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Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Frankfurter CDU

„Notwendigkeit der Assimilation“

Der Frankfurter Stadtverordnete Patrick Scheck erklärte Ende März seinen Austritt aus der CDU-Stadtverordnetenfraktion und führte damit das rechnerische Ende der schwarz-grünen Koalition herbei. Im Gespräch mit der „Jungen Freiheit“ begründet er nun seinen Schritt unter anderem mit der Integrationspolitik der schwarz-grünen Koalition.

In der Frankfurter Integrationspolitik könne er die Haltung der Koalition, in der die Grünen den Ton angäben, nicht teilen. Ein eigenes Profil der Union sei nicht mehr zu erkennen, glaubt Scheck. Das Erscheinungsbild der von der Union geführten Koalition in Berlin bezeichnet er als desaströs. „Wir haben immer auch die Notwendigkeit der Assimilation der Ausländer hervorgehoben“, betont er und kritisiert, dass „wir uns dem Duktus der Political Correctness verschrieben“ haben. Die CDU-Politiker würden nur noch davon reden, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund integrieren sollen. „Ihnen wird keinen Ansporn mehr gegeben, sich zu assimilieren, sondern angeboten, ihre eigene Kultur zu behalten. Das ist eine ganz andere Politik als die, mit der die CDU ursprünglich gestartet ist“, so Scheck.

Die CDU habe durch diese Politik über Jahre hinweg konservative Wähler verloren. „Ich habe daher große Sorge, dass die Union die Zeichen der Zeit nicht erkennt. Wenn die Union weiter ihre Positionen dem Zeitgeist opfert, wird sie das gleiche Schicksal erleiden wie die SPD und sich als Volkspartei verabschieden müssen“, mahnt Scheck an. Auch glaube er nicht, dass Konservative in der Union noch eine Zukunft hätten.

Aufmerksamkeit erregte Schenk, als er 2003 für den umstrittenen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann Partei ergriff und dessen von vielen als antisemitisch eingestufte Äußerungen verteidigte.

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15 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. walter sagt:

    Integration ja, Assimilation niemals!

    Assimilation ist ein Menschheitsverbrechen!

  2. Non-EU-Alien sagt:

    „Ich habe daher große Sorge, dass die Union die Zeichen der Zeit nicht erkennt.“

    –> Was Integrations- und Ausländerpolitik angeht, hat die Union noch nie die Zeichen der Zeit erkannt. Jahrzehntelang haben sich diese Herren und Damen geweigert zu erkennen, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, erst vor Kurzem haben sie diesbezüglich die Augen einen Spalt weit aufgemacht.
    Jahrzehntelang weigern sie sich zu erkennen, dass in einer globalen Welt in der Deutschland sich befindet und eine wichtige Rolle einnimmt auf veraltetet Positionen im Staatsangehörigkeitsrecht pochen, anstatt zu gucken wie unsere europäischen Nachbarn die Zeichen der Zeit erkannt haben.

  3. HKN sagt:

    Hallo,

    so weit ist es also schon gekommen.
    Nun treten Politiker von der CDU in die Öffentlichkeit und fordern eine Assimilation.
    Wenn gegen diese Äußerungen nichts unternommen wird, dann werden die stimmen für eine Assimilation immer größer. Am Ende werden dann alle über die Assimilierung und nicht mehr über eine Integration sprechen.
    Zumal ich zugeben muss, dass die Integration auch nicht gut voranschreitet.
    Denn leider ist es immer noch so, dass die Integration eine Einseitige Sache in Deutschland ist.
    Es wird von den Migranten gefordert, sich zu integrieren. Aber keiner redet über die andere Seite der Medaille und fragt die anderen, ob sie auch die Migranten integrieren möchten. Denn meine persönliche Erfahrung ist, dass die anderen UNS nicht integrieren möchten.
    Abgesehen von ein paar Ausnahmen natürlich.

