Integration im 16:9 Format - Nicht verzagen, Geissler fragen - MiGAZIN

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene. Forschungsverbund “Probleme der Ausländerbeschäftigung” 1979

Integration im 16:9 Format

Nicht verzagen, Geissler fragen

Kein Bundes-, Landes- geschweige den Kommunalpolitiker hatte mich bis dahin so beeindrucken können, dass ich mich irgendeiner Partei anschloss. In Wahrheit hatte ich nicht viel übrig für Politiker. Aber das beruhte auf Gegenseitigkeit.

VONMartin Hyun

 Nicht verzagen, Geissler fragen
Martin Hyun, 1979 in Krefeld geboren, Sohn koreanischer Gastarbei- ter, studierte Politik, International Business und Relations in den USA und Belgien, war der erste koreanischstämmige Bundesligaspieler in der DEL und Junioren Nationalspieler Deutsch- lands. Im Europäischen Jahr des interkulturellen Dialog 2008 engagierte er sich als Botschafter in Deutschland. Er gehörte dem Leadership-Prog- ramm der Bertelsmann-Stiftung an und nahm als ein Vertreter der Koreaner in Deutschland an der Jahreskonferenz 2008 Forum Demographischer Wandel teil, die vom damaligen Bundespräsi- denten Horst Köhler initiiert wurde. Seit 2008 promoviert er zum Thema Arbeitsmigration. Sein Debüt-Buch „Lautlos-Ja Sprachlos-Nein: Grenz- gänger zwischen Deutschland und Korea“ erschien im Eb-Verlag Hamburg.

DATUM16. Dezember 2010

KOMMENTARE6

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , , , , ,

DRUCKENAnsicht

TEILENBookmark & Co.

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen:

Am 8. Dezember jährte sich John Lennons Todestag zum 30. Male. Lennon ist ein Generation übergreifendes Idol, sowie Jim Morrison von The Doors es war oder ein Jimi Hendrix. Drei Jahrzehnte nach seinem Tod ist Lennons Musik und die Erfüllung seiner Friedensbotschaft „Give Peace a chance“ nach wie vor unvergessen. Als John Lennon ermordet wurde war ich ein Jahr alt und dennoch bin auch ich mit seiner Musik aufgewachsen.

Mit 12 Jahren idolisierte Familienministerin Kristina Schröder den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl. Wegen Kohl trat Schröder in die CDU ein. Als ich 12 Jahre alt war, waren meine Idole, die Bandmitglieder der kalifornischen Hard Rock Band Guns N Roses. Hätte die Band damals eine Partei gegründet, wäre ich womöglich eingetreten. Stattdessen legte ich meine Violine zur Seite und fing an Gitarre zu spielen. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich als 11-jähriger im Müngersdorfer Stadion in Köln, das Konzert der Band besuchte. Es war ein unvergessliches Erlebnis. Kein Bundes-, Landes- geschweige den Kommunalpolitiker hatte mich bis dahin so beeindrucken können, dass ich mich irgendeiner Partei anschloss. In Wahrheit hatte ich nicht viel übrig für Politiker. Aber das beruhte auf Gegenseitigkeit.

Kristina Schröder ist nicht die einzige konservative Bundespolitikerin, die wegen dem sechsten Bundeskanzler der Bundesrepublik Helmut Kohl in die CDU eintrat. Der Vorsitzende der Jungen Union und jetzige Bundestagsabgeordnete Philipp Missfelder tat es der Familienministerin Schröder gleich. Beim Deutschland-Tag im Jahre 2004 feierte die Junge Union unter Vorsitz von Philipp Missfelder Helmut Kohl in dem sie mit standing ovations lauthals auf den Tischen skandierten „Wir haben ein Idol, Helmut Kohl!“ Das Herz des Altkanzlers war erobert. Bei den Bundestagswahlen 2005 schaffte Missfelder über die Landesliste den Einzug in den Bundestag. Mit 31 Jahren bestreitet Missfelder seine zweite Legislaturperiode im Bundestag und wird als neuer Helmut Kohl gehandelt.

Meine Teenageridole, die Band Guns N Roses löste sich Mitte der 90er Jahre auf. 1998 bestritt Helmut Kohl sein letztes Jahr als Bundeskanzler, nach 16 Jahren Amtszeit. Idole kommen und gehen. Ein Politiker als Idol habe ich bis heute nicht gefunden. Das könnte sich aber ändern.

Im Land meiner Eltern in Korea werden derzeit Säbel gerasselt und Muskeln geflext. Das ist im Land der Morgenstille nichts Neues. China, so glauben Experten hat nur noch begrenzt Einfluss auf die letzte Bastion des kalten Krieges. Ein Schlichter muss her, der die momentane Schieflage im Land wieder in Ordnung bringt. Ich dachte an einen Heiner Geissler, der beide Parteien wieder an einen Tisch bringen und an ihre Friedenspflicht erinnern soll. Auf Geisslers Schiedsspruch und Vermittlungsgeschick wäre ich gespannt. Wenn Geissler das schaffen würde, dann bekäme er mein erstes politisches Idol und ich würde, wie Philipp Missfelder es einst tat auf den Tisch klettern und lauthals skandieren „Nicht verzagen, Geissler fragen!“

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

6 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Frank sagt:

    @Martin Hyun
    Ich will ihnen für den ersten nicht-muslimischen Artikel in diesem MiGAZIN danken. Manchmal hat man das Gefühl die Zeitung würde von der negativen Stimmung zwischen den Muslimen und den Christen nur profitieren wollen und es befeuern.
    Weiter so!
    Vorallem wenn ab 2011 die ganzen Polen, Tschechen… nach Deutschland kommen, dann muss das MiGAZIN auf diese Bevölkerungsgruppe eingehn. Ausser sie bereiten mal wieder keine Probleme, wie alle anderen europäischen Kulturen auch.

