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Migration und Integration in Deutschland

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Europa-Studie

Schlusslicht Deutschland – Muslime fühlen sich nicht akzeptiert

Einer aktuellen Studie zufolge fühlen sich Muslime auf lokaler Ebene wohl, als Deutsche fühlen sie sich aber nicht. Berlins Integrationsbeauftragter fordert die Politik auf, Islamfeindlichkeit und undifferenzierten Unterstellungen entgegenzuwirken.

Auf lokaler Ebene funktioniert es
Das Zugehörigkeitsgefühl auf lokaler Ebene kann sich allerdings sehen lassen. Dort sei das Zusammenleben vom gegenseitigen vertrauen und Anerkennung geprägt. Zu Berlin fühlten sich 70 Prozent der Muslime zugehörig. Die Identifikation mit dem jeweiligen Stadtteil beläuft sich sogar auf 80 Prozent.

Da hinken andere europäische Städte hinterher. Professor Werner Schiffauer von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt, der die Studie mit begleitet hat, fasst es zusammen: „Die Menschen sind stolz, Kreuzberger und Berliner zu sein. Aber der Satz: ‚Ich bin stolz, Deutscher zu sein‘, geht ihnen nicht über die Lippen.“

Vorurteile widerlegt
Dennoch, so Schiffauer, würde die Mehrheit der befragten Muslime gerne in ethnisch und kulturell gemischten Wohngegenden leben. Entgegen der Wahrnehmung in Deutschland bestehe kein Abschottungsbedürfnis. Auch der Eindruck, muslimische Eltern kümmerten sich zu wenig um den Schulerfolg ihrer Kinder, stimme nicht. Oft seien es Unsicherheit und mangelnde Sprachkenntnisse, die Eltern fernhielten und nicht der oft vernommene Vorwurf, muslimische Eltern seien uninteressiert.

In diesem Zusammenhang fordert Piening: „Die Politik muss der Islamfeindlichkeit und der undifferenzierten Unterstellung vermeintlicher Integrationsunwilligkeit von Türken und Arabern wirkungsvoll Einhalt gebieten, denn diese Verknüpfung trägt zu dem stereotypen Bild von den ‚fremden‘ Muslimen folgenschwer bei.“

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37 Kommentare
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  1. Ali Kardelen sagt:

    Nun, die große Politik heißt Muslime nicht willkommen. In der Gesamtgesellschaft werden diese Gefühle noch mehr verstärkt. Deswegen können/wollen sich Muslime nicht mit Deutschland identifizieren. Wer außer Schizophrene und Masoschisten freundet sich schon mit ihren Peinigern an. Muslime bleibt nur noch der Weg sich mit der location (Stadt, Gemeinde, usw.) zu identifizieren. Weil Muslime sich mit ihrer Region eher identifizieren können, steigt auch die Partizipation an die lokalen Geschehnisse.

    Integration hin Integration her…Über Integration brauchen wir nicht mehr reden. Die Diskussion über Integration verhilft keiner Integration, vielmehr werden durch die Integrations-Debatten die ganzen positiven Impulse überschattet. Muslime sind viel weiter als die Diskussionen über Integration es wahr haben wollen.
    Laut einer Gallup-Studie sind Muslime in Deutschland ihrem Ankunftsland gegenüber viel loyaler als der Durchschnitt der Bundesbürger.

    Muslime sind längst schon zu einem unverzichtbaren Teil der Gesamtgesellschaft geworden. Nur ein Fremdkörper bedarf einer Integration.

  2. bogo70 sagt:

    Nur ein Fremdkörper bedarf einer Integration.
    Yep, so sehe ich es auch. Früher unterteilte ich meine Presse und Integration war ein Extra Eintrag, heute sehe ich es etwas anders, es ist einfach ein soziales Thema, denn das Immigrantenleben in Deutschland ist von der deutschen Gesellschaft geprägt, zumindest wenn man schon lange hier lebt, was die meisten von den Migranten die sich trotzdem nicht zugehörig fühlen von sich behaupten können.

