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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

China-Wochen

China kommt an deutsche Hochschulen

Unter dem Motto „Zusammen auf dem Weg des Wissens“ finden im Sommersemester 2010 sogenannten China-Wochen an deutschen Hochschulen statt. Menschenrechte stehen nicht im Programm.

Unter dem Motto „Zusammen auf dem Weg des Wissens“ finden im Sommersemester 2010 sogenannten China-Wochen an deutschen Hochschulen statt. Menschenrechte stehen nicht im Programm.

Quelle: Screenshot www.deutsch-chinesisches-jahr-2009-2010.de

An mehr als 45 ausgewählten Hochschulen werden von April bis Juni an einem „China-Tag“ bzw. in einer „China-Woche“ Kooperationen mit chinesischen Partnern vorgestellt und Informationen über individuelle Studien- und Forschungsmöglichkeiten in China bereitgestellt. Der Startschuss fällt heute an der Universität Hamburg.

„China ist ein wichtiger Partner Deutschlands in Bildung, Forschung und Wissenschaft“, nannte Bundesbildungsministerin Prof. Annette Schavan die Intention der Veranstaltung. „Während der China-Wochen können sich deutsche Studierende und Wissenschaftler über die Möglichkeiten des Austausches und bestehende Kooperationsprojekte mit China informieren. Die China-Wochen sind ein wichtiger Baustein im Deutsch-Chinesischen Jahr der Wissenschaft und Bildung 2009/2010, um die Kooperation mit Chinas Hochschulen weiter auszubauen.“

Trotz aller Debatten um Menschenrechte und Demokratie, sei China mittlerweile mit über 500 aktiven Kooperationen der wichtigste Partner der deutschen Hochschulen in Asien. Zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen existiert eine Vielzahl gemeinsamer Studienprogramme auf der Bachelor- und Master-Ebene sowie auch im Bereich der Promotion. „Wichtig ist es, dass die Kooperation keine Einbahnstraße ist, sprich: Auch deutsche Studierende, Doktoranden und Wissenschaftler sollten verstärkt motiviert werden, nach China zu gehen. Hierzu werden die China-Wochen an deutschen Hochschulen einen wichtigen Beitrag leisten“, erläuterte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Margret Wintermantel, in Bonn.

Die „China-Wochen“ werden von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) koordiniert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Deutsch-Chinesischen Jahres der Wissenschaft und Bildung 2009/10 gefördert. Ziel der China-Wochen ist es, unter den Studierenden und Wissenschaftlern, aber auch in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für das Potential der deutsch-chinesischen Kooperation in Bildung und Forschung zu schaffen und Anreize für ein Studium bzw. einen Forschungsaufenthalt in China zu setzen. Ferner soll die gemeinsame Mitwirkung an den China-Wochen einen Beitrag zur Integration von chinesischen Studierenden und Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen leisten.

Menschenrechte und Todesstrafe in China
Dabei wird die chinesische Menschenrechtsfrage ausgeblendet. In dem aktuellen Bericht von amnesty international zu Todesstrafen und Hinrichtungen führt China die Liste mit weitem Abstand an. Während weltweit in 18 Staaten 714 Menschen hingerichtet wurden, hat China in 2009 mehr Exekutionen durchgeführt, als alle anderen Staaten zusammen.

Genaue Angaben gebe es nicht, erklärte amnesty, da China die genauen Hinrichtungszahlen als Staatsgeheimnis behandle. „Hinweise aus früheren Jahren und aktuelle Quelle deuten jedoch darauf hin, dass die Zahl in die Tausende geht. Die Todesstrafe kann in China für etwa 68 Straftatbestände – auch solche ohne Gewaltanwendung – ausgesprochen werden“, heißt es in dem Bericht.

Keiner, der in China zum Tode verurteilt wird, erhalte einen fairen Prozess, der internationalen Standards der Menschenrechte entspreche, so amnesty. Vielfach werden Geständnisse vor Gericht akzeptiert, obwohl die Angeklagten angeben, dass diese unter Folter erzwungen wurden. Anstelle der Unschuldsvermutung zugunsten der Angeklagten liegt die Beweislast der Unschuld auf Seiten der Verurteilten. Darüber hinaus haben sie nur beschränkten Zugang zu anwaltlicher Vertretung.

Auf den China-Wochen an den Hochschulen, wird dieser Bericht im Konkreten und die Menschenrechtssituation im Allgemeinen wohl kaum ein Rolle spielen. Das „Bewusstsein für das Potential der deutsch-chinesischen Kooperation in Bildung und Forschung“ wird dafür nicht viel Raum zurücklassen.

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33 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Johanna sagt:

    Eine sehr gute Nachricht!

    Chinesen sind mir immer willkommen, abgesehen von ihrer kommunistischen Führung.

