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Migration und Integration in Deutschland

Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Europa-Studie

Schlusslicht Deutschland – Muslime fühlen sich nicht akzeptiert

Einer aktuellen Studie zufolge fühlen sich Muslime auf lokaler Ebene wohl, als Deutsche fühlen sie sich aber nicht. Berlins Integrationsbeauftragter fordert die Politik auf, Islamfeindlichkeit und undifferenzierten Unterstellungen entgegenzuwirken.

Für die Studie „At Home in Europe – Muslims in Europe“ der Open Society Institute, wurden erstmals europaweit mehr als 1000 Muslime in elf verschiedenen Großstädten befragt. Einzelheiten zur Studie gibt es hier.

Einer aktuellen Studie des Open Society Institute in London (OSI) zufolge gelingt die Integration von Muslimen in Berlin nur auf lokaler Ebene. Der Vergleich mit zehn weiteren europäischen Städten zeigt, dass sie sich in Berlin zwar wohl, aber in Deutschland wenig anerkannt fühlen. Infolgedessen überrascht auch nicht, dass sich nur rund jeder Vierte als Deutsche sieht. Der Vergleich mit London bringt die Defizite zutage: dort fühlen sich 72 Prozent als Brite.

„Hier spiegelt sich nicht etwa ein besonderer Integrationsunwillen der deutschen Muslime oder gar die Ablehnung des deutschen Verfassungswesens wider, sondern hier zeigen sich die Folgen einer viel zu spät begonnenen und halbherzig geführten Anerkennungspolitik“, erklärte Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening.

Alarmierende Ergebnisse
Entsprechend ist auch das Akzeptanzgefühl der Muslime in Deutschland. Während ein Viertel der Muslime in Europa und 40 Prozent in London das Gefühl haben, von der Mehrheitsgesellschaft als Mitbürger gleicher Nationalität betrachtet zu werden, sind es in Deutschland nur elf Prozent. „Dieses ist das wirklich alarmierende Ergebnis der Studie“, betonte Piening.

Eine wachsende Zahl von Muslimen fühle sich ins Abseits gedrängt, egal welche Anstrengungen sie unternehmen, um in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen. Piening weiter: „Die langjährigen und vielfältigen Ausgrenzungserfahrungen haben bei vielen, so muss die Studie wohl interpretiert werden, zu Resignation und Passivität geführt. Muslime sehen sich zunehmend nicht als Mitgestalter, sondern ausschließlich als Opfer von gesellschaftlichen Verhältnissen.“

Weitere Studien, Umfragen und Statistiken rund um Integration und Migration von Zuwanderern und Minderheiten im MiGAZIN Dossier.

Man habe es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, Muslime heimisch werden zu lassen. Die Einbürgerung des Islams sei und bleibe die große gesellschaftspolitische Aufgabe. Die Untersuchung zeige, dass beide Seiten gefordert sind.

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37 Kommentare
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  1. Kosmopolit sagt:

    @Ali Kardelen
    Muslime sind längst schon zu einem unverzichtbaren Teil der Gesamtgesellschaft geworden. Nur ein Fremdkörper bedarf einer Integration.

    Mich stört, im Gegensatz zu den überwiegenden anderen Imigranten, der Focus auf das Wort „Muslime“
    Was wollen sie dem Rest der Welt aufzeigen, dass sie etwas besonderes sind, was beschützendwertes, was einzigartiges, oder nur, weil die Muslime „die beste Gesellschaft ist“, so der Koran.
    Wenn sie mich so fragen, unter diesen Voraussetzungen, kann ich auf Muslime verzichten. Dann liegen mir alle anderen Imigranten , wesentlich näher, die nicht so auf ihre Religion pochen.
    Denn, so wie sich viele Muslime darstellen, stehen sie nicht in der Gesellschaft, sondern daneben, weil sie als Muslime immer eine Sonderbehandlung für sich reklamieren.

