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Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

Nordrhein-Westfalen

Verstärkung kultursensibler Pädagogen-Ausbildung

Pädagogen sollen in Nordrhein-Westfalen besser auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte vorbereitet werden. Das kündigte Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider an.

Pädagogen sollen in Nordrhein-Westfalen besser auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte vorbereitet werden. „Wir wollen Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen. Deshalb werden wir die Ausbildung für die Sozialarbeit und das Lehramt so gestalten, dass die künftigen Pädagogen auf den Umgang mit Vielfalt vorbereitet sind und Jugendliche mit ihren jeweiligen Stärken individuell fördern können.“ Das sagte Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) am vergangenen Freitag in Köln zur Eröffnung der Tagung „Chancen der Vielfalt nutzen lernen“.

„Bildung ist ein zentraler Schlüssel, um die Chancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu verbessern, und eine besondere Rolle spielt dabei die Sprache“, erklärte Ludwig Hecke, Staatssekretär des Ministeriums für Schule und Weiterbildung. „Wir geben den Lehramtsstudierenden schon in der Zeit ihres Studiums die Chance, neben der Entwicklung ihrer theoretischen Kompetenzen ganz praktische Erfahrungen in der Sprachförderarbeit mit Schülerinnen und Schülern zu machen.“

Auf der Fachtagung ziehen Fachleute aus Wissenschaft und Praxis eine erste Zwischenbilanz des bis zum Jahr 2013 laufenden Modellvorhabens der Landesregierung „Chancen der Vielfalt nutzen lernen“. Von Aachen bis Siegen werden derzeit in sieben Städten Nordrhein-Westfalens an Fachhochschulen und Universitäten Ideen für die Praxis in Schulen und Jugendeinrichtungen entwickelt.

Verbindung von Theorie und Praxis
Ob Sport und Sprache in Bochum, Lerntagebücher in Münster oder Sprachstandsfeststellungen in Paderborn – alle Ergebnisse aus den beteiligten Standorten fließen in das Modellvorhaben ein und sollen die Grundlage für eine erfolgreiche Verbindung von Theorie und Praxis bieten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Entwicklung von interkulturellen Ausbildungskonzepten, der Erfahrungsaustausch aller Projektbeteiligten und letztlich der nachhaltige Transfer der Projektergebnisse in die Regelausbildung für Sozialarbeit und Lehramt. So liegen bereits Handlungsempfehlungen für die Soziale Arbeit vor.

Weitere Zwischenergebnisse des Projekts: Studierende des Lehramtes und der Sozialen Arbeit unterstützen sich gegenseitig bei der Arbeit. Erprobt werden moderne Formen der Lernförderung wie die Kombination von Sport- und Sprachangeboten, Elemente der Theater- und Zirkuspädagogik sowie Zeitungsprojekte. Für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund auf der einen und Studierende auf der anderen Seite soll sich dadruch eine Win-Win-Situation ergeben: Die einen bekommen die benötigte Unterstützung, die anderen erwerben Schlüsselqualifikationen, die für die pädagogische Arbeit und somit für die eigene Berufslaufbahn immer wichtiger werden. (sb)

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4 Kommentare
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  1. Dr. Rita Zellerhoff sagt:

    Die Bildung der Lehrer ist sicher ein notwendiger Schritt, die Sensibilität für das Thema Mehrsprachigkeit zu erhöhen. Dabei ist die Verzahnung von Theorie und Praxis ein angemessener Weg, Aber wie kann man der Gefahr entgehen, dass sich, wie zum Beginn der „Ausländerpädagogik“ die Förderung mehrsprachiger Schüler auf den interkulturellen Austausch beschränkt? Motivierende Theaterprojekte können ein Einstieg sein, dem aber eine umfassende sprachliche Bildung folgen muss.
    Hilfreich scheinen mir auch Projekte zu sein, mit denen Studierende mit Migrationshintergrund ermutigt werden, Pädagogik zu studieren und dabei ihre Biographie als Ressource zu nutzen, wie das z..B. an der Universität Hamburg geschieht (vgl. SchlauFox e.V.).

  2. IMV sagt:

    und wie kann man alienation verhindern???

  3. Dr. Rita Zellerhoff sagt:

    Alienation lässt sich durch Hinwendung und Zuwendung verhindern;
    educatiional Alienation durch gute Praxis, in welche die Fähigkeiten aus allen Sprachen der Heranwachsenden einfließen (vgl. Hornberg, S. / Valtin, R. (Hrsg.): Mehrsprachigkeit. Chance oder Hürde beim Schriftspracherwerb? Empirische Befunde und Beispiele guter Praxis. Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben, Berlin 2011, ISBN: 978-3-9809663-2-0.

  4. BlauerBär sagt:

    „Chancen der Vielfalt nutzen lernen“ heisst in der Praxis lediglich, dass man sich mit dem sinkenden Niveau abfindet und es nicht mehr hinerfragt.



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