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Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Islamischer Religionsunterricht

Universität möchte europäischen Islam entwickeln

Die Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster möchte daran arbeiten, „so etwas wie ein europäisches Verständnis des Islam“ zu entwickeln. Die Universität und Nordrhein-Westfalen streben gemeinsam an, islamische Religionslehrer auszubilden.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Die Grünen) und Prof. Dr. Ursula Nelles, Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), haben am vergangenen Freitag eine Tagung zur Zukunft des Islamischen Religionsunterrichts in Nordrhein-Westfalen eröffnet. Ministerin Löhrmann kündigte ein pragmatisches Vorgehen vor. Man wolle „den Islamischen Religionsunterricht Schritt für Schritt einführen“. Das Angebot werde sich am Bedarf orientieren und nach und nach aufgebaut. Nelles betonte: „Es ist notwendig, daran zu arbeiten, dass sich so etwas wie ein europäisches Verständnis des Islam entwickelt.“

Mit der geplanten Einführung des Faches kann ab dem Schuljahr 2012/13 zunächst an den rund 130 Schulen begonnen werden, an denen bereits das Fach Islamkunde angeboten wird. Hier unterrichten etwa 80 Islamkundelehrkräfte. Darüber hinaus werden ca. 60 weitere Lehrer in Nordrhein-Westfalen im Sommer 2011 einen Zertifikatskurs Islamkunde abschließen. Darauf aufbauend kann der Islamische Religionsunterricht schrittweise landesweit ausgeweitet werden.

Löhrmann: „Wir werden nicht sofort hunderte oder gar tausende Lehrerstellen benötigen. Denn wir können heute noch gar nicht exakt sagen, wie viele der über 320.000 muslimischen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen tatsächlich am Islamischen Religionsunterricht teilnehmen wollen. Die Eltern werden gegenüber der Schule erklären, ob ihr Kind am Unterricht teilnimmt.“

Die Landesregierung und die Universität Münster streben gemeinsam an, islamische Religionslehrer auszubilden, die dann ihren Dienst an den Schulen in Nordrhein-Westfalen aufnehmen. Mouhanad Khorchide, Professor für islamische Religionspädagogik an der WWU, hob auf der Tagung in Münster hervor: „Das im Februar 2011 erzielte Einvernehmen über die Einführung des bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichts in NRW stellt einen Meilenstein in dieser Frage dar.“

Am 22. Februar dieses Jahres hatten der Koordinationsrat der Muslime (KRM) und die nordrhein-westfälische Schulministerin eine Gemeinsame Erklärung zur Einführung eines Islamischen Religionsunterrichts unterzeichnet. Sie sieht vor, dass dem Land ein Beirat als Ansprechpartner für die Einführung des Islamischen Religionsunterrichts zur Seite steht. Er vertritt die religiösen Grundsätze der Muslime gegenüber dem Land. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Mitwirkung bei der Lehrplanentwicklung und die Bestätigung der Lehrkräfte für den Islamischen Religionsunterricht. Die Mitglieder des Beirats werden vom Schulministerium im Einvernehmen mit dem Koordinationsrat benannt. Alle Mitglieder sind muslimischen Glaubens.

Zur Einführung des Islamischen Religionsunterrichts und zur rechtlichen Absicherung des Beiratsmodells ist jedoch eine Änderung des Schulgesetzes notwendig. Ministerin Löhrmann: „Es wäre ein wichtiges Signal an die Muslime, wenn der Gesetzentwurf aus der Mitte des Parlaments käme. Damit wird die Einführung des Faches von einer breiten Mehrheit der Gesellschaft getragen.“

Sobald der Gesetzentwurf vorliegt, wird das Schulministerium eine Lehrplankommission einberufen. Für die Mitarbeit in dieser Kommission werden qualifizierte Religionsdidaktikerinnen und -didaktiker, Lehrkräfte sowie Wissenschaftler eingesetzt. Die Kommission wird vom Schulministerium geleitet. Nach Fertigstellung des Lehrplans wird die bei Lehrplanverfahren übliche Verbändebeteiligung durchgeführt. (eb)

