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Migration und Integration in Deutschland

Wenn wir Millionen von Menschen die doppelte Staatsbürgerschaft geben, die sie weitervererben, werden wir eine dauerhafte türkische Minderheit in Deutschland haben. Das bedeutet eine langfristige Veränderung der Identität der deutschen Gesellschaft. Ich bin dagegen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Münchner Merkur, 6.11.2013

Verzockt und Verjubelt

Spielsucht unter Migranten auf dem Vormarsch

Spielsucht unter Migranten ist in den letzten Jahren zu einem ernsthaften Problem geworden, doch viele Politiker versagen bei diesem Thema und fordern sogar einen Ausbau des Glücksspiels. In den Communities herrscht seltsame Ruhe.

VONAli Baş

 Spielsucht unter Migranten auf dem Vormarsch
geb. 1976 in Ahlen/Westfa- len, arbeitet als Lehrer für Englisch und Politik in Dortmund. Baş promoviert in Münster in Erziehungswis- senschaft und engagiert sich seit 2002 bei Bündnis 90/Die Grünen, wo er Sprecher des Kreisverbandes Warendorf und als Kreistagsmitglied für Schul- und Integrationspolitik zuständig ist. Baş ist Mitgründer und Sprecher des "Arbeitskreises Grüne MuslimInnen NRW", der sich auf politischer Ebene mit Themen rund um Muslime in der deutschen Gesellschaft auseinandersetzt.

DATUM10. Oktober 2011

KOMMENTARE15

RESSORTGesellschaft, Leitartikel

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Suchtpolitische Forderungen finden kaum Gehör
Suchtpolitische Forderungen gehen in dieser Diskussion leider unter, das Thema „Migranten und Sucht“ taucht hier überhaupt nicht auf. Immerhin kommt noch der klassische Hartz IV-Empfänger in der Debatte vor, denn der soll nach einem Urteil des Kölner Landgerichtes in der staatlichen Lottoannahmestelle nicht mehr seine „Stütze verzocken“ dürfen.

Der Kläger war übrigens nicht die örtliche Suchtberatungsstelle, sondern die private Wettbüro-Konkurrenz aus Malta, die neuerdings ihre besondere Fürsorge für den Hartz IV-Empfänger von nebenan entdeckt hat. Wie die Lottoannahmestelle künftig Hartz IV-Empfänger ausfindig machen soll, bleibt allerdings ein Geheimnis.

Tolgas Traum: eigene Wettbude, eigener Mercedes, eigenes Top-Model
Derweil treffe ich Tolga (Name geändert), einen ehemaligen Schüler von der Nachhilfe, der vor einiger Zeit seinen Realschulabschluss nachgemacht hat. Wir tauschen die üblichen Begrüßungen aus, aber er hat es sehr eilig, denn der 20-jährige muss mit seinem geleasten Mercedes Cabrio schnell zu seiner neuen Wirkungsstätte, dem neu eröffneten Wettbüro an der Straßenecke, welches er selbst betreibt – die Tageseinnahmen abholen.

Er flucht noch kurz über die Stadtverwaltung, die jetzt 5 Prozent der Gewinneinnahmen von allen Wettbuden im Stadtgebiet haben möchte, nachdem sie diese nicht schließen konnte. „Fehlt mir nur noch das passende Top-Model zum Top-Wagen!“ scherzt Tolga noch beim Losfahren.

Die neidischen Blicke der jungen Männer auf der anderen Straßenseite sprechen Bände, aber sie gehen auch schnell weiter. Ins Café auf der anderen Straßenseite, um dort die neueste Innovation auf dem lokalen Glücksspielmarkt zu testen: die Ramadan-Tombola (!), eine Art Bingospiel mit attraktiven Bargeldpreisen, welches im Ramadan täglich bis in die frühen Morgenstunden gehen soll. Auch Erdal wird dort sitzen, denn vorgestern soll ein gewisser Memo (Name geändert) mit viel Barem in der Tasche glücklich nach Hause gegangen sein. Es hieß, dass ihm eigentlich heute der Strom hätte abgestellt werden sollen.

Ich bin mir ziemlich sicher: Ich lebe in einem organisierten Irrenhaus!

