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Migration und Integration in Deutschland

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Ali konkret

„Ich sag dann mal Sorry…“ – Eine Gedankenrevue zu Thilo Sarrazins Verbleib in der SPD

War alles nicht so bös gemeint … alles nur ein schlechter Scherz … und überhaupt: alles nur ein peinliches Missverständnis. Millionen Menschen in dieser Republik haben unter kollektiven Halluzinationen gelitten. Die SPD hat’s bestätigt.

VONAli Baş

 „Ich sag dann mal Sorry…“ – Eine Gedankenrevue zu Thilo Sarrazins Verbleib in der SPD
geb. 1976 in Ahlen/Westfa- len, arbeitet als Lehrer für Englisch und Politik in Dortmund. Baş promoviert in Münster in Erziehungswis- senschaft und engagiert sich seit 2002 bei Bündnis 90/Die Grünen, wo er Sprecher des Kreisverbandes Warendorf und als Kreistagsmitglied für Schul- und Integrationspolitik zuständig ist. Baş ist Mitgründer und Sprecher des "Arbeitskreises Grüne MuslimInnen NRW", der sich auf politischer Ebene mit Themen rund um Muslime in der deutschen Gesellschaft auseinandersetzt.

DATUM26. April 2011

KOMMENTARE39

RESSORTAktuell, Meinung

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Es war einmal ein älterer Herr, der war einmal eine mittelgroße Nummer in einer stolzen und traditionsreichen Partei. Jahrelang hütete er die Finanzen des armen, aber nicht ganz unsexy wirkenden Bundeslandes Berlin. Zwischendurch wurde es aber dem älteren Herrn doch etwas ungemütlich in den kargen Büroräumen des Berliner Senats.

Dann müssen schon mal die armen Hartz IV-Empfänger ihren letzten Pullover im bitterkalten Berliner Winter hergeben, weil sonst die Gefahr der spätrömischen Dekadenz drohen könnte, die zu mehr unproduktiven (weil ständig unterdrückt und in den Wandschrank gesperrten) Moslem-Kopftuchmädchen führen könnte.

Das war es! Schon blitzten die Fotoapparate sämtlicher Postillen dieser Republik und ein neuer Star war geboren…so was wie Ekel Alfred mit SPD-Parteibuch. Sein Name war Thilo Sarrazin! Und weil nach dem Abschied als Berliner Kohle-Wächter die Büroräume der Deutschen Bundesbank auch zu trist waren, musste unser Thilo seine Sicht der Dinge zum Thema „Integration“ in sein „rotes Buch“ ergießen, welches später dann gekonnt von der Aktionskünstlerin Necla Kelek bei einer Pressekonferenz pantomimisch performt wurde.

Der Inhalt dieses Buches, eine Mischung aus RTL-tauglichem Sozialporno und aus dem Zusammenhang gerissenen Statistiken gepaart mit wirren Ausflügen in die Irrlehren von Intelligenz, Rasse und Religion fand viel Beifall, besonders in der politisch wichtigen Mitte der Gesellschaft. Das Affentheater in Deutschlands größtem Bildungsmedium wurde später nur noch durch die Pro-Guttenberg-Kampagne getoppt, die an Fremdschämpotenzial kaum noch zu überbieten war und uns beinahe die Rückkehr der Monarchie beschert hätte.

Nun ist unser Thilo mit seinem roten Buch auf gesellschaftliche Kernspaltungstournee gegangen und um mehrere Altersmillionen reicher. Seine politische Heimat, die SPD, erlebte damit den politischen Super-GAU.

Nicht wenige aufrichtige Parteigenossen zeigten sich empört und forderten einen Ausschluss ihres gar nicht mehr so rot daherkommenden Genossen Thilo. Ein Ausschlussverfahren war beschlossen und es drohte uns ein monatelanger Prozess, welcher uns womöglich noch den zweiten Teil des bösen, roten Buches beschert hätte.

Nun rückte der erste Termin des Ausschlussverfahrens näher, die SPD sichtlich angespannt, denn egal wie dieses Verfahren ausgegangen wäre, Thilo gewinnt so oder so.

So geschah es, dass sich die SPD-Spitzenleute gerade einmal wenige Stunden beraten haben, was man denn jetzt nun mit Thilo machen könnte.

Das Ergebnis: war alles nicht so bös gemeint … alles nur ein schlechter Scherz … und überhaupt: alles nur ein peinliches Missverständnis. Thilo sagt dann mal „Sorry!“.

Es lag ihm natürlich fern (so ungefähr vom Stuhl bis zum Tisch) MigrantInnen zu dissen oder sogar Menschen zu kränken … nein nein … alles nur eingebildet. Die SPD-Spitze ist damit zufrieden. Thilo bleibt in der Familie. Problem vom Tisch … zumindest oberflächlich.

