Schlusslicht Deutschland – Muslime fühlen sich nicht akzeptiert - MiGAZIN

Durch die Möglichkeit der Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer in solchen [einfachen, manuellen] Positionen hat sich die Chance der deutschen Arbeiter, sich beruflich weiterzuentwickeln und in der Betriebshierarchie aufzusteigen zweifellos verbessert. Bundesanstalt für Arbeit Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Europa-Studie

Schlusslicht Deutschland – Muslime fühlen sich nicht akzeptiert

Einer aktuellen Studie zufolge fühlen sich Muslime auf lokaler Ebene wohl, als Deutsche fühlen sie sich aber nicht. Berlins Integrationsbeauftragter fordert die Politik auf, Islamfeindlichkeit und undifferenzierten Unterstellungen entgegenzuwirken.

Für die Studie „At Home in Europe – Muslims in Europe“ der Open Society Institute, wurden erstmals europaweit mehr als 1000 Muslime in elf verschiedenen Großstädten befragt. Einzelheiten zur Studie gibt es hier.

Einer aktuellen Studie des Open Society Institute in London (OSI) zufolge gelingt die Integration von Muslimen in Berlin nur auf lokaler Ebene. Der Vergleich mit zehn weiteren europäischen Städten zeigt, dass sie sich in Berlin zwar wohl, aber in Deutschland wenig anerkannt fühlen. Infolgedessen überrascht auch nicht, dass sich nur rund jeder Vierte als Deutsche sieht. Der Vergleich mit London bringt die Defizite zutage: dort fühlen sich 72 Prozent als Brite.

„Hier spiegelt sich nicht etwa ein besonderer Integrationsunwillen der deutschen Muslime oder gar die Ablehnung des deutschen Verfassungswesens wider, sondern hier zeigen sich die Folgen einer viel zu spät begonnenen und halbherzig geführten Anerkennungspolitik“, erklärte Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening.

Alarmierende Ergebnisse
Entsprechend ist auch das Akzeptanzgefühl der Muslime in Deutschland. Während ein Viertel der Muslime in Europa und 40 Prozent in London das Gefühl haben, von der Mehrheitsgesellschaft als Mitbürger gleicher Nationalität betrachtet zu werden, sind es in Deutschland nur elf Prozent. „Dieses ist das wirklich alarmierende Ergebnis der Studie“, betonte Piening.

Eine wachsende Zahl von Muslimen fühle sich ins Abseits gedrängt, egal welche Anstrengungen sie unternehmen, um in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen. Piening weiter: „Die langjährigen und vielfältigen Ausgrenzungserfahrungen haben bei vielen, so muss die Studie wohl interpretiert werden, zu Resignation und Passivität geführt. Muslime sehen sich zunehmend nicht als Mitgestalter, sondern ausschließlich als Opfer von gesellschaftlichen Verhältnissen.“

Weitere Studien, Umfragen und Statistiken rund um Integration und Migration von Zuwanderern und Minderheiten im MiGAZIN Dossier.

Man habe es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, Muslime heimisch werden zu lassen. Die Einbürgerung des Islams sei und bleibe die große gesellschaftspolitische Aufgabe. Die Untersuchung zeige, dass beide Seiten gefordert sind.

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37 Kommentare
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  1. Ali Kardelen sagt:

    Nun, die große Politik heißt Muslime nicht willkommen. In der Gesamtgesellschaft werden diese Gefühle noch mehr verstärkt. Deswegen können/wollen sich Muslime nicht mit Deutschland identifizieren. Wer außer Schizophrene und Masoschisten freundet sich schon mit ihren Peinigern an. Muslime bleibt nur noch der Weg sich mit der location (Stadt, Gemeinde, usw.) zu identifizieren. Weil Muslime sich mit ihrer Region eher identifizieren können, steigt auch die Partizipation an die lokalen Geschehnisse.

    Integration hin Integration her…Über Integration brauchen wir nicht mehr reden. Die Diskussion über Integration verhilft keiner Integration, vielmehr werden durch die Integrations-Debatten die ganzen positiven Impulse überschattet. Muslime sind viel weiter als die Diskussionen über Integration es wahr haben wollen.
    Laut einer Gallup-Studie sind Muslime in Deutschland ihrem Ankunftsland gegenüber viel loyaler als der Durchschnitt der Bundesbürger.

    Muslime sind längst schon zu einem unverzichtbaren Teil der Gesamtgesellschaft geworden. Nur ein Fremdkörper bedarf einer Integration.

