Khola Maryam Hübsch

Medien transportieren einseitiges Opfer-Bild von muslimischen Frauen

Deutsche Medien transportieren nach Analyse der Frankfurter Publizistin Khola Maryam Hübsch ein einseitiges Opfer-Bild von Musliminnen. Das Image bewege sich „zwischen Gewaltopfer und Haremsphantasie“, sagte sie am Dienstagabend in Münster.

„Die meisten der von mir untersuchten Belege aus Zeitungen und Zeitschriften stellen islamische Frauen in einer Opferrolle dar – durch verkürzte Koran-Zitate, irreführende Bildzeilen oder konstruierte Kausalitäten.“ Aktuelle Studien über die Lebenswirklichkeit der Frauen widersprächen diesen Klischees.

Beim Stichwort „Islam“ denken der Expertin zufolge viele Menschen zu Unrecht als erstes an Opfer von Zwangsehen und Ehrenmorden. „Bei diesem Frauenbild handelt sich um eine Projektionsfläche westlicher Normvorstellungen – nicht erst seit der Integrationsdebatte in Deutschland.“ Die Unterdrückung islamischer Frauen werde stets als religiöses Problem dargestellt, obwohl es sich faktisch um eine Frage von Bildung und sozialer Herkunft handele. „Frauen haben die Revolution in der arabischen Welt entscheidend mitgetragen. Wie passt das mit dem Klischee der unterdrückten Frau zusammen“, fragte die Journalistin.

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Studien belegen verzerrtes Medienbild
Der Vortrag „Zwischen Gewaltopfer und Haremsphantasie: Zum Selbst- und Fremdbild der muslimischen Frau“ war Teil der Ringvorlesung „Religion und Geschlecht“ des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der WWU Münster. Die Publizistin hat in ihrem Buch „Der Islam in den Medien“ die Darstellung muslimischer Frauen auf wiederkehrende Muster hin untersucht. Khola Maryam Hübsch ist auch Beauftragte für den interreligiösen Dialog der Frauenorganisation „Lajna Imaillah“ der „Ahmadiyya Muslim Gemeinde“ in Deutschland, die sich als Reformbewegung sieht.

Studien zur Lebensrealität von Musliminnen in Deutschland widersprächen dem gängigen Frauenbild, sagte Hübsch unter Verweis auf die Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ des Bundesamtes für Migration von 2009. Eine „überwältigende Mehrheit“ der befragten muslimischen Frauen gebe darin an, das Kopftuch als religiöses Symbol zu tragen und nicht, wie oft unterstellt, aus Unterdrückung oder als politische Aussage. „Musliminnen in Deutschland sehen sich eher als emanzipiert“, hätten weitere aktuelle Studien ergeben.

Die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdbild steht nach Auffassung der Publizistin der Integration im Wege, die gerade Islamkritiker oft forderten. Das wiederum stärke reaktionäre Kräfte innerhalb des Islams. „Theologische Sachkenntnis und eine genaue Ursachenanalyse können aus diesem Teufelskreis herausführen“, sagte Hübsch. (bhe/vvm/eb)