  4. Derya sagt:

    Keiner sollte sich Gedanken machen, dass die CDU im Integrations-Weichspülgang an Profilschärfe verliert. Hinter allen scheinbaren Integrationsbemühungen wie den Integrationsgipfeln oder der Islam Konferenz schwingt immer wieder dieselbe unterschwellige und typische CDU-Rhetorik mit (vage bei Bildungsfragen, sehr präzise bei der Terrorbedrohung, die vom Islam ausgeht!). Das wird deutlich, wenn man sich mal die Ergebnisse der ersten Phase der Islam Konferenz genauer anguckt.
    Die CDU hat langfristig Wähler verloren und wird dies auch weiterhin tun. Das liegt aber nicht an der Darstellungs-Politik im Integrationsbereich. Heutzutage kann sich keine Partei mehr als Volkspartei behaupten und das ist meiner Meinung nach auch der Trend der Zukunft. Identitäten bestimmen sich heute nicht mehr so monokausal wie früher und können damit auch nicht mehr so eindeutig das Wahlverhalten beeinflussen.

  5. Loewe sagt:

    Würde sich Herr Scheck ASSIMILIEREN, wenn ER deutscher Migrant in der Türkei wäre?

    Wenn sich ein Migrant oder ein Kind von Migranten frei dafür entscheidet, sich ganz und gar zu assimilieren, so hat er oder sie die Freiheit dazu. Es liegt aber näher, seine Herkunft und Tradition als Teil der eigenen Identität zu bewahren. Das ist gesünder – und fruchtbarer für die Gesellschaft, in die man eingewandert ist. Bei Identitätskonstruktionen gibt es ja nicht nur ein Entweder-oder, sondern sehr viel mehr Sowohl-als-auch.

    Was würde Herr Scheck mit den Millionen Migranten machen, die Nein sagen zur Assimilation?

  6. Boli sagt:

    @walter

    Na da kommt mir doch ein kleiner Erdogan durch, hmm?

    @Loewe

    Ich denke die Antwort kennen Sie.

  7. walter sagt:

    @boli
    Was ist jetzt falsch an dieser Aussage?

    Lieber Erdogan als irgendwelche SED- und Stasi-Verbrecher.

  8. Kevin sagt:

    Sie meinen wohl nicht Integration, sondern eher Partizipation.

    Kenan Kolat hat den Unterschied schon begriffen und sagt auch bei jeder Gelegenheit klar und deutlich, daß er keine Integration will.

    Vielleicht sollten Sie Kolats Beispiel folgen.

  9. Kevin sagt:

    Unsere europäischen Nachbarn versinken grade im Chaos.

    Mit Brüssel gehts bergab, mit Malmö, mit Strasbourg, mit Lille, mit Birmingham – genau derselbe Prozeß, wie in Detroit und – langfristig – in Haiti.

  10. NDM sagt:

    Vielleicht versteht er gar nicht, dass Assimilation weder per Doktrin verordnet noch aufgehalten werden kann… Es ist ein Prozess, der auf Freiwilligkeit basiert und Folge von Integration und Inklusion sein kann, aber nicht automatisch sein muss. Kulturelle Symbiose kann ebenfalls eine Folge sein. Das Maß wird immer vom Individuum selbst bestimmt und es dauert insgesamt über viele Generationen. Totalassimilation ganzer Gruppen ist nicht möglich, der umgekehrte Fall, die Totalverweigerung ganzer Gruppen, allerdings ebenso nicht. Es wird immer einen Teil geben, der sich assimilieren wird, einen anderen, der sich teilweise assimilieren wird sowie einen, der sich jedem kulturellen Einfluss „von außen“ entziehen wird.

    Ich frage mich zudem, wie solche „Anreize“ aussehen würden. 500€ für jeden, der keine türkischsprachige Musik mehr hört? 200€ für jeden, der nachweist, kein Satelliten-TV zu sehen? Wer soll das bezahlen? Und wer soll das kontrollieren? Mal ehrlich… 🙂


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