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Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Umfrage

Europa, ein Kontinent mit vielen Vorurteilen

Aus einer Umfrage des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung geht hervor, dass fast jeder zweite Europäer Vorurteile gegenüber Migranten, religiösen Gruppen oder Minderheiten hegt – Özdemir spricht von einer dramatischen Situation für Europa.

Während des Winters 2008/2009 hatten die Soziologen jeweils 1000 Einwohner aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Polen und Ungarn zu ethnischen, religiösen und sexuellen Vorurteilen befragt. Die Ergebnisse des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung wurden die vergangene Woche vorgestellt.

Insgesamt sei in den osteuropäischen Ländern Menschenfeindlichkeit am stärksten verbreitet, am niedrigsten sei sie in den Niederlanden. Deutschland liegt nach den Ergebnissen in allen Kategorien im Mittelfeld.

In Europa würden diese Vorurteile aber „weitgehend geteilt“, sagt Andreas Zick, Leiter des Forschungsprojektes, auch wenn das Ausmaß der Zustimmung in den acht Ländern unterschiedlich sei. Im Durchschnitt sind die untersuchten Vorurteile in Polen und Ungarn am höchsten und in den Niederlanden und Großbritannien am wenigsten ausgeprägt.

Weitere Ausreißerländer sind: Antisemitismus ist besonders in Polen und Ungarn stark ausgeprägt, in Großbritannien eher schwach; in den Niederlanden würden viele nicht in ein Wohnviertel ziehen, in dem viele Migranten leben; in Polen sind 27,1 Prozent der Meinung, dass es zu viele Einwanderer im Land gibt; in Italien sind es 62,4 Prozent.

Bei der Islamfeindlichkeit aber ist die Zustimmung in allen Ländern hoch: Laut Umfrage halten 55 Prozent den Islam für eine intolerante Religion, und 31 Prozent glauben sogar, dass Muslime Terrorismus als Heldentat ansehen.

Laut Umfrage sind auch rassistische Einstellungen weit verbreitet. Ein Drittel der Befragten glaubt, dass es eine „natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Menschen gibt“.

Wichtig für den Abbau von Vorurteilen sei der „positive Kontakt“ mit anderen Gruppen, erklärte Zick und appellierte an Politiker, mehr Programme zum Austausch und der Kooperation zu fördern. Denn die Studie belegt, dass in sechs von acht Ländern der persönliche Kontakt von Menschen beispielsweise zu Migranten, Juden oder Homosexuellen zu einem Abbau von Vorurteilen Gruppen geführt hat.

Aber Mangel an Bildung sei die entscheidende Ursache für derartige Ressentiments. Nur mit gut ausgestatteten Bildungseinrichtungen sowie Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrpersonal könne man Vorurteile wirksam bekämpfen.

Bei der Präsentation sprach Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir von einer „dramatischen Situation“ für Europa. „Gerade weil niemand als Demokrat geboren wird“, müsse in den Bildungseinrichtungen mehr Wert auf „eine aktive Erziehung zur Demokratie“ gelegt werden.

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14 Kommentare
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  1. Krause sagt:

    Bei der Islamfeindlichkeit aber ist die Zustimmung in allen Ländern hoch: Laut Umfrage halten 55 Prozent den slam für eine intolerante Religion.

    Was ist daran islamfeindlich. Es handelt sich um eine Zustandsbeschreibung. Die Rechtsstellung der Ungläubigen und Atheisten im Koran ist strukturell diskriminierend und intolerant. Bitte siehe hierzu auch das Interview mit Prof. Nagel in der Presse. War vor 2-3 Tagen auf der deutschen Presseliste. Das Denken sollte sich die Europäer auch von Prof. Heitmeyer nicht verbieten lassen.

  2. Murat Kayi sagt:

    Das Migazin berichtet über eine Studie des Instituts für Konflikt und Gewaltforschung, der zu folge fast jeder zweite Europäer Vorurteile gegenüber Minderheiten, religiösen Gruppen oder Migranten hegt.

    Was sagt es uns also, wenn wir erfahren, dass laut obiger Umfrage fast die Hälfte aller Europäer Vorurteile gegenüber Ausländern hat?
    Es sagt uns, dass die andere Hälfte bei der Beantwortung der Fragen wohl gelogen hat.

    http://muratkayi.blogspot.com/2009/11/europa-der-schlimme-schlimme-kontinent.html

  3. municipal sagt:

    @ Murat Kayi

    Guten Tag Herr Kayi.

    Was glauben Sie würde als Ergebnis erscheinen, wenn man gezielt Menschen muslimischen Glaubens zum Thema Homosexualität befragen würde ?

    Das gäbe wohl eine Vorurteislquote von 95%.

