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Migration und Integration in Deutschland

Gedenken an Holocaust Teil unserer gemeinsamen Leitkultur.

Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010
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Wahlprüfsteine 7/8

Islam und Islamuterricht – Standpunkte Berliner Parteien vor den Wahlen 2011

Wie sind die Standpunkte der Berliner Parteien zu Ausländerrechtlichen und Integrationsthemen? In einem Achtteiler präsentiert das MiGAZIN die Wahlprüfsteine. Heute: Islam und Islamuterricht.

Forderung: Das Land Berlin bietet einen Islamkunde-Unterricht an.

Begründung: Neben den bestehenden Angeboten einiger Verbände sehen wir es als sinnvoll, für säkulare Muslime, die ihre Kinder nicht in die bestehenden Angebote schicken, auch ein Angebot anzubieten.

SPD
Das Land Berlin kann aus rechtlichen Gründen selbst keinen Islamkunde oder anderen Religionsunterricht anbieten. Zur Stärkung des gemeinsamen Wertefundaments in einer multireligiösen Stadt hat der SPDgeführte Senat 2007 den gemeinsamen Ethikunterricht ab der 7. Klasse verbindlich eingeführt. An der Gestaltung des Unterrichts können sich die Kirchen, Religions und Weltanschauungsgemeinschaften aktiv beteiligen. Aus Sicht der Berliner SPD ist es der richtige Weg, den gemeinsamen Werteunterricht aller Schülerinnen und Schüler durch solche wichtigen Beiträge zu bereichern.

CDU
Ein Islamunterricht in der Schule unter staatlicher Aufsicht und in deutscher Sprache hat viele prominente Befürworter in der CDU. So ist die Bundesbildungsministerin der Auffassung, dass es an der Zeit ist, den Modellversuchen nun ein breites Angebot folgen zu lassen. Und der Bundesinnenminister äußerte kürzlich auf einer Konferenz in Nürnberg, dass er die Länder dabei unterstützen wolle. Abgesehen von der positiven Grundhaltung auch der Berliner CDU zu diesem Anliegen (s. Integrationsprogramm) sind noch viele Umsetzungsfragen offen sowie rechtliche, inhaltliche und organisatorische Probleme zu klären.

Die Linke
DIE LINKE hat Verständnis für diese Forderung und ihre Begründung, allerdings kann sie sich ihr nicht in dieser Form anschließen. Seit dem Schuljahr 2006/2007 gibt es in Berlin das Unterrichtsfach Ethik. Von der 7. bis zur 10. Klasse verbindlich, bietet der EthikUnterricht Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher nationaler, ethnischer und kultureller Herkunft, verschiedener Glaubensrichtungen und Weltanschauungen Raum, die Lebensweisen und – vorstellungen des jeweils anderen kennen zu lernen und sich mit ihnen auseinander zu setzen. Der Ethikunterricht sensibilisiert sie für Gemeinsames, aber auch für Unterschiede. Hier lernen sie, das Fremde nachzuvollziehen, sich miteinander zu verständigen und Konflikte friedlich zu lösen. Im EthikUnterricht werden auch die verschiedenen Weltreligionen behandelt. In einer multikulturellen Stadt wie Berlin nimmt gerade auch der Islam eine wichtige Stellung in diesem Unterricht ein. So wird gewährleistet, dass ggf. bestehende Vorurteile abgebaut werden und die Schülerinnen und Schüler sich gemeinsam mit der Lehrkraft über den Islam und seine Parallelen wie auch Unterschiede zu den anderen Weltreligionen austauschen. Insoweit ist die Islamkunde ein Bestandteil des Faches Ethik. Im Zuge der stetigen Evaluation und Qualifizierung des Faches sollte natürlich überprüft werden, ob der islamkundliche Anteil am Ethikunterricht den in das Fach gesetzten Erwartungen entspricht. Gegebenenfalls kann dann nachgesteuert werden. Hier ist die Politik auch auf die Hinweise von Eltern, Lehrern und Schülern angewiesen.

Die Grüne
s.o.

FDP
Sinnvoll mit staatlich ausgebildeten Religionslehrern, die den islamischen Glauben eingebettet in den Rahmen der westeuropäischen Rechts und Werteordnung vermitteln.

Lesen Sie morgen die Standpunkte der Parteien zur „Flüchtlingspolitik“.

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