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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Fachtagung

Kulturelle Vielfalt ist ein Wirtschaftsfaktor

Interkulturelle Kompetenz ist in einer vielfältigen Gesellschaft ein Erfolgsfaktor und ein Wettbewerbsvorteil – insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen. Dessen sind sie sich bisher kaum bewusst – Eine Fachtagung an der Ruhr-Universität Bochum.

VONCaroline Richter

Caroline Richter beschäftigt sich als wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeitsor- ganisation und Arbeitsge- staltung der Ruhr-Universität Bochum mit den Wirkungen des demographischen Wandels für und in Organisationen. In Lehre und Forschung liegen die Schwerpunkte der Diplom-Sozialarbeiterin/-pädagogin und Sozial-Anwältin M.A. in der Auseinandersetzung mit Inklusionsprozessen, Beschäftigungs- und Gesundheitsförderung sowie Vertrauensmanagement in Organisationen. Im Team des Projektes Ökonomie mit Vielfalt ist sie Ansprechpart- nerin für Öffentlichkeitsarbeit und die Sicherung der Nachhaltigkeit. Mehr unter www.aog.rub.de

DATUM20. April 2011

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RESSORTAktuell, Wirtschaft

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In Nordrhein-Westfalen und insbesondere im Ruhrgebiet hat bereits heute ein Viertel aller Bürger einen Migrationshintergrund – Tendenz steigend. Vielfalt ist dabei Stärke und Chance zugleich. Die ethnische Herkunft von Menschen bewusst wahrzunehmen und die Potentiale, Fähigkeiten und Erfahrungen einer vielfältigen Belegschaft optimal zu nutzen, bietet Unternehmen attraktive wirtschaftliche Chancen durch neue Kundenpotentiale.

Die Auseinandersetzung mit kultureller Vielfalt und interkultureller Kompetenz ist dabei für Unternehmen vor Ort längst nicht mehr nur eine Frage von Antidiskriminierungspolitik oder sozialer Nächstenliebe; sie liegt vielmehr in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse: Interkulturelle Kompetenz ist mehr denn je ein Wirtschaftsfaktor!

Interkulturelle Kompetenz als Wirtschaftsfaktor
„Wie kann die Vielfalt der Gesellschaft für kleine und mittelständische Unternehmen interessant und nutzbar gemacht werden?“ Mit dieser Fragestellung setzte sich das Projekt Ökonomie mit Vielfalt am 31. März und 01. April im Rahmen einer Fachtagung mit anschließendem Workshop zum Thema „Interkulturelle Kompetenz als Wirtschaftsfaktor“ auseinander: „Welche Unternehmen setzen sich mit kultureller Vielfalt auseinander?“ oder „Wie und warum machen sie das?“

Das Projekt: In dem seit 2009 laufenden Projekt kooperieren Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum mit der Unternehmensberatung bkp GbR sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Finanziert wird das Projekt bis 2012 im Rahmen des Bundesprogramms „Xenos – Integration und Vielfalt“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Thomas Becker, XENOS-Programmkoordinator des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, stellte in seinem Grußwort die besondere Bedeutung von Unternehmen für die Förderung von Integration heraus. Daran anschließend wurde das Projekt „Ökonomie mit Vielfalt“ von den Mitarbeiterinnen des Gastgeber-Lehrstuhls vorgestellt: Sie zeigten einen Ansatz, der die Potenziale von Diversity und Integration in die ökonomische Logik von Unternehmen übersetzt.

Bisher kaum genutztes Potential
Ihr Vorgehen beruht darauf, Unternehmen in einer Kooperation zwischen Arbeitswissenschaft und Organisationsberatung durch einen Strategieberatungsprozess ihr bisher kaum genutztes (Markt-)Potential aufzuzeigen. Dazu gehören auch Perspektiven der gezielten Kundenansprache und der Produktanpassung, um vielfältigen Bedürfnissen einer (potenziellen) Kundschaft zu entsprechen.

Dies unterstrich auch Kamuran Sezer vom futureorg Institut in seinem Vortrag, in dem er theoretisch wie praktisch darlegte, dass Diversity Management durch Veränderungsmanagement nutzstiftend realisiert werden kann. Die Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin Dr. Anne Dietrich aus Essen berichtete daran anschließend über die zunehmende Bedeutung kultureller Kompetenz in und für Unternehmen und gab Einblicke in die Methoden von interkulturellen Trainings.

Überraschende Ergebnisse
Unternehmensberater Dr. Rüdiger Piorr erläuterte die praktische Umsetzungsphase im Projekt Ökonomie mit Vielfalt. Er stellte dar, wie das Projektteam die bisherige Marktnutzung analysiert und daraus gemeinsam mit den Unternehmen neue Marketingstrategien entwickelt.

Anschauliche Beispiele für ihr branchenspezifisches Vorgehen und erste Ergebnisse lieferten die Unternehmenspartner. Sie zeigten auch, warum sie den Strategieberatungsprozess als wirksam und hilfreich bewerten: „Überraschende Ergebnisse“, „Wir wären ohne das Projekt in die falsche Richtung gegangen“, „Neue Perspektiven“, „Wir sehen für uns neue Chancen und Perspektiven“, lauteten ihre Botschaften an das Publikum.

Weitere Informationen: Diversity-Akteure, Unternehmen und Interessierte finden auf www.oekonomiemitvielfalt.de weitere Informationen zum Projekt.

Auf Auseinandersetzung und Selbstreflexion einlassen
Dass Kultur nicht nur auf Ethnizität reduziert werden darf, sondern alle Facetten der Persönlichkeit betrifft, wurde in der abschließenden Podiumsdiskussion unterstrichen. Prof. Dr. Heiner Minssen fasste die Fachtagung zusammen: „Vielfalt ist überall, und sie ist vielfältig. Für Unternehmen bieten sich Chancen, wenn sie sich auf die Auseinandersetzung und Selbstreflexion einlassen.“

Ein Teilnehmer des anschließenden Workshops resümierte: „Das Thema Vielfalt ist jetzt für mich auch mit Bereicherung verknüpft und das nicht in der Hauptsache im monetären Sinn. Und: Ich bin, gerade durch den Workshop heute, mal wieder auf meine eigenen Denk-Schablonen aufmerksam gemacht geworden.“

Bilanz der Tagung: Unternehmen – insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen – sollten sich strategisch und betriebswirtschaftlich mit Vielfalt auseinandersetzen, um lohnenswerte Potenziale im Wettbewerb ausschöpfen zu können.

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4 Kommentare
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  1. Sonata sagt:

    Ähh, was enthält der Beitrag denn nun genau? Kulturelle Vielfalt soll was bringen, eher nicht monetär und keiner weiß davon??

  2. Karl Willemsen sagt:

    Mein Computer zählt in diesem Artikel den Begriff „Vielfalt/vielfältig“ 21 (In Worten: einundzwanzig) mal !… plus 3x „diversity“ …also = 24!

    Insofern betrachte ich ihn eher als rosenkranzartiges Gebet…

  3. Leon sagt:

    Wie sagt der Herr Professor: „Vielfalt ist überall, und sie ist vielfältig.“
    Das ist doch einmal eine bedeutungsschwangere Aussage.
    Und ein Bundesministerium finanziert diese Produzenten der kunterbunten Einfalt.

  4. keton sagt:

    Kulturelle Vielfalt und Ablehnung hinsichtlich grundgesetzlicher Werte nichtakzeptabler Ausprägungen des Islam sind kein Widerspruch.



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