  2. BiKer sagt:

    immer die gleiche leier.

    1. nicht muslime pochen auf ihre religion, sondern viele andere (nichtmuslime) pochen auf die religion der muslime.
    2. nun nennen sie mir bitte doch nur eine einzige sonderbehandlung, die muslime für sich reklamieren und wir gehen der sache mal auf den grund. mal sehen, was bei rumkommt.

  3. Sugus sagt:

    „2. nun nennen sie mir bitte doch nur eine einzige sonderbehandlung, die muslime für sich reklamieren und wir gehen der sache mal auf den grund. mal sehen, was bei rumkommt. “

    Befreiung vom Sportunterricht, Befreiung vom Sexualkundeunterricht, Befreiung von Klassenfahrten, Tragen des Kopftuchs im Staatsdienst – darf’s noch mehr sein?

  4. BiKer sagt:

    dachte ich es mir doch 🙂 eine nette auflistung, aber doch mehr „als eine einzige sonderbehandlung“. konzentrieren wir uns zunächst auf den ersten „befreiung vom sportunterricht“ – sie meinen schwimmunterricht – und gehen die anderen der reihe nach durch.

    die befreiung vom sportunterricht ist keine sonderbehandlung, die muslime für sich reklamieren. zum einen belegen mittlerweile zahlreiche umfragen an schulen, dass nur die allerwenigsten befreit werden wollen, wenn überhaupt. von daher ist die formulierung schon derart pauschal, dass sie wieder an verleumdung grenzt und geeignet ist, ein falsches bild auf die muslime zu projezieren. ich frage mich immer wieder, was die kommentatoren solcher kommentare bezwecken. ach was, ich weiß es eigentlich.

    zum anderen ist die befreiung vom sportunterricht nichts, was die muslime erfunden haben. neben konservativ katholischen eltern gibt es eine reihe anderer überzeugungen und weltanschauungen, die das gleiche recht in anspruch nehmen. richtig, „recht in anspruch nehmen“. das recht leitet sich nämlich aus dem grundgesetz ab und wurde lange vor dem ersten befreiungsantrag einer muslimischen schülerin formuliert. die autoren des grundgesetzes haben sich wohl etwas dabei gedacht. mit sicherheit, denn der artikel, aus dem sich das recht auf eine befreiung ableiten lässt, ist als ein „menschenrecht“ formuliert. d.h. es gilt für jedermann und nicht „nur für muslime“. insofern kann auch von einem „sonderrecht für sich reklamieren“ keine rede sein. die wenigen, dich sich darauf berufen, berufen sich nicht auf etwas besonderes sondern auf etwas altes und für alle geltendes.

    wollen wir weitermachen mit der befreiung vom sexualkundeunterricht? 🙂

  5. Kosmopolit sagt:

    @Sugus
    Reichen diese Aufzählungen nicht aus?
    Reklamieren andere das auch?
    Solange religiöse Riten und Gebräuche der Gesellsachft aufgezwungen werden, und höheren
    Stellenwert als das GG oder die hiesige Lebensweise haben, ist etwas faul im Staate.
    Den Vergleich, wenn Ungläubige in islamischen Staaten ( auch in der Türkei) solchen
    Druck ausüben würden, kann man die Uhr stellen, was dann passiert.
    Keine andere Ethnie focusiert ihre Andersartigkeit wie muslimische Türken.

  6. BiKer sagt:

    alles klar! mit mir diskutieren sie nicht. ich weiß auch wieso. ihnen fällt es leichter sätze zu formulieren wie „Keine andere Ethnie focusiert ihre Andersartigkeit wie muslimische Türken.“ als zu argumentieren. bravo! nur so überzeugen sie niemanden 🙂

    ach, beovor ich es vergesse: zu ihrer frage „Reklamieren andere das auch?“

    ja, tun sie. und nicht nur für den sportunterricht sondern von der „allgemeinen schulpflicht“ 🙂 nur weil es die medien nicht schreiben, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt. und wie viele es gibt… 🙂

    hier der link zur erleuchtung: http://religion-recht.de/?p=4

  7. Malte sagt:

    @BiKer: Katholiken oder andere Gläubige die das so wollen, müssen Sie in D. aber gut suchen, es sind sehr, sehr wenige! Die Muslime sind die jenigen, die fordern, und zwar wesentlich mehr als sie zurückgeben!