Wir fassen zusammen: Millionen Menschen in dieser Republik (inklusive den Trittbrettfahrern von der NPD) haben unter kollektiven Halluzinationen gelitten.

Das ist jetzt amtlich beschlossen durch das SPD-Schiedsgericht. Allen stolzen Besitzern von „Deutschland schafft sich ab“ empfehle ich nur noch eines: Tauscht eure Bücher um! Holt euch eure Kohle zurück, denn auch ihr wurdet schamlos hinters Licht geführt!

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39 Kommentare
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  1. Jos. Blatter sagt:

    Der Meinung Sarrazins sind 86%(Fourotan) der deutschen Bevölkerung.
    Ein Herr Bas vertritt eine kulturfremde Meinung.

  2. Nic sagt:

    Liebe Leute,

    ich würde an Eurer Stelle prüfen, welche Werbung Euch google hier anbietet. im Moment wird Werbung für Pro-Deutschland eingeblendet. Ob Euch das gefällt ist fraglich…

  3. MoBo sagt:

    Jos. Blatter: „Kulturfremde Meinung“? Weil ein „echter Deutscher“ nur eine bestimmte Meinung haben kann? Bitte was?

  4. Ali Bas sagt:

    Hallo Herr Blatter,
    Herr Sarrazins Thesen werden nicht dadurch schöner und weniger rassistisch, weil sie angeblich 86% der dt. Bevölkerung toll finden. Wenn 86% kollektiv von der Klippe sprängen, würden Sie es ja auch nicht tun, oder?

    Herzliche Grüße

    A. Bas

  5. Miro sagt:

    Bei diesem Kommentar eines Herrn Bas fragt man sich echt wer hier in Wahrheit unter Halluzinationen leidet.
    Problem mit Islam und Muslimen gibt es nicht, nicht in Deutschland, nicht in Europa, nicht weltweit. Alles Einbildung.

  6. mädcheb sagt:

    herr jos.blatter…

    dass 86% sarrazins unsinn und rassismus unterstützen, macht die inhalte nicht unbedingt besser. achtung, jetzt kommt die nazi-keule…auch im 3.reich gab es einen beachtlichen prozentsatz, der hinter dem rassistischen gedankengut stand…

    herr bas spricht das aus, was kritisch-rationale menschen denken…

    punkt

  7. Leon sagt:

    Herr Bas sollte sich einmal selbstkritisch fragen, weshalb Sarrazins Buch (oder Machwerk) jenseits aller inhaltlichen Bewertung überhaupt einen solchen Erfolg haben konnte.

    Ich meine, in allen etablierten Parteien hat es nie eine offene und ehrliche Debatte über das OB, WIE und die Folgen von Zuwanderung in millionenfacher Größenordnung gegeben.
    Die deutsche Bevölkerung, der Souverän, wurde dazu nie befragt, also seiner Souveränität in einer solch existenziellen Frage beraubt.
    Über Jahrzehnte konnte kommen und sich ansiedeln wer wollte – die Bevölkerung, die diesem Land ihren Namen gab, hatte das einfach zu schlucken.
    Hier ist eine ungeheuere Kränkung und Entmündigung des Volkssouveräns geschehen.

  8. keton sagt:

    Kann Herr Bas auch erklären was an Statistiken rassistisch sein soll?

  9. Ali Bas sagt:

    @Miro: schlechtt aufgepasst..hab ich geschrieben dass wir keine Probleme haben? tststs …mal sehen ob Sie auch die vielen positiven Dinge über Zuwanderung herausfinden, die Sarrazin in seinem Buch komplett ausblendet. Das nenne ich mal eine echte Herausforderung…;)

    @Leon: Sie tun ja gerade so, als ob die vielen Zuwanderer „einfach so“ nach Deutschland gekommen sind, ignorieren ganze Zusammenhänge wie die wirtschaftliche Situation der BRD nach dem 2. Weltkrieg oder den Fall der Mauer. Ich empfehle Ihnen dringend sich mal mit der Geschichte Deutschlands näher auseinander zu setzen und dann qualifiziert antworten. Soviel Niveau kann ich ja noch erwarten.

    @Keton: Statistiken lassen sich beliebig manipulieren, indem man Zahlen aus dem Zusammenhang reisst und sie als einzig gegeben darstellt. Uralter Trick von Demagogen. Einfach mal BLÖD-Zeitung lesen, dann weiß man wie sowas funktioniert.

  10. keton sagt:

    @ Ali Bas
    Oder mal die Statistiken lesen die Naika Fourotan oder die Berthelsmann Stiftung unters Volk bringen wollen. Alles eine Frage der Perspektive anscheinend.


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