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Wir haben in dieser Woche gerade einige Gesetze verabschiedet – zum Beispiel gegen die Scheinehe. Und wir wollen damit deutlich machen, dass wir solche Zwangsverheiratungen zum Beispiel nicht billigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Video-Podcast der Bundeskanzlerin #35/10 vom 30.10.2010

Hilfe vor Ort

Diabetes-Mobil schafft neue Anlaufstelle für Betroffene

Diabetes mellitus ist eine Krankheit, die viele Menschen unterschätzen. Der erhöhte Blutzuckerspiegel im Blut führt nicht nur zu kurzfristigen Beschwerden, sondern ist vor allem langfristig eine Bedrohung für das eigene Leben. Besonders Migranten nehmen Beratungen zur Früherkennung häufig nicht wahr und bilden daher eine große Risikogruppe.

Ende August 2014 ist das Projekt „Diabetesberatung auf Rädern“ der Deutschen Diabetes-Hilfe in Köln gestartet. Von den Migranten, die in Deutschland leben, sind ungefähr 600.000 an Diabetes erkrankt. Häufig bleibt die Krankheit im Anfangsstadium unerkannt, da sich die Betroffenen oft nicht trauen, einen Arzt aufzusuchen. Es kann angenommen werden, dass unter anderem Sprach- oder auch Kulturbarrieren Hintergrund hierfür sind. Um diese Hemmschwelle zu überbrücken, leistet das Diabetes-Mobil vor Ort Hilfe.

Migranten mit Diabetes-Mobil erreichen

Das Fahrzeug ist in ganz Deutschland unterwegs und macht Stopp in Städten und Stadtteilen, in denen der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund besonders hoch ist. Die Mitarbeiterinnen bei „Diabetesberatung auf Rädern“ sind ausgebildete Diabetesberaterinnen des Verbandes der Diabetes-Beratung- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD), die sich fließend auf Türkisch mit den Hilfesuchenden unterhalten können. Auf kulturelle Unterschiede nehmen sie ebenfalls Rücksicht. Natürlich sprechen die Diabetesberaterinnen ebenfalls fließend Deutsch, sodass sie Ansprechpartner für ältere und jüngere Generationen sein können.

Diabetes-Formen unterscheiden

Wichtig ist den Organisatoren vor allem, dass die Besucher des Mobils erfahren, dass sich die Krankheit gut behandeln lässt, wenn Ärzte frühzeitig damit beginnen können. Um eine erste Diagnose stellen zu können, nehmen die Diabetesberaterinnen im Mobil eine kleine Blutprobe aus der Fingerbeere und ermitteln daran den aktuellen Blutzuckerwert. Der Blutdruck kann ebenfalls Hinweise geben, ob es durch einen erhöhten Blutzuckerwert bereits zu Ablagerungen in den Arterien und einem erhöhten Druck gekommen ist. Das folgende Video beschreibt, wie der Blutzuckerspiegel selbst gemessen werden kann:

Es ist allerdings zwischen zwei unterschiedlichen Formen des Diabetes mellitus zu unterscheiden. Während es beim Typ 1 zu einer Zerstörung der insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse kommt und lebenslang Insulin zu spritzen ist, ist Typ 2 der sogenannte Altersdiabetes. Er ist allerdings immer früher auch bei Kindern und Jugendlichen zu bemerken, da der Zuckerkonsum steigt und Bewegung in der Freizeit aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen abnimmt. In der Schwangerschaft tritt bei vielen Frauen der sogenannte Gestationsdiabetes auf. Er verschwindet zwar in den meisten Fällen nach der Geburt, trotzdem bleibt das Risiko erhöht, im weiteren Leben an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Risikofaktoren für Blutzuckerkrankheit

Im Diabetes-Mobil ermitteln die Beraterinnen, ob bei den Besuchern Risikofaktoren vorliegen. Ist dies der Fall, ist es empfehlenswert, einen Termin beim Hausarzt zu vereinbaren, um das weitere Fortschreiten der Krankheit zu verhindern.

