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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Familienzusammenführung

Faruk Celik: “Wir zahlen den Rückflug”

Der für die Auslandstürken zustände türkische Minister, Faruk Celik, traf in seiner dreitägigen Deutschlandreise zahlreiche Vertreter türkischer Organisationen. Er forderte die Abschaffung der Visumspflicht und der Sprachtests vor der Familienzusammenführung. Außerdem bot er Unterstützung bei der Integration der in Deutschland lebenden Türken an.

DATUM24. Februar 2010

KOMMENTARE8

RESSORTPolitik

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Auf seiner dreitägigen Deutschlandreise hat der für Auslandstürken zustände Staatsminister Faruk Celik in Deutschland ansässige türkische Verbände und Religionsgemeinschaften besucht. Begleitet wurde der Minister unter anderem von dem Stellvertretenden AKP-Vorsitzenden Kürşad Tüzmen.

Ministerium für Auslandstürken vor Gründung
Gleich bei seinem Auftaktbesuch bei der Union Türkisch-Europäischer Demokraten (UETD), räumte Celik Versäumnisse der Türkei in Bezug auf die im Ausland lebenden Türken ein und bekräftigte zugleich, dass sich das in Zukunft ändern werde. „Es ist unsere Aufgabe, diesen fünf Millionen türkischen Staatsbürgern in Europa zu dienen, ihre Probleme zu lösen und uns für ihre Rechte einzusetzen“, sagte der türkische Minister.

In Kürze werde das Gesetz zur Gründung des Ministeriums für Auslandstürken verabschiedet. Damit beginne eine neue Ära. Die Kompetenzen vieler Ministerien würden gebündelt, damit Türken im Ausland künftig einen Ansprechpartner haben. Man sei entschlossen, so der Minister, chronische Probleme zu lösen.

Ehegattennachzug und Integration
Unter anderem führte er die Sprachtests vor dem Ehegattennachzug an. Die Sprache sollten die Betroffenen in Deutschland lernen. „Wenn die Ehegatten die Sprache binnen acht bis zehn Monaten nicht lernen, schickt sie zurück. Wir zahlen den Rückflug“, appellierte Celik an Deutschland und erntete für diese Worte Applaus von den Zuhörern.

Auch zeigte sich Celik besorgt über türkische Kinder, die von Jugendämtern aus ihren Familien entrissen werden. Auch darüber müsse gesprochen werden, so Celik. In Bezug auf die Integration der in Deutschland lebenden Türken bot er die Unterstützung der Türkei an und forderte seine Landsleute auf, insbesondere auf die Bildung ihrer Kinder großen Wert zu legen. Aber auch die kulturelle Erziehung und Vermittlung von Werten dürften die Eltern nicht vernachlässigen.

Visumpflicht muss gelockert werden
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des neuen Ministeriums werde die Lockerung der Visumspflicht für türkische Staatsbürger sein. Es könne nicht sein, dass die Türkei in der Zollunion sei und die europäischen Länder ein großes Interesse daran hätten, ihre Waren in der Türkei abzusetzen aber gleichzeitig von Türken Visum verlangten. Daher müsse zumindest für türkische Geschäftsleute die Visumspflicht abgeschafft werden. Wenn von freiem Warenverkehr gesprochen werde, so müsse man auch die Voraussetzungen dafür schaffen. Für den türkischen Geschäftsmann müssten die gleichen Wettbewerbsbedingungen gelten, wie für den Geschäftsmann aus einem EU-Land. Alles andere sei nicht nachvollziehbar.

Die weiteren Stationen der Minister waren der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) und der Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Celik sprach bei diesen Treffen seine Anerkennung für die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen in Europa aus. Mit ihren zahlreichen Dienstleistungen für die Menschen in Europa seien diese auch für sie selbst richtungsweisend: „Wir freuen uns, dass unsere zivilgesellschaftlichen Institutionen hier zusammenarbeiten, um gemeinsam die Probleme der Menschen zu lösen“, sagte der Minister.

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8 Kommentare
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  1. D. E. sagt:

    mit einem beim angeblich in der eu, mit dem anderen bein in der virtuellen muslim-union.

    also mit solchen doppelmoral-politik versucht akp-erdogan die auslandstürken, vor allem hierzulande, in die irre zu führen.

  2. Bernd Lohkamp sagt:

    Was liegt der türkischen Regierung eigentlich daran, möglichst viele ihre Einwohner ins Ausland zu schicken?
    Sollten nicht lieber Zustände geschaffen werden, dass die Bevölkerung im eigenen Land bleiben will?
    Oder sind es nur bestimmte Bevölkerungsgruppen, für deren Unterhalt die Türkei lieber andere aufkommen lassen will?

  3. Boli sagt:

    Celik bekräftigte die Aufrichtigkeit der türkischen Regierung in Bezug auf die Gleichstellung aller Menschen in der Türkei und forderte die Aleviten auf, möglicherweise bestehende Vorurteile abzulegen.

