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Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

Offener Brief an Alice Schwarzer

Deutschland ist auch unser Land

Das Forum der Brückenbauer kritisiert in einem offenen Brief Alice Schwarzer für ihr neues Buch „Die große Verschleierung – Für Integration, gegen Islamismus“. Die Brückenbauer werfen Schwarzer eine Zweiteilung in ein Wir und die Anderen vor.

VONDas Forum der Brückenbauer

Das Forum ist ein multiethnischer und -konfessioneller Zusammenschluss von Führungskräften aus Migrantenverbänden, die sich für Integration engagieren. Es steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Rita Süssmuth. „Es geht um die eine Gesellschaft, in der wir alle leben! Es geht um unsere gemeinsame Zukunft!“, so die Brückenbauer

DATUM24. September 2010

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RESSORTGesellschaft

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Sehr geehrte Frau Schwarzer,

Ihnen ist es sicherlich nicht entgangen, dass die Bücher von der Jugendrichterin Kirsten Heisig „Das Ende der Geduld“ und dem ehemaligen Bundesbankvorstandsmitglied Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ in unserem Land, eine große Aufmerksamkeit erhielten. Nun werden auch Sie sich mit Ihrem Buch „Die große Verschleierung. Für Integration, gegen Islamismus“ in die aktuelle Integrationsdebatte einmischen. Bei allem Respekt, dem wir Ihnen für die Stärkung der Frauenrechte aufbringen, ist es doch tief enttäuschend zu sehen, dass auch Ihr Werk Ängste vor Überfremdung und Identitätsverlust in der Gesellschaft schürt.

So, wie Sie es nicht einfach hingenommen hätten, wenn im Rahmen der späten Fraueneman- zipation in Deutschland ein Mann entschieden hätte, was für Frauen das Beste ist, sollten Sie, als weiße Feministin, nicht beanspruchen, entscheiden zu können, was die dunkelhaarige Aylin braucht und will!

Gerade von Personen, wie Ihnen, die sich in der Vergangenheit couragiert für eine Überwindung von Ungleichheit und Diskriminierung gegenüber Frauen eingesetzt haben, erwarten wir Solidarität und mehr Sensibilität für Unterdrückung auch jenseits des weißen Mittelschichtsfeminismus. In diesem Sinne liegt es auch in Ihrer Verantwortung, Lösungen zu finden, wie wir endlich zu einer Gesellschaft zusammenwachsen können, in der das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, die Herkunft, religiöse und politischen Anschauungen keine Rolle mehr spielen und zu keiner Benachteiligung führen. Wir möchten Sie daran erinnern, dass viele Migrantinnen und Migranten bereits heute ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben, erfolgreich und mit ihren Fähigkeiten und Leistungen zum Wohlstand des Landes beitragen.

Mit Ihren Artikeln und Ihrem aktuellen Buch sprechen Sie eine Ebene an, die wir auch mit positiven Erfolgen in der Integration nicht wegdiskutieren können: diffuse Gefühle und Ängste in der Mehrheitsbevölkerung. Wie sie es nennen „Kurzum: die Sorge um die in den letzten 200 Jahren so mühsam und blutig erkämpften Menschenrechte im Westen.“

Mit Ihrer Zweiteilung in ein Wir (= der Westen, die weiße Mehrheitsbevölkerung) und die Anderen (= der rückständige Orient) grenzen Sie einen Teil der Deutschen aus. Legen damit die Basis für einen aktuell salonfähigen kulturellen Rassismus. Das macht uns Angst. Auch wir, die als Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bzw. andere Deutsche bezeichnet werden haben Ängste, Wünsche, Bedürfnisse und Interessen, über die wir gerne miteinander diskutieren wollen. Deutschland ist auch unser Land. Wir möchten es mitgestalten und teilhaben. Wir wollen unsere Kenntnisse, Talente und Wissen für dieses Land einbringen.

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4 Kommentare
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  1. LI sagt:

    Das ist die Misere.

    Alles was in diesem offenen Brief geschrieben wurde ist Frau Schwarzer sicherlich bekannt.

