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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

Gesundheitliche Lage

Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund

Ein Leben in sozial benachteiligter Lage erhöht Krankheitsrisiken und verringert Gesundheitschancen. Die höchsten Armutsrisiken tragen – neben Kindern mit zwei oder mehr Geschwistern, Kindern von allein erziehenden Müttern – Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Fazit
Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass Gesundheitschancen und Krankheitsrisiken innerhalb der Migrantenpopulation ungleich verteilt sind. So sind die gesundheitliche Situation sowie das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen aus binationalen Familien mit einem einheimischen Elternteil mit der gesundheitlichen Lage von Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund vergleichbar. Deutliche Unterschiede lassen sich aber vor allem je nach Herkunftsland, Geschlecht, Alter und Aufenthaltsdauer bzw. Einwanderergeneration konstatieren.

Insbesondere verhaltens- bzw. lebensstilabhängige Gesundheitsmerkmale sind durch die Herkunftskultur beeinflusst und wirken je nach Herkunftskultur und den daran geknüpften tradierten Verhaltensmustern als Protektiv- oder Risikofaktoren. Allerdings variiert das Gesundheitsgeschehen innerhalb der Migrantenpopulation je nach Einwanderergeneration resp. je nach Aufenthaltsdauer, d.h. mit zunehmender Verweildauer geht eine stärkere Orientierung an der Aufnahmegesellschaft und damit ein Wandel von Lebensgewohnheiten, Gesundheitskonzepten und gesundheitsbezogenen Verhaltensweisen einher. Das kann positive Effekte zeitigen wie eine verbesserte Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen, wenn auch nach langer Verweildauer im Vergleich zur Mehrheitsbevölkerung noch ein ungünstigeres Verhalten zu verzeichnen ist. Diese Verhaltensveränderungen sind vermutlich auch dadurch bedingt, dass die Kenntnis um die Struktur des hiesigen Gesundheitssystems und um solche Angebote zunimmt. Hingegen scheint der Lebensstilwandel mit Verlusten von nach der Zuwanderung bestehenden Gesundheitsvorteilen verbunden zu sein, so beispielsweise hinsichtlich des Ernährungsverhaltens. Dabei scheinen das Gesundheitshandeln zunehmend ungünstige Verhaltensmuster zu prägen, die in unteren sozialen Statusgruppen dominieren. Gesundheitsförderung sollte hier also auch Ressourcen erhaltend wirken.

Der Sozialstatus ist ein weiterer Faktor, der Unterschiede zwischen den Herkunftsgruppen mit bedingt, diese aber nicht hinreichend erklärt. Zum einen zeigt sich unter Migranten ein teilweise weniger ausgeprägtes Schichtgefälle als unter Nicht-Migranten, zum anderen bestehen Gesundheitsnachteile bzw. -vorteile gegenüber Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund auch bei Kontrolle des Schichteinflusses. Dies ist ein Hinweis darauf, dass migrationsbedingte und kulturspezifische Faktoren Krankheitsrisiken verstärken oder auch kompensieren können. Jedoch sind, da ein niedriger Sozialstatus und erhöhte Krankheitsrisiken korrelieren, mittelfristig entsprechende gesundheitliche Konsequenzen zu befürchten. Dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche aus der Türkei, aber auch aus der ehemaligen Sowjetunion und den arabisch-islamischen Ländern.

Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse findet sich in: Schenk L, Neuhauser H, Ellert U. Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) 2003-2006: Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland. Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Robert Koch-Institut Berlin 2008.

Hinweis: Mit freundlicher Unterstützung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).
Quelle: BMAS-Publikation „Gesundheitliche Versorgung von Personen mit Migrationshintergrund“

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3 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. municipal sagt:

    Und. Was will uns diese Studie sagen ?

    Etwa, das ein Großteil dieser Kinder in Familien aufwachsen, in denen der Fernseher den ganzen Tag läuft , wie der Berliner Bürgermeister Buschkowski kürzlich beklagte ?

    Möglichst noch mit türkischen oder arabischen Satellitenprogrammen ?

    Und das diese Kinder (dadurch) kaum Bewegung haben und sich mit Süßigkeiten und Kartoffelchips vollstopfen, und KEINE Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache machen?

    Ist das AUCH die Schuld der deutschen Gesellschaft/Politik ?

  2. NDM sagt:

    Das Fazit ist auf Seite fünf zu finden. 🙂

  3. […] Dr. Thomas Lampert, Gesundheitliche Ungleichheit: Armut – Migration – Gesundheit […]



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