    Mfg
    municipal

  4. Erkan sagt:

    municipal

    bitte bleiben Sie beim Thema!
    für mich heißt das Ergebnis einfach nur, dass die Existenz eines Grundgesetzes und das Release um 1945 herum nicht dazu beigtragen hat, dass sich das Denken in den Köpfen der Menschen geändert hat.
    Man könnte England als Vorbild nehmen und mal schaun, wie diese zu einer toleranten Weltmacht geworden sind.
    Obwohl in England ein größeres Durcheinander mit den Ausländern herrscht, wird immer wieder von einer größeren Toleranz und Aufrichtigkeit gesprochen, als wie hier zu Lande. Und England ist im Gegensatz zu DE auch noch eine Weltmacht, die in der Weltpolitik immer schon was zu sagen hatte und es hat ihnen nicht geschadet, Vorurteile abzubauen. Ich hoffe doch sehr, dass wir dieses Defizit in unserem DE schnellstmöglich abbauen können.

    Und bitte die Fakten nicht versuchen unter den Teppich zu kehren und Verstand bitte nicht ausschalten. Danke

  5. Krause sagt:

    @Erkan

    Die Zahlen für Deutschland sind doch im Vergleich ok. Immerhin haben 15 Mio. der Bewohner in Deutschland einen Migrationshintergrund und führen sich hier z.T. eher unerfreulich auf. England dürfte mit den Niederlanden wohl das toleranteste Land auf der Welt sein. Insoweit sind wir im Weltvergleich gut im Rennen. Der Nahe Osten ist ja was Toleranz anbetrifft nicht satisfaktionsfähig – damit sollten wir uns nicht messen.

  6. municipal sagt:

    @ Erkan

    Ich bleibe sehrwohl beim Thema. Vorturteile. Wenn man die besagte Studie/Befragung nach
    Bevölkerungsstruktur/Religionszugehörigkeit durchgeführt hätte, wäre ein sehr differenziertes Ergebnis herausgekommen. Aber das wollte man ja nicht.

    Die Ergebnisse wären dann nicht nur beim Punkt Homosexualität soder sicher auch bei Antisemitismus interessant gewesen.

    Die Resentiments (Rassismus hört sich natürlich „zweckdienlich“ härter an) bestehen zu fast 90% gegenüber Migranten muslimischen Glaubens. Als Ergebnis des Bildes, was der Islam in den letzten 10 Jahren auf der ganzen Welt bietet, und dem Erscheinungsbild von Teilen der entsprechen Migranten hier.

    Ursache und Wirkung.

    Die „Toleranz“, die Sie in England sehen, ist bereits mächtig im Schwinden begriffen, siehe die neuen Einwanderungsgesetzgebung von Premier Brown. Für Holland gilt
    das Gleiche.

    Und in Dänemark ?

    Zitat
    Dänen bieten hohe Prämie für heimkehrende Migranten!
    Die dänische Regierung will die Prämie für Einwanderer verzehnfachen, die definitiv in ihr Heimatland zurückkehren. Wie aus Parlamentskreisen verlautete, sollen die Rückkehrwilligen künftig knapp 13.500 Euro erhalten.
    Diese Geld sei für Menschen gedacht, die sich „nicht integrieren wollen oder können“!
    7,3 Prozent der 5,5 Millionen Einwohner Dänemarks sind Einwanderer.

    Zitat Ende

    Q.: KSTA vom 10.11.09

    Auch hier: Ursache und Wirkung

  7. Mehmet sagt:

    Der Versuch, eigene Fehler mit den Fehlern anderer zu relativieren. Soviel zum Thema Selbstkritik…

  8. Kosmopolit sagt:

    @Erkan
    England als Vorbild? Diese Weltmacht knappert an den Folgen ihrer Vergangenheit, dem Empire. Die bunte Vielfacht aus früheren Zeiten, die kostenlos in das ex Empire einreisen dürfen, ist für mich ein lebendes Pulverfass. Hauptsächlich Pakistan und Umgebung. Kennen sie auch die wirtschaftlichen Problem vor Ort z.B. Finanzwirtschaft, abgewirtschaftete Währung? Unruhe in vielen Vorstädten!
    Für Muslime in Europa könnte das möglicherweise ein Vorbild sein, da nach Aussagen der überwiegenden Muslime, diese eine Scharia haben wollen. Als Beispiel ein netter Link.
    http://www.stern.de/politik/ausland/grossbritannien-muslime-die-neue-unterklasse-522200.html
    Ob für diese Zustände Freude aufkommt, ist zu bezweifeln. Und übrigens H. Erkan, wie sehen türkische Studien vor Ort aus, wenn es um das zusammenleben mit anderen geht??
    http://diepresse.com/home/panorama/religion/512210/index.do

  9. municipal sagt:

    @ Mehmet

    Schön das Sie die Fehler „der Anderen“ erstmal als solche erkennen/bezeichnen.

    Das nennt man Fortschritt.

  10. […] über die Ergebnisse einer Studie des “Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung” (wir berichteten). Demnach würde jeder zweite in Europa Migranten, Anhängern anderer Religionen und Minderheiten […]


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