Diversity Management

Personalpolitik ohne Vielfalt ist ein Verlustgeschäft

Diversity Management ist für Unternehmen der Schlüssel zu mehr Gewinn. Dennoch sind die Zugangsbarrieren für Bewerber mit Migrationshintergrund weiterhin hoch, so die Niedersächsische Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU).

Dienstag, 05.10.2010, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 07.10.2010, 3:03 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Im Rahmen der bundesweiten interkulturellen Woche hat die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan, vergangene Woche (27.09.2010) die hochkarätig besetzte Veranstaltung „Vielfalt als Chance für Unternehmen“ eröffnet. Rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung verfolgten die Veranstaltung am Montagabend im Alten Rathaus Hannover.

„Studien sagen, dass im Jahr 2020 rund 230 000 Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker fehlen. Aus dem Ausland wird Deutschland diesen Bedarf nicht decken können, wenn wir uns die derzeitigen Zahlen der Einwanderung von Hochqualifizierten ansehen. Daher müssen wir die Potentiale im Land erkennen und fördern“, sagte Ministerin Özkan. Eine Studie der OECD ergab kürzlich: Die Zugangsbarrieren für Bewerber mit Migrationshintergrund sind hoch. Das gilt auch im Bereich der hoch Qualifizierten. Bürger mit fremd klingenden Namen haben laut Studie gerade im Bewerbungsverfahren deutliche Schwierigkeiten.

In der Personalpolitik auf Vielfalt setzen
Parallel wird jedoch auch deutlich, dass es einen Wandel innerhalb der Wirtschaft gibt, der über kurz oder lang alle Unternehmen erreichen wird. „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund sind für Unternehmen ein Gewinn. Das erkennen immer mehr Arbeitgeber. Neben fachlicher Kompetenz sind gute Sprachkenntnisse in Deutsch und Fremdsprachen sowie eine frische Perspektive wichtig. Für ein stark export- und dienstleistungsorientiertes Land wie Deutschland sind dies wichtige Faktoren. Vielfalt im Unternehmen sollte daher kein Zufallsprodukt, sondern eine bewusste Entscheidung sein. Außerdem: durch den demographischen Wandel werden die Spielräume gerade für Unternehmer enger. Wer heute in der Personalpolitik auf Vielfalt setzt, gewinnt später doppelt“, betonte UVN-Vizepräsident Gerd W. A. Stäcker.

In einer älter und vielfältiger werdenden Gesellschaft steht insbesondere die Personalpolitik in Wirtschaft und Verwaltung vor neuen Herausforderungen. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde der Mehrwert von Vielfalt in Unternehmen schon früh erkannt, gerade im Bereich Personalgewinnung und Personalmanagement. „Vielfalt wird in den USA schon lange nicht mehr als Problem, sondern als Ressource verstanden. Diversity Management bindet die vielfältigen kulturellen Ressourcen einer Gesellschaft auch in Unternehmen ein. Dieses Konzept entstand in den USA zunächst als Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung, doch schon bald erkannten Manager auch den Nutzen für das Unternehmen“, so der Botschafter der USA in Deutschland Phillip Murphy.

Diversity Management – Attraktivität seigern
Das stellte auch Béatrice Guillaume-Grabisch, Vorstandsvorsitzende bei Beverage Partners Worldwide (Joint Venture von Coca Cola und Nestlé), in ihrem Impulsvortrag dar: „Wenn Unternehmen sich heute für Vielfalt am Arbeitsplatz engagieren, wird sie dies auch künftig zu einem begehrten Arbeitgeber machen – sei es für Männer wie für Frauen. Mein Rat an Frauen für beruflichen Erfolg ist, sich etwas zuzutrauen, ihren Beruf zu leben und nicht zu vergessen: darüber zu sprechen!“, betonte sie.

Abschließend betonte Wirtschaftsstaatssekretär Oliver Liersch die Bedeutung von Diversity Management: „Vielfalt wahrnehmen, wertschätzen und als Chance nutzen: Das ist die Idee von Diversity Management. Das Erfahrungswissen älterer Menschen, die hervorragende Qualifikation von Frauen, die Kenntnisse von Menschen mit Migrationshintergrund bei Sprache und Kultur – diese Qualitäten müssen wir besser nutzen. Es ist die Aufgabe einer weltoffenen Gesellschaft, Chancengleichheit zu verwirklichen und darin den Mehrwert zu erkennen – für jeden Einzelnen und zugleich für die Gesellschaft als Ganzes.“

Möglichkeiten, Vielfalt gezielt in deutschen Unternehmen einzusetzen, und erfolgreiche Unternehmensbeispiele wurden präsentiert und diskutiert. „Erfolgreiche Unternehmen konzentrieren sich auf den Menschen und seine Fähigkeiten und nicht auf sein Geschlecht, seine Herkunft und sein Alter“, fasste Dr. Rob Smith, American Chamber of Commerce in Niedersachsen, zusammen.

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