  2. YMelodieY sagt:

    @Martin Hyun

    auch ich finde Ihren Artikel über Idole sehr gelungen, danke. Musiker und Politiker waren am Anfang der Bundesrepublik sehr gefragt, die einen wegen einer neuen Musikrichtung, die anderen wegen einer neuen Politik. Ich habe noch “den Alten” (Adenauer) gekannt, was für ein Politiker gegenüber den Heutigen!!!!!!!

    Wenn es möglich wäre, die Zeit zurückzudrehen, würde ich die 60iger Jahre mir zurückwünschen, eine Zeit des Aufbruches aber auch eine Zeit der Idole.

    YMelodieY

  3. bogo70 sagt:

    @Frank und YMelodieY,
    Ersteinmal ist das nicht der erste Nichtmuslimische Artikel und zweitens zeugt die Beteiligung der Muslime von Integration, nur wer sich einmischt ist auch angekommen. Warum mischen sich ihre “Angekommenen” nicht ein, klar hier kommt es immer gut, wenn man nicht grade der Abfallkübel für Alle ist, einfach die Klappe zu halten und zu warten bis der nächste Kübel gefunden wurde. Besser noch man zieht selbst mit, kotzt den Kübel gegen Muslime voll und hofft darauf, dass wenn man selbt der Kübel werden sollt, man evtl. verschont wird. Wer sagt ihnen, dass sie nicht irgendwann der Kübel sind? ;-)

  4. Ghostrider sagt:

    John Lennon war nicht nur Mitbegründer der Beatles, die seinerzeit mit den Rolling Stones die Pop – Idole der 60er Jahre schlechthin waren, sondern das Synonym einer rebellischen Jugend, dass alte verkrustete konservative Ansichten abschaffte. Es sind sozusagen Leute aus meiner Generation. Unsere Markenzeichen waren damals lange Haare und Vollbärte. Als fahrbare Untersätze benutzten wir Citroen Enten und bunte VW Busse.
    “Give Peace a Chance” wurde nicht nur ein Welthit der Beatles, sondern auch richtungsweisend für die 68er Studentenbewegungen. Man protestierte gegen den damaligen Vietnam Krieg. Man wollte sich auf gar keinen Fall der imperialistischen Weltordnung made in USA unterwerfen.

    Frauenrechtlerinnen kämpften für die Emanzipation der Frauen. Oswald Kolle mutierte mit seinen Büchern zum Sexualaufklärer der Nation. Man demonstrierte für ein besseres Hochschulsystem und für den Numerus Klausus. Aus diesen Studentenbewegungen wuchs später die Bundespartei “Die Grünen”, heutzutage Bündnis 90, die Grünen.

    “Give Peace a Chance” gewinnt täglich immer mehr an Bedeutung, gerade in einer Welt, die sich heute gar nicht so friedlich darstellt.

    Angesichts dessen, dass 50% der Weltbevölkerung in bitterster Armut lebt, wurde die Kluft zwischen arm und reich noch nie so deutlich wie in unseren Tagen.
    Wir mutieren zunehmend zu einer egoistischen machtbesessenen intoleranten Ellenbogen-Gesellschaft, auf Kosten der Menschlichkeit.

    Give Peace a Chance, damit wenigstens unsere Kinder das 22. Jahrhundert noch erleben dürfen.

    Ghostrider

  5. YMelodieY sagt:

    Hallo Ghostrider

    Ich stamme aus der gleichen Generation wie du, und gebe dir in allem Recjt, was damals – positiver Weise – passiert ist, und auch die negativen Vorkommnisse kann ich zum grossen Teil bestätigen. Es gab aber auch noch viel mehr, was erhaltenswert gewesen wäre, und was den heutigen Generationen so sehr fehlt u.a. zu wissen was Freundschaft ist.

    Ich hatte zur damaligen Zeit Muse und Gelegenheit sehr liebe Leute kennenzulernen, die ich zum Teil heute noch zu meinen Freunden zähle, und das hat sicher Bedeutung, wo ich doch in einer Grossstadt wie Frankfurt am Main lebe.

    John Lennon hat von Frieden gesungen, erlebt hat er aber auch Unfrieden, sonst wären die Beatles nicht auseinandergegangen.

    Das mit Oswald Kolle war aus heutiger Sicht gesehen, Pipikram, man lacht doch nur noch über die alten Filme oder nicht?

    Ich finde, die ältere Generation kann heute nur noch – gefahrlos – überleben, weil sie so schöne Erinnerungen hat………

    Deinem vorletzten Satz kann ich voll und ganz zustimmen; das hat aber Gründe, oder?

    Schönen Tag dir

    YMelodieY

  6. Klaus sagt:

    Danke für diesen Artikel, ich bemerke eine positive Wandlung des Migazins die sich durch eine Ausweitung der Themen vollzieht.



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...