    Muslime müssten „Resignation und Überbetonung der Opferrolle“ hinter sich lassen, da muss man ansetzen. Immigranten sind keine Fremdkörper, wenn sie es selbst nicht so sehen. Trotz anhaltend steigender Islamfeindlichkeit, gibt es keinen Grund, sich selbst in die Opferrolle zu drängen. Bewußte Selbstsicherheit und manchmal mindestens auf dem Rassismusohr taub, ist sehr wahrscheinlich produktiver als jammern.

  3. Sugus sagt:

    „Wer außer Schizophrene und Masoschisten freundet sich schon mit ihren Peinigern an.“

    Kardelen, Sie wissen nicht, wie recht Sie haben.

  4. Jens sagt:

    Wenn man sich in einem Land so unwohl fühlt, sollte man dann nicht über Alternativen bzw. über einen Umzug nachdenken ?

  5. Battal Gazi sagt:

    Man kann es sich auch einfach machen. Gibt es eigentlich eine Studie darüber was wäre wenn alle Imigranten zurück in ihre Heimat gehen würden? Unabhängig davon ob sie Arbeit haben oder nicht?
    Wie würde sich das wirtschaftlich auswirken?

  6. Kosmopolit sagt:

    @Battal Gazi
    Man sollte alle Imigranten nicht in einem Topf werfen.
    Wenn man unterscheidet, welche Landsmannschaft überwiegend am sozialen
    Tropf hängt, wie in der letzte Studie von Bertelsmann zu lesen war,
    kann es doch zu einer win/win Situation kommen.
    Man sollte doch die Kosten der sozialen Wohltaten nicht aus den Augen verlieren.
    Den, die müssen alle von den Kuffar (Kafir) aufgebracht werden.

  7. Mehmet sagt:

    Das würde aber die Probleme in der Gesellschaft nicht lösen. Noch weniger würde es zu einem Erkenntnisgewinn führen.

  8. Boli sagt:

    Man könnte die Dinge insgesamt einfacher lösen indem man schlicht eine festen Zeitraum festlegt in dem Arbeit gefunden bzw. wieder gefunden werden muß. Also sagen wir mal ein Russe, Iraner, Amerikaner etc. also zunächst alle Drittstaatler. Er verliert seine Arbeit und muß in einem Jahr eine Arbeit finden von der er sich selbst und seine Familie ernähren kann. Schafft er dies nicht muß er gehen. Das wäre sogar noch sozial weil in so manch anderem Land hat man zwischen 4 und 6 Wochen Zeit seine Koffer zu packen und zwar gnadenlos.
    Was Jens gesagt hat frag ich mich auch manchmal. Was Battal Gazi gesagt hat bezieht sich auf alle Ausländer und die meisten Deutschen haben wiederum gegen die meisten Ausländer auch gar nichts.
    Mehmet hat denke ich zumindest im ersten Punkt recht und Kosmopolit bringt für sich die Sache auf den Punkt.

    “Wer außer Schizophrene und Masoschisten freundet sich schon mit ihren Peinigern an.”

    Aber den Satz finde ich schon ein starkes Stück. Denn wenn die Peiniger so schlimm sind wieso bleibt man denn trotzdem hier. Diese Frage ist doch berechtigt oder? Ich meine die Pein kann so schlimm eigentlich auch nicht sein wenn man trotzdem bleibt. Und Arbeitslosengeld und Hartz IV nimmt man von den Peinigern aber dann doch?? Also nicht die, die Freundschaften mit den Peinigern eingehen sind schizophren und masochistisch sondern die die meinen geschlagen zu werden aber den Zucker trotzdem mitnehmen.

  9. […] Society Institute in London (OSI) “At home in Europe – Muslims in Europe” (wir berichteten). Die Mehrheit der Muslime hätte in der Studie angegeben, dass sie von Deutschen als […]

  10. Luca Martin sagt:

    ein starkes Stück das man sich gleich postwendend dieser Argumentation bedient. Gib den Ausreisewilligen Startkapital, mal sehen wie viele von diesen Fremdkörpern Deutschland den Rücken kehren. Nur weil Peiniger das Leben eines jeden erschweren, bedeutet das nicht, das man einfach so mal die Koffer packt und weiter zieht. Entweder stellt man sich dem oder hat den Luxus und geht. Im Grunde hält sich so die Balance gegenüber Unverbesserlichen.


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