    Kompletter Realitätsverlust bei dem Mann. Völlige Verdrehung der eigentlichen Tatsachen. Nämlich das tausende Aleviten die Türkei verlassen haben WEIL diese eben im täglichen Leben verfolgt und unterdrückt werden bzw. unter Druck geraten doch bitte Kopftuch zu tragen, zu fasten wenn es Muslime tun, kein Schweinefleisch zu essen usw. .
    Absolut der Hohn was der Mann von sich gibt. Und so wird es auch mit den Kurden und Armeniern gemacht. Wir haben die reinste Weste und uns absolut nichts zu Schulden kommen lassen. Bitte ändert eure Ansichten über uns damit wir „zusammenkommen“.
    Das finde ich nicht mehr lustig.

  4. Boli sagt:

    Und noch etwas. Was ist mit den vielen Türken die nach 20, 30 Jahren die Sprache noch nicht beherrschen? Die sind ja da nicht mit dabei oder wenns um den Rückflug geht, oder vielleicht doch? Nö, wir lassen es lieber so wie es ist. Das wäre eine Minusrechnung für Deutschland. Wieso ist dieser Typ so daran interessiert noch mehr Türken ins Land zu bringen? Wer böses dabei denkt!! Und vor allem Mili Görüs ist meines Wissens nach in der Türkei zumindest „offiziell“ als Organisation verboten. Wie kann er da ernsthaft hergehen und Leuten dieser Gruppierung für Ihr „bürgerschaftliches Engagement“ danken. Das stinkt doch.

  5. maria sagt:

    Lebst du in der Türkei? – weil du die Lebenssituation diverser Ethnien hier angeblich so gut kennst?

    Glaubst du eigentlich, dass hier jeder ein Schild um den Hals trägt
    „Ich bin Kurde“
    „Ich bin Alevit“
    „Ich bin Armenier“
    „Ich bin Jude“
    „Ich bin Christ“
    „Ich bin gar nix“

    Was hast du eigentlich für einen Eindruck, wie wir hier miteinander leben?
    Bevor du dir kein eigenes Bild gemacht hast und als Minderheit hier gelebt hast, z.B. als Armenier oder Christ, halte dich bitte mit solch oberblächlichen und falschen Urteilen zurück.

    Maria

  6. Boli sagt:

    Ich mach Dir einen anderen Vorschlag. Geh hin und such Dir die übriggebliebenen Armenier und frag sie (natürlich nicht in der Öffentlichkeit) wie es ihnen geht, frag die Kurden. Wenn Du natürlich in einem rein türkischen Viertel wohnst ist die Beibehaltung deines Friede Freude Eierkuchentürkeibildes natürlich nicht in Gefahr getrübt zu werden. Geh zum Patriarchat in Konstantinopel und erkundige Dich mal da. Außerdem ist Deine Bemerkung mit dem Schild der reinste Hohn, weil Du eigentlich wissen müsstest das sich vor allem die Armenier kaum als solche öffentlich zu erkennen geben. Eine Alevitin wirst Du auch nicht erkennen da Sie aus vorsicht nicht selten ein Kopftuch trägt.
    Ja nichts hinterfragen weil man könnte ja einen Schock erleiden. Deine Türkischen Freunde brauchst Du nicht fragen. Die erzählen Dir von der glorreichen Geschichte der allseits friedfertigen Türken.

  7. maria sagt:

    Hallo Boli,

    wenn ich deine Zeilen lese, glaubst du tatsächlich, wie wahrscheinlich so viele, dass jeder in der Türkei, der nicht unter die Ethnie „Türke“ fällt (in dieser sind übrigens die ganzen Turkvölker mit eingerechnet), verfolgt wird.
    Ich kann dich aber beruhigen, dem ist wahrlich nicht so.
    Ich brauche dazu auch niemanden befragen, denn mein Alltag wird von sämtlichen Ethnien begleitet.
    Meine Nachbarn sind Türken, viele davon griechischer Abstammung, Araber, Kurden. Zwei Freundinnen sind Aleviten (ohne Kopftuch), andere sind Turkmenen, Tataren und Kirgisen. Mein Goldhändler, wie die meisten vom gedeckten Basar in Istanbul, ist Armenier. Ich kaufe auf dem Wochenmarkt mein Gemüse und Obst bei Kurden ein, sehr viele Saisonarbeiter in unserer Gegend sind Kurden.
    Man sieht, wir leben hier als recht bunt gemischtes Volk, und das noch gut dazu. Wir leben miteinander nicht gegeneinander.

    Das hat auch nichts mit Friede-Freude-Eierkuchentürkeibild zu tun, wahrlich nicht. Dazu bin ich zu stark Realist und weiß, dass das Leben mit all seinen Facetten überall gelebt sein will, egal wo du dich befindest.

    Den „Patriarchaten von Konstantinopel“ habe ich noch nicht gefragt, wie es ihm geht. Müsste ich vielleicht einmal. Aber der christlichen Gemeinde in Istanbul, die ich regelmäßig wenn ich in Istanbul bin besuche, der geht es gut.

  8. marki sagt:

    maria,
    deinen Worten kann ich nichts hinzufügen, da ich in den letzten Jahren auch das öfteren in der Türkei war, das traurige ist nur das sich zu viele Leute vom Politik-um irre führen lassen und alles glauben was von den DAMEN und HERREN aus Berlin Kommt nur um STIMMEN zu FANGEN.
    Es ist Traurig zusehen wie einfach es ihnen immer wieder gelingt stimmen zu fangen.
    In diesen Fall setze ich mal nicht DEN Rattenfänger nach Hammeln sondern DIE Ratenfänger nach Berlin.



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