    Aber genau dieses weinerliche „wir sind doch auch Deutsche oder wir sind doch auch Menschen oder wir leisten doch auch unseren Beitrag“ ist das was mir unsäglich auf den Wecker geht.

    Es macht wenig Sinn weinerlich nach Anerkenung zu heischen, in der Hoffnung das Papa und Mama uns als legitimes Kind anerkennen.

    Das wird keinen Erfolg haben. Ganz im Gegenteil beobachte ich wegen Heisig, Sarazin und Schwarzer deutliche Rückschritte.

    Dieser Weg wurde über 40 Jahre vergeblich beschritten.

    Man muß klipp und klar sagen, dass weder die Jugendrichterin aus Berlin, welche an ihrer eigenen persönlichen Lebenswirklichkeit gescheitert ist, noch Herr Sarazin, welcher 1000 EUR mehr Pension für wichtiger erachtet als seine gesellschaftliche Veranwortung, noch Frau Schwarzer, welche auch an ihrem Anspruch gleiche Lebensverhältnisse für Mann und Frau zu schaffen gescheitert ist, die Kompetenz haben, Menschen anderer Herkunft ein Versagen vorzuwerfen, ohne zur Kenntnis genommen zu haben selbst in der Verwirklichung eigener Lebensvorstellungen kläglichst versagt zu haben.

    Und man muß laut deutliche Forderungen nach Gleichbehandlung stellen und herkunftsfeindliches Verhalten konkret als solches bezeichnen und nicht noch die Brandstifter hofieren. Nur das macht Sinn.

    LI

  2. Kosmopolit sagt:

    Die Autoren reihen sich in die Schar derer ein, die gar nicht gemeint sind. Die Gründe für den mangelhaften Ehrgeiz türkisch/arabisch/libanesischer Zuwanderer wird hier beschrieben.
    http://www.welt.de/debatte/article9722366/Die-Gutmenschen-und-die-dunklen-Seiten-des-Islam.html
    Keine andere Ethnie focussiert ihre Andersartigkeit so wie muslimischen Türken, getrieben durch ein extremes Nationalbewusstsein, nach dem Motto: „Ne mutlu Türkum dyene“ Welches Glück wird dem zuteil, der sagen kann „ich bin ein Türke“. Damit verblassen alle anderen Ethnien, und werden zur Unkenntlichkeit degradiert. Solche Einstellungen, in der Tiefe, findet man bei keiner andere Migrantengruppe und das macht das Zusammenleben so schwierig. Deshalb, in der Opferrolle, in der sich die Türken oder Muslime gerne sehen, entbehrt hier jeder Grundlage. Keine andere Migrantengruppe hat in diesem Umfang seine innenpolitischen Probleme nach Deutschland exportiert. Möglicherweise haben viele die Kurdenprobleme in den 80er vergessen. Dann die religiösen und politischen Gruppierungen wie die DITIB, Milli Görüs, die grauen Wölfe, die abgeschotteten Türkencafes (Spiehhöllen), u.v.a. die ein Affront gegen die hiesige Gesellschaft darstellen. Herr Kolat von der TGD hält eh nichts von Integration, sondern mehr von Partizipation, so wie der Koran das aufzeigt. Koran, Sure 33, Vers 27: »Und Allah hat euch zum Erbe gesetzt über ihr Land, ihre Wohnstätten und ihren Besitz, und auch ein Land, das ihr vorher nicht betreten hattet.«

  3. Mehmet sagt:

    Sieh mal einer an, unser Monopolit ist wieder da. Ihr Beitrag hört sich sehr nach „0815“ an, als ob jemand in einen Set von schon vorbereiteten Argumenten reingegriffen hätte… hier ein unseriöser Link, dort ein aus dem aus dem Zusammenhang rausgegriffenes Zitat… Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass hier jemand auf den Inhalt eingeht. 🙂

  4. Krause sagt:

    @Mehmet
    Was ist denn richtige Zusammenhang von Sure 33, Vers 27? Der Wortlaut ist ja eindeutig und entspricht auch der „Verfassungswirklichkeit“ des Islam in seinen ersten Jahrhunderten.



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