    „ich frage mich immer wieder, was die kommentatoren solcher kommentare bezwecken. ach was, ich weiß es eigentlich“

    Bitte erklären Sie das mal!

  8. Sugus sagt:

    Ich habe in meiner Schulzeit nie erlebt, daß jemand aus nichtmedizinischen Gründen vom Sportunterricht befreit wurde – immer waren es Krankheiten oder Behinderung. Wir hatten auch eine Zeugin Jehovas in der Klasse, die anstandslos überall teilnahm.
    Wieso gibt es auf Muslim-Seiten Musterformulare zum Runterladen, um sich von all diesen Sachen zu befreien? Auf kath.net beispielsweise habe ich so was noch nie gesehen – also vergleichen Sie bitte nicht Äpfel mit Birnen.

  9. Boli sagt:

    Diese Familie ist nicht repräsentativ. Außerdem sind sie mittlerweile in den USA!! Das heißt sie haben ihre Konsequenz gezogen. Ich darf meine Kinder nicht zuhause unterrichten?? Konsequenz = Auswanderung. Davor habe ich wenigstens insofern respekt das sie nicht versuchen ihre Überzeugung in dem Land durch zu setzen das dies nicht will. Die entsprechenden muslimischen Exemplare bohren und kratzen immer weiter und lassen nicht nach. Das nenne ich Respektlos!! Und trotzdem bleiben sie. Das wird sich aber bestimmt auch bald ändern. Wir können uns ansteigenden Unfrieden in Deutschland nicht leisten und der Staat wird definitiv an den Punkt kommen wo dann entweder Gefängnis oder Ausweisung drohen wird weil der Staat sonst bald komplett den Überblick und die Kontrolle verlieren wird. Es ist wie ein Countdown bei dieser Sache. 10…9…8…0 and lift off

  10. BiKer sagt:

    malte, ich werde dir nicht jeden einzelnen muslim bzw. nichtmuslim präsentieren können. wie hoch die zahlen hie oder da sind, kann ich nicht feststellen. hier geht es aber um die titulierung von „sonderrechten“. das ist etwas anderes. von sonderrechten kann nämlich keine rede sein, wenn man sich auf einen grundrechtsartikel beruft, die für alle menschen gleichermaßen gilt und auch wahrgenommen wird und wurde, lange vor dem ersten antrag eines muslimen.

    “ich frage mich immer wieder, was die kommentatoren solcher kommentare bezwecken. ach was, ich weiß es eigentlich.

    „Bitte erklären Sie das mal!“

    aber gerne. schauen sie: kosmopolit ist auf meinen kommentar nicht eingegangen. er wird aber an anderer stelle genau die gleiche phrase wiederholen, wenn sich die gelegenheit ergibt.

    mit meinen ausführungen oder argumenten setzt er sich nicht auseinander. dass, das, was die bisher wenigen muslime bisher gefordert haben, keine forderung von sonderrechten ist, passt nicht in das bild in seinem kopf. er verdrängt es, er vergisst es daher. es geht ihm nicht darum, über etwas zu diskutieren oder sich eine meinung zu bilden, es geht ihm einzig und allein darum, muslime in ein schlechtes licht zu rücken – ob wahr oder unwahr. seine meinung hat er sich schon mühsam über bild & co. zusammengekratzt und davon möchte er überhaupt nicht weg. das ist seine welt, in der er glücklich ist. er hat andere gefunden, von denen er sich – vermeintlich nach oben – absetzen kann. that’s it!


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