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15 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Non-EU-Alien sagt:

    …traurig aber wahr…

  2. Kosmopolit sagt:

    http://www.istanbulpost.net/09/09/01/stille.htm
    Was ist denn schon dabei?
    Spielsucht unter Türken
    Das sind Erbschaften, die kein Mensch braucht.

  3. AHA sagt:

    Diese scheiss Dinger sprießen an jeder Ecke aus dem Boden. Ich halte auch nichts davon auch wenn ich kein Migrant bin.

  4. Ben sagt:

    Als erwachsener Mensch sollte man in Deutschland eigentlich selber bestimmen dürfen, wofür man Geld ausgibt. Vom letzten Geld was der Dispo hergibt, kann man ja auch Lottospielen bis der Arzt kommt… – geht niemanden was an.

    Der Staat soll/darf/muss sich darum kümmern, daß Minderjährige nicht zocken und man in den Wettbüros nicht besch… wird – das war`s dann aber auch !

  5. Ali sagt:

    Lieber Ben,
    bei aller Sympathie für den liberalen Bürgergedanken kann ich nicht darüber hinweg sehen, dass eine zunehmende Ausweitung von Glücksspielen in unseren sozialen Brennpunkten dieser Republik zu einer sozialen Katastrophe führt, deren Folgekosten für diese Gesellschaft unüberschaubar wären. Ich finde es deshalb nur logisch, dass der Staat die Ausbreitung von Wettbuden eindämmt und zudem verstärkt in die Aufklärung investiert.

    Obschon ein totales Verbot toll wäre, würden schon Auflagen bei der Errichtung solcher Buden (nicht im Umkreis von Schulen und Wohnvierteln; totale Transparenz der Einnahmen, Versteuerung von Einnahmen in Deutschland etc.) von selbst dafür sorgen, dass ein großer Teil dicht macht. Augen zu machen und den liberalen Traum träumen ist fahrlässig! Süchtige Menschen haben nun mal nicht die Wahl zu zocken oder nicht, denn sie sind krank und benötigen Hilfe.

  6. vanHelsing sagt:

    @ Ali

    Wissen Sie, wo gespielt und gezockt wird?
    In den Hinterzimmern türkisch/kurdisch/libanisischer (u.s.w.)
    sog. „Kulturvereine“. Erst vor wenigen Wochen fand in Düsseldorf wieder erfolfreich eine Razzia statt.

  7. Sebastian sagt:

    Es stimmt sicher, dass Spielsucht für kleine Teile der Bevölkerung ein Problem ist, aber wenn man die Wettbüros einfach verbieten möchte, hilft das gar nicht. Die Leute wetten dann einfach in der Illegalität und verstecken ihre Sucht noch mehr.
    Ein geordneter, Konzessions-gesteuerter und regulierter Wettbüro Markt wäre für alle das beste!

  8. Robert Burton sagt:

    Das beste Medikament gegen Spielsucht wäre wohl ARBEIT !
    Aber solange sich Erdal & Co darauf verlassen können,dass der Staat (also auch ich) die Stromrechnung bezahlen (die armen Kinderlein müssten ja sonst frieren),geht die Zockerei munter weiter.
    Im Kleinen wie im Großen : Gewinne werden privatisiert,Verluste sozialisiert.
    Es ist eine Frage von Anstand und Ehrgefühl,dass man seine Kinder durch eigener Hände Arbeit ernährt.Und genau daran mangelt es offensichtlich vor Allem in moslemischen Einwandererkreisen.

  9. Erich sagt:

    „Interessanterweise scheint gerade in einer muslimisch geprägten Gesellschaft das Thema „Spielsucht“ ein ernsthaftes Problem darzustellen.“

    Wenn Sarrazin so etwas feststellen würde, gäbe es einen Aufruhr in der Republik. :o)

  10. Hisham sagt:

    Das Problem liegt doch anders: Viele junge türkischstämmige Männer glauben, dass sie durch die Zockerei zu Geld kommen können und vernachlässigen deshalb Schule und Ausbildung.

    Wer einen guten Schulabschluss und einen geregelten Job hat, wird viel weniger in Versuchung kommen, zu zocken.

    Was tut z.B. Kenan Kolat von der Türkischen Gemeinde dagegen? Warum macht er das Problem nicht öffentlich? Warum schweigt das Zentrum für Türkeistudien? Ohne Ehrlichkeit in der türkischen Community wird das Problem nur schlimmer.


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