  • Bei Diabetes Typ 2 spielt die Vererbung eine große Rolle. Sind Vater oder Mutter erkrankt, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 50 Prozent, dass das Kind ebenfalls zuckerkrank ist.
  • Bewegen sich Kinder und Erwachsene zu wenig, steigt das Risiko ebenfalls an, zu erkranken.
  • Übergewicht und ein zu starker Zuckerkonsum lassen die Wahrscheinlichkeit ansteigen, Diabetes zu bekommen.
  • Zu den Risikofaktoren zählt außerdem Stress. Nicht nur psychischer Stress, wie er im Beruf, in Beziehungen oder der Familie vorkommt, zählen hierzu, sondern auch Belastungen des Körpers bei Leistungssport, Operationen oder Krankheiten.

Das Besondere an „Diabetesberatung auf Rädern“ ist, dass die Menschen nicht mit ihrer potentiellen Erkrankung alleine gelassen werden. Drei Monate, nachdem sie das Mobil aufgesucht haben, meldet sich eine Beraterin telefonisch und fragt nach, wie die vergangene Zeit verlaufen ist. Sie wollen dadurch sicher gehen, dass der Arztbesuch stattgefunden und bei einer bestätigten Verdachtsdiagnose die Behandlung begonnen hat.

Gefährliche Spätfolgen möglich

Auch wenn die Krankheit mit einer Umstellung der Ernährung, mehr Bewegung und Medikamenten gut zu behandeln ist, ist es notwendig, sie rechtzeitig zu erkennen. Die Betroffenen müssen ihre Blutzuckerwerte regelmäßig überprüfen, damit der Arzt gegebenenfalls mit weiteren Maßnahmen korrigieren kann. Die Langzeitkomplikationen von Diabetes mellitus Typ 2 sind gravierend. Viele Betroffene unterschätzen das Risiko und nehmen die Behandlung auf die leichte Schulter.

  • Zu den gefährlichen Komplikationen gehört beispielsweise das Koma, das bei einer akuten Über- oder Unterzuckerung auftreten kann.
  • Durch die Ablagerungen an den Blutgefäßen können sich leichte Blutgerinnsel bilden, die zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.
  • Nierenversagen steht häufig am Ende der Diabetes, weswegen die Betroffenen mehrmals wöchentlich für mehrere Stunden zur Dialyse müssen.
  • Erblindung ist eine weitere gefürchtete Komplikation.

Frühzeitige Absicherung als weitere Maßnahme

Nicht nur der körperliche Aspekt ist bei diesen Folgen zu beachten, unter Umständen sind sie berufsunfähig durch Diabetes, was die finanzielle Sicherheit erheblich gefährdet, sollten keine entsprechenden Maßnahmen durchgeführt werden. Neben der Vorsorge durch einen Arzt, sind dementsprechend auch eine Absicherung durch entsprechende Versicherungen oder Rücklagen wichtig. Da das deutsche Gesundheits- und Versicherungssystem bezüglich der sozialen Absicherung an sich bereits sehr komplex sind, können die Möglichkeiten ebenfalls zu Unsicherheiten führen. So stehen verschiedenste Versicherungsarten zur Auswahl, wobei beispielsweise eine Krankenversicherung Pflicht ist, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sich hingegen nur dann im Grunde lohnt, wenn die jeweilige Person vor hat, eine längere Zeit oder gar bis zur Rente bzw. länger in Deutschland zu bleiben. Hilfreiche Informationen bieten hier laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Migrationsberatungsstellen oder auch direkt die Versicherer als erste Anlaufstelle. Hilfreich ist ebenfalls die Recherche übers Netz, beispielsweise bei Versicherungsmakler wie impuls.com, die laut eigenen Angaben per Onlineberatung aufzeigen, wie Versicherungen nach individuellen Bedürfnissen verglichen werden können. Allerdings sollten in diesem Fall bereits Vorkenntnisse über das deutsche Versicherungssystem vorherrschen. (sb/mt)

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