  2. bogo70 sagt:

    Nur ein Fremdkörper bedarf einer Integration.
    Yep, so sehe ich es auch. Früher unterteilte ich meine Presse und Integration war ein Extra Eintrag, heute sehe ich es etwas anders, es ist einfach ein soziales Thema, denn das Immigrantenleben in Deutschland ist von der deutschen Gesellschaft geprägt, zumindest wenn man schon lange hier lebt, was die meisten von den Migranten die sich trotzdem nicht zugehörig fühlen von sich behaupten können.

    Muslime müssten “Resignation und Überbetonung der Opferrolle” hinter sich lassen, da muss man ansetzen. Immigranten sind keine Fremdkörper, wenn sie es selbst nicht so sehen. Trotz anhaltend steigender Islamfeindlichkeit, gibt es keinen Grund, sich selbst in die Opferrolle zu drängen. Bewußte Selbstsicherheit und manchmal mindestens auf dem Rassismusohr taub, ist sehr wahrscheinlich produktiver als jammern.

  3. Sugus sagt:

    “Wer außer Schizophrene und Masoschisten freundet sich schon mit ihren Peinigern an.”

    Kardelen, Sie wissen nicht, wie recht Sie haben.

  4. Jens sagt:

    Wenn man sich in einem Land so unwohl fühlt, sollte man dann nicht über Alternativen bzw. über einen Umzug nachdenken ?

  5. Battal Gazi sagt:

    Man kann es sich auch einfach machen. Gibt es eigentlich eine Studie darüber was wäre wenn alle Imigranten zurück in ihre Heimat gehen würden? Unabhängig davon ob sie Arbeit haben oder nicht?
    Wie würde sich das wirtschaftlich auswirken?

  6. Kosmopolit sagt:

    @Battal Gazi
    Man sollte alle Imigranten nicht in einem Topf werfen.
    Wenn man unterscheidet, welche Landsmannschaft überwiegend am sozialen
    Tropf hängt, wie in der letzte Studie von Bertelsmann zu lesen war,
    kann es doch zu einer win/win Situation kommen.
    Man sollte doch die Kosten der sozialen Wohltaten nicht aus den Augen verlieren.
    Den, die müssen alle von den Kuffar (Kafir) aufgebracht werden.

  7. Mehmet sagt:

    Das würde aber die Probleme in der Gesellschaft nicht lösen. Noch weniger würde es zu einem Erkenntnisgewinn führen.

  8. Boli sagt:

    Man könnte die Dinge insgesamt einfacher lösen indem man schlicht eine festen Zeitraum festlegt in dem Arbeit gefunden bzw. wieder gefunden werden muß. Also sagen wir mal ein Russe, Iraner, Amerikaner etc. also zunächst alle Drittstaatler. Er verliert seine Arbeit und muß in einem Jahr eine Arbeit finden von der er sich selbst und seine Familie ernähren kann. Schafft er dies nicht muß er gehen. Das wäre sogar noch sozial weil in so manch anderem Land hat man zwischen 4 und 6 Wochen Zeit seine Koffer zu packen und zwar gnadenlos.
    Was Jens gesagt hat frag ich mich auch manchmal. Was Battal Gazi gesagt hat bezieht sich auf alle Ausländer und die meisten Deutschen haben wiederum gegen die meisten Ausländer auch gar nichts.
    Mehmet hat denke ich zumindest im ersten Punkt recht und Kosmopolit bringt für sich die Sache auf den Punkt.

    “Wer außer Schizophrene und Masoschisten freundet sich schon mit ihren Peinigern an.”

    Aber den Satz finde ich schon ein starkes Stück. Denn wenn die Peiniger so schlimm sind wieso bleibt man denn trotzdem hier. Diese Frage ist doch berechtigt oder? Ich meine die Pein kann so schlimm eigentlich auch nicht sein wenn man trotzdem bleibt. Und Arbeitslosengeld und Hartz IV nimmt man von den Peinigern aber dann doch?? Also nicht die, die Freundschaften mit den Peinigern eingehen sind schizophren und masochistisch sondern die die meinen geschlagen zu werden aber den Zucker trotzdem mitnehmen.

  9. [...] Society Institute in London (OSI) “At home in Europe – Muslims in Europe” (wir berichteten). Die Mehrheit der Muslime hätte in der Studie angegeben, dass sie von Deutschen als [...]

  10. Luca Martin sagt:

    ein starkes Stück das man sich gleich postwendend dieser Argumentation bedient. Gib den Ausreisewilligen Startkapital, mal sehen wie viele von diesen Fremdkörpern Deutschland den Rücken kehren. Nur weil Peiniger das Leben eines jeden erschweren, bedeutet das nicht, das man einfach so mal die Koffer packt und weiter zieht. Entweder stellt man sich dem oder hat den Luxus und geht. Im Grunde hält sich so die Balance gegenüber Unverbesserlichen.


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