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Migration und Integration in Deutschland

Bei dem Lebensalter der ausländischen Arbeitnehmer wirkt sich das z. Z. vor allem für die deutsche Rentenversicherung sehr günstig aus, weil sie weit höhere Beiträge von den ausländischen Arbeitnehmern einnimmt, als sie gegenwärtig an Rentenleistungen für diesen Personenkreis aufzubringen hat.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Bezirk Berlin-Mitte

Gesundheits- und Vorsorgeverhalten Erwachsener mit Migrationshintergrund

Im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2006/07 führte das Bezirksamt eine Erhebung zur Gesundheit und zum Gesundheitsverhalten von Eltern der Schulanfänger durch. Die Fragen betrafen u.a. ihre eigene Gesundheit, ihr Gesundheitsverhalten und ihr Bedarf an gesundheitsbezogenen Informationen.

Inhalte des Fragebogens
Als Teil der Angaben zur Demografie der Befragten wurden neben Angaben zur Schulbildung und zum Erwerbsstatus auch ausführliche Fragen zum Migrationshintergrund der Befragten gestellt1. Unter anderem wurden sie nach ihrer Staatsangehörigkeit, nach dem eigenen Geburtsort, nach ihrer Verweildauer in Deutschland und nach den Geburtsorten der Eltern gefragt. Darüber hinaus gab es Fragen zu den Sprachen, die im Haushalt gesprochen werden, sowie bei Befragten mit eigener Migration zu ihren Gründen nach Deutschland zu kommen.

Die Fragen im Bereich Gesundheit schließen ein breites Themenspektrum ein – u.a. eine Selbsteinschätzung der gegenwärtigen Gesundheit, eine Frage zu ihren krankheitsbedingten Fehltagen (Beruf bzw. Hausarbeit), Fragen zu ihren gesundheitlichen Beschwerden, Fragen zu ihrer Zufriedenheit mit wichtigen Lebensbereichen, zu ihrem Bewegungsverhalten und zu ihrem Konsum von Tabak und Alkohol. Darüber hinaus gab es Fragen zu ihrem gesundheitsrelevanten Verhalten, zu ihrem Versichertenstatus, zu ihrer Inanspruchnahme von Angeboten der Gesundheitsversorgung und -vorsorge und zu ihrem Bedarf an und ihren Quellen für gesundheitsbezogene Information. Ebenfalls wurde bei Menschen, die Schwierigkeiten im Bezug auf das Verstehen der deutschen Sprache angegeben hatten, gefragt, wie sie sich in Hinblick auf gesundheitliche Belange informieren.

Zusammensetzung der Untersuchungsgruppe
Insgesamt füllten ca. 20% der Eltern der Schulanfänger den Fragebogen aus. Die Verteilung der Eltern nach sozialer Schicht und Herkunft korrespondiert relativ gut mit der gesamten Gruppe der Schulanfänger. 52% der Befragten (560) hatte einen Migrationshintergrund. Dies war weniger als ihr Anteil an der ganzen Gruppe der Schulanfänger (64%), aber immerhin eine beträchtliche Gruppe angesichts der Probleme der Erreichbarkeit von Migranten für gesundheitsbezogenen Befragungen. Mit ca. 46% der Befragten war die untere soziale Schicht leicht unterrepräsentiert (insgesamt 49%). Abbildung 1 zeigt, dass die Migranten, die den Fragebogen ausgefüllt haben, überwiegend aus der unteren sozialen Schicht kamen (61% vs. 30,7% der Eltern deutscher Herkunft). Diese Tatsache bedeutet, dass Vergleiche zwischen Migranten und den deutschen Befragten nach sozialer Schicht differenziert werden müssen.

Hinsichtlich der absoluten Anzahl der Befragten in den einzelnen Herkunftsgruppen zeigt sich die türkische Bevölkerung, mit 258 Personen als stärkste Gruppe hinter der einheimischen deutschen Bevölkerung (513). Eltern aus arabischen Ländern und dem ehemaligen Ostblock sind relativ gleich stark vertreten mit 90 bzw. 99 Personen, während Befragte aus „westlichen Industrieländern“ eine eher kleine Gruppe mit 27 Personen bilden. Im Vergleich zur gesamten Gruppe der Eltern der Schulanfänger im Jahre 2007 waren die deutschen Eltern deutlich überrepräsentiert (48% statt 34,4%), während die Eltern aus der Türkei (24% statt 29%) und aus ehem. Ostblockländer (9,2% statt 12,2%) leicht unterrepräsentiert waren. Arabische Eltern (8,4% statt 8%) und Eltern aus westlichen Industrieländern (2,5% statt 2,9%) entsprachen ungefähr ihrer Stärke in der gesamten Gruppe. Die Sammelgruppe „andere Länder“ war in unserer Untersuchungsgruppe um einiges kleiner als in der gesamten Gruppe der Eltern (7,9% statt 13,1%).

Da die Religion oft eine Rolle beim Gesundheitsverhalten spielt, wurde auch eine Frage dazu gestellt. Hier bildeten sich im Wesentlichen drei größeren Gruppen heraus. Angesichts der demografischen Zusammensetzung des Bezirkes war es nicht überraschend, dass Muslime, mit 389 Personen, die größte Gruppe unter den Befragten bildeten. Es folgten die Befragten, die keine Religion angaben (327). Erst an dritter Stelle kamen die 314 Befragten mit christlichem Glauben. Überraschenderweise gaben 11 Personen aus der Untersuchungsgruppe in einem Freitextfeld (sonstige Religionen) an, buddhistisch zu sein.

  1. anlehnend an Schenk et al. 2005 []
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2 Kommentare
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  1. […] Jeffrey Butler, Bezirk Berlin-Mitte: Gesundheits- und Vorsorgeverhalten Erwachsener mit Migrationshintergrund […]

  2. […] erheblich gefährdet, sollten keine entsprechenden Maßnahmen durchgeführt werden. Neben der Vorsorge durch einen Arzt, sind dementsprechend auch eine Absicherung durch entsprechende Versicherungen […]



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