich finde die Darstellung von Frau Hübsch sehr aufklärerisch.

    Sehr häufig werden die Frauen in den Medien als Opfer dargestellt und somit hat die Gesellschaft ein falsches Bild, obwohl die Frau Hübsch es zu Recht erklärte, es nicht immer religiöse Probleme sind.
    Außerdem heißt es in einer Überlieferung:

    Es sagte der Prophet Allahs (Friede und Segnungen Allah seien mit ihm):

    »Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am besten behandelt, und ich bin ein Vorbild in der Behandlung meiner Familie.«

    Dies verdeutlicht nochmal welch eine gehobene Stellung die Frau im Islam genießt.

  8. delphin sagt:

    „Dies verdeutlicht nochmal welch eine gehobene Stellung die Frau im Islam genießt.“

    In der Theorie war der Kommunismus ja auch ne ganz dolle Sache! Nur in der Umsetzung hat’s halt immer wieder gehapert. Aber sei’s drum, ich glaube dir -Khan- einfach mal, dass es die Frauen im Islam allesamt besser haben und eine wesentlich höhere Stellung geniessen, als unsere christlich-atheistisch-ungläubigen Frauen. Wer könnte denn daran auch nur im Geringsten zweifeln?

  9. AHA sagt:

    Wenn Frau Hübsch aufklärerisch ist, ist das gut so. Nur in wie verträgt sich Ihre These mit der von dem Psychologen Herrn Kizilhan?
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1593233/
    Oder wie sieht es aus mit der 5fach höheren Selbstmordrate bei türkischen Frauen hier und in der Türkei?
    Wenn Frau Hübscher sich persönlich für alle Dinge des Lebens frei entscheiden kann dann ist das ihr persönliches Glück.
    Und wenn wir ehrlich sind es gut um das untere Drittel der nicht angekommenen Menschen aus der Türkei und anderen muslimischen Ländern. Um niemanden sonst. Und in dieses Drittel muss die aufklärerische Botschaft hineingetragen werden. Sie kann sich gleich einer Frau Sabatina James anschliessen. Da geht was.
    http://sabatina-ev.de/



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