  2. Mehmet sagt:

    Warten Sie mal ab. Wenn chinesische immer mehr Exportaufträge von den Deutschen abgreifen und der Wohlstand in Deutschland langsam wegbricht, würde ich gern nochmal Ihre Meinung hören 😀

  3. Petersen sagt:

    Da haben Sie recht, Mehmet. Die Chinesen sind ein ernstzunehmenderer Gegner für unsere globale Politik als dieses Integrationsproblem. China stagniert nicht, China ist progressiv.

  4. Walter Schneider sagt:

    Ist zu begrüssen! Aber die Chinesen wollen nichts von bevormundenen Migrationsbeautragten und dergleichen Nettostaatsprofiteuren wissen. Ihr seid nicht die, mit denen die Chinesen zusammenarbeiten wollen. Chinesen sind tief im Herzen echte Kapitalisten und eine Händler-Nation und brauchen keine profilierungssüchtigen Migranten-Anbiederer. Punkt.

  5. Mehmet sagt:

    „und brauchen keine profilierungssüchtigen Migranten-Anbiederer“

    Bei der Wortwahl sind sie DAS Vorbild für richtige Diskussionsart schlechthin!

    „Aber die Chinesen wollen nichts von bevormundenen Migrationsbeautragten und dergleichen Nettostaatsprofiteuren wissen. “
    hmm dann sollten türkischstämmige wohl auch das Wissen deutscher Wissenschaftler zu eigen machen und das „Heimatland“ damit bereichern. Ein paar Fotos von neu entwickelten Maschinen zur Produktion von Plagiaten hier, ein paar Dumping-Preise für hoch qualitative Produkte dort: Und zack überholt die Türkei den ehemaligen Exportweltmeister Deutschland und wird auch noch bejubelt 😀
    Was gründet man Vereine zum Schutz der Deutschtürken? Ist doch zu aufwändig. Das Wissen aussaugen und rüber. Na wenn „die“ Deutschen dies begrüßen, warum nicht?
    (Ich spreche hier nicht schlecht über die Chinesen, sondern es ist einfach so wie es ist. Einige Chinesen selbst sagen hinter vorgehaltener Hand, es gibt unter ihnen so einige, die der Staat mit klarer Aufgabe der Produktpiraterie in Hightech-Branchen beauftragt sind.)

  6. Petersen sagt:

    „Das Wissen aussaugen und rüber. Na wenn “die” Deutschen dies begrüßen, warum nicht?“

    Warum ist das eigentlich noch nicht passiert? Zumindest nicht in großem Maßstab?

  7. walter sagt:

    Die Chinesen haben nicht vergessen welche Erniedrungen sie durch die Europäer erlitten haben. „Eintritt für Chinesen und Hunde verboten“ ist ein Stichwort, und das auf chinesischem Boden. Chinesen sind ein stolzes Volk. Auf politischer Ebene wissen Sie aus Erfahrung zu welch Heuchelei der Westen fähig ist.

  8. Kevin sagt:

    Was die Chinesen haben, das haben sie sich ehrlich erarbeitet.

    Wenn die Chinesen nun immer reicher werden, so neide ich ihnen das nicht. Es wurde ihnen nichts geschenkt, sie haben um nichts gebettelt, sie haben geschaut, gemacht und fertig.

    Sie haben nicht rumgejammert, daß sie ausgebeutet und diskriminiert worden wären, sie haben keine Entwicklungshilfe beansprucht und keine Spenden und kein garnichts.

    Ich glaube, daß jetzt die ganzen Journalisten gegen die Chinesen sind, weil sie bewiesen haben, daß ein armes Land sich auch einfach so entwickeln kann, und nicht immer der böse Westen an allem schuld ist, wie das im Falle Afrikas behauptet wird.

    Also.

  9. Kevin sagt:

    @ Walter:

    Würden Sie auch folgenden Satz vom Stapel lassen:

    „Wie gut, daß die Serben die jahrhundertelange Erniedrigung durch die türkischen Fremdherrscher nicht vergessen haben. Die Serben sind ein stolzes Volk. Sie wußten, wie sie die Bosnier im Jugoslawienkrieg zu behandeln haben.“?

  10. walter sagt:

    @kevin

    Ich habe falsch zitiert, es müsste lauten:

    „No dogs and Chinese allowed“
    (ungefähr: Für Hunde und Chinesen verboten)

    Wenn ich falsch liege, können Sie mich gerne korrigieren. Ich kenne viele Chinesen, die sich bewusst darüber sind welche Politik der Westen verfolgt. Die Chinesen stehen dem Westen sehr mistrauisch gegenüber. Dieses Mistrauen zeigen sie aber nicht, sondern überdecken es mit einem freundlichen Lächeln.


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