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11 Kommentare
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  1. Dr. Rita Zellerhoff sagt:

    Ich wünsche mir, dass der Hürdenlauf des islamischen Religionsunterricht endlich glücklich ins Ziel kommt!
    Rita Zellerhoff

  2. MoBo sagt:

    Ich verstehe nicht ganz, wie eine einzelne Uni in Deutschland den europäischen Islam mit prägen will und auf was für Grundlagen dies getan werden soll. Ansonsten begrüße ich die Initiative, denn islamischer Religionsunterricht muss raus aus den Hinterhöfen und rein in die Öffentlichkeit.

  3. Sonata sagt:

    Na das klingt doch mal vernünftig, Islamunterricht in Deutschland mit deutschen Islamlehrern. So kann man den Islam in Deutschland sicher auf ein europäische Niveau führen.

  4. keton sagt:

    Und weil man dabei keine kritisch eingestellten Geister gebrauchen kann, mußte Hr. Kalisch vorher gegangen werden.

  5. Boli sagt:

    Jetzt frage ich mich nur wie die Aussage Mazyeks das der Islamismus auf dem Rückzug ist mit der Aussage Bassam Tibis das der Euroislam gescheitert ist und diesem Artikel zusammenpasst. Da stimmt doch was nicht.

  6. MoBo sagt:

    @ Keton: die Katholiken schmeißen auch Leute raus, die nicht an Gott glauben. Bei der Diakonie und Caritas darf man meist auch nur als Gläubiger arbeiten.

    Konfessionsgebundener Unterricht kann nur von Leuten aus dieser Konfession vorangebracht werden. Ein Kalisch wäre gerade deshalb schädlich, weil er als ex-Muslim als Stimme von Außen auftreten würde und nicht innerhalb der muslimischen Gemeinde argumentieren könnte. Genauso wie Reformen in jüdischen und christlichen Gemeinden auch nur durch die Gemeinden selbst funktionieren.

  7. keton sagt:

    @ MoBo
    Soweit ich weiß, ist Kalisch nicht aus einem kirchlichen Amt herausgedrängt worden, wie z.B. ein Herr Küng bei den Katholen vor vielen Jahren, sondern es ging um einen Lehr- und Forschungsauftrag an einer Universität. Darin besteht ein großer Unterschied. Theologen, die ihren Glauben so kritisch betrachten, wie z.B Kalisch es beabsichtigt hat gibt es zuhauf, wohlgemerkt mit Stelle an der Uni.

  8. keton sagt:

    Soweit ich weiß, war er noch gar kein Ex-Muslim bei seinem Rauswurf. Aber vl. ist ja auch jeder kritisch denkende Muslim automatisch keiner mehr.

  9. KungLao sagt:

    @ Keton

    Warum machen Sie sich Sorgen um die Personalbesetzung? Sind Sie etwas Moslem? Wenn Sie Christ sind, haben Sie genug Probleme, die Sie angehen können. Beispiele muss ich wohl nicht geben…

  10. bobermann sagt:

    Das sind alles Spiegelfechtereien. Der Koran darf nicht verändert werden.
    Eine Zeitlang werden Die Moslems da mit machen. Bei zunehmenden Einfluß werden sie immer mehr ihren eigentlichen koran einführen. Diese Bemühungen sind nur dazu da um sich selbst als guter Mensch zu fühlen. Auf dauer werden sie nichts bringen. Es ist die von Vielen vermutete und mit Recht befürchtete Selbstaufgabe zu Gunsten einer Entwicklung, die Gewalt nach sich ziehen wird. Aber die Warner werden ja mittlerweile alle als Nazis diffamiert. Viel Spaß beim Spiegelfechten.


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