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Migration und Integration in Deutschland

Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg, Trauergottesdienst nach dem Terroranschlag im norwegischen Oslo und Utoya, 2011

Ein Plädoyer

Wir sind Integration

Wenn von Integration die Rede ist, denkt man in erster Linie an Migranten und an Schwierigkeiten. Doch das eigentliche Problem sind häufig die Deutschen ohne Migrationshintergrund, die nicht an Integrationsprozessen teilhaben wollen und einer fragwürdigen Multi-Kulti-Theorie anhängen. So bleiben die Potenziale, die in neuen Formen von Identität stecken, auf der Strecke – und Verlierer sind nicht nur die Migranten. Oder: Ein Plädoyer für die gegenseitige Veränderung von Migranten und Deutschen.

VONJan Opielka

Jan Opielka (32) arbeitet als freier Journalist schwerpunktmäßig zu Themen aus Polen sowie zur Migration. Er stammt aus Polen, lebt seit 21 Jahren in Deutschland und hat Politikwissenschaft und Anglistik studiert. Neben seinen journalistischen Tätigkeiten hat er in der Jugendhilfe gearbeitet, vorwiegend mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie mit Asylbewerbern. Gemeinsam mit seiner Frau Katarzyna arbeitet er zudem freiberuflich an der Schnittstelle zwischen Deutschland und Polen, etwa in den Bereichen Weiterbildung sowie Übersetzungen/Dolmetschen. www.communication-opielka.com

DATUM13. November 2009

KOMMENTARE31

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Die so verstandene, leider mangelnde Integration der meisten Deutschen führt zugleich zu einem weiteren Problem. Denn die Mehrheit von Menschen mit Migrationshintergrund verfällt durch die nicht vorhandene Akzeptanz der Grundidee von Integration mit gegenseitiger Veränderung – und der dadurch in einer Person entstehenden Multikulturalität – in ein Denkschema, in dem sie nur Eines sein können: Entweder Deutsche – oder ihrer Herkunftsnationalität. Aus diesem überdehnten Entweder-Oder-Denken heraus glauben viele Migranten, nicht zuletzt etliche muslimische Jugendliche, dass sie „weder, noch“ seien – weder Deutsche, noch etwa Türken. Viele dieser Menschen wollen vollständig einer Nationalität sein, können es aber nicht. Denn es ist beinahe unmöglich, nationale und kulturelle Merkmale, die einst drinnen Wurzeln schlugen oder es immer noch tun, aus der eigenen Identität zu tilgen – und eine rein mononationale Identität herauszubilden.

Dabei sollte es nicht um ein „Entweder – Oder“ gehen, sondern um ein „sowohl – als auch“. Es geht nämlich nicht ausschließlich um die Möglichkeit, zwei Staatsbürgerschaften zu haben, wenn sich dies aus der persönlichen Geschichte ergibt, sondern auch zwei Nationalitäten zu sein – wenn ein Individuum dies so verspürt. Diese Mehrfach-Staatler sind auch nicht grundsätzlich, wie Kritiker behaupten, illoyaler gegenüber Deutschland denn ihre mono-nationalen Zeitgenossen. Das Gegenteil ist der Fall. Denn durch die Wertschätzung und rechtliche Anerkennung der eigenen Mehrfach-Identität durch Staat und Gesellschaft wächst in der Regel auch die Verbundenheit mit dem Land – mit Deutschland. Die Wissenschaft spricht mittlerweile von „hybriden Identitäten“, wobei sich Individuen zwei oder mehreren Kulturräumen zugehörig fühlen. Also sowohl Russe, als auch Deutscher. Und ja, die Teilidentitäten treten miteinander in Konflikt – und zwar meist umso stärker, je größer die kulturellen Unterschiede zwischen dem Herkunftsland (auch dem der Eltern oder Großeltern) und der Neuheimat sind. Viele Jugendliche, so stellte Jugendpsychiater Kai von Klitzing bereits in den 80ern fest, zeigten aus einem Gefühl der sozialen Minderwertigkeit heraus abweichendes Verhalten und flüchteten sich in negative Identitäten.

Doch diese inneren Konflikte sind lösbar. Eine Grundbedingung ist aber die allgemeine Anerkennung der Tatsache, dass, plakativ formuliert, in einem Menschen zwei (und mehr) Herzen schlagen können und neue Arten von Identität entstehen. Solche nämlich, in denen die Denkmuster von Nationalitäten, der sich eine Person zugehörig fühlt, weniger addiert, als vielmehr transformiert werden. Konkret: Jemand, der Russe und Deutscher ist, kann mehr sein als einerseits Russe und andererseits Deutscher. Es ist die berühmte Formel, wonach das Ganze mehr ist als die Summe seiner Einzelteile. Um die daraus resultierenden „Ergebnis-Identitäten“ zu verstehen – von denen die Gesamtgesellschaft zum Teil schon profitiert und noch so unendlich viel mehr profitieren könnte – müssen jedoch andere Kategorien angelegt werden, als ausschließlich die je nationalstaatlichen. Das Russisch-Sein bedingt und verändert hierbei zwangsläufig das Deutsch-Sein (und umgekehrt), selbst bei jenen, die das eine oder das andere gänzlich ablegen wollen. Und: es soll es auch verändern, denn dies ist der Kern der individuellen Integration der je eigenen Persönlichkeit.

Dabei heraus kommt etwa ein Fatih Akin, der auf der Suche nach seiner Identität auch Abgründe ausleuchtet und so unbekannte Facetten des Türkischen und Deutsch-Türkischen auch für den Zuschauer erfahrbar macht. Oder ein Lukas Podolski, der meist als einziger bei Spielen der deutschen Elf die Nationalhymne nicht singt, abgebrüht Tore gegen sein Herkunftsland Polen schießt und daraufhin mit einer beeindruckenden Demut zu reagieren vermag. Oder auch eine Dunja Hayali, die das doppelte Kunststück schafft, sowohl mit ihrem Migrationshintergrund als auch ihrer Homosexualität positiv umzugehen und als ZDF-Journalistin genügend Durchsetzungskraft hat, nicht auf das Thema Integration reduziert zu werden. Sie und viele andere zeigen, dass Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund offensiver mit ihrem Migrationbezug umgehen, ihn nicht als Schatten, sondern als eine zwar schwierige, aber doch eine Schatz-Kiste betrachten sollten.

Denn Integration ist einerseits Beziehung, aber noch vielmehr Veränderung. Veränderung von allen, die an den Prozessen beteiligt sind. Damit aber sind wir alle Integration. Nicht nur (wir) Migrationshintergründer. Und die nicht Immigrierten, die Autochthonen, die national Ein-Heimischen – viele von Ihnen wollen doch an der Integration teilhaben. Oder?

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31 Kommentare
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  1. elimu sagt:

    „Und die nicht Immigrierten, die Autochthonen, die national Ein-Heimischen – viele von Ihnen wollen doch an der Integration teilhaben. Oder?“….

    Das wollen wir doch hoffen 🙂

    Ein aufschlussreicher Bericht… Ich habe jetzt eine ganz andere Perspektive zur Identität entdeckt, danke! 🙂

  2. NDM sagt:

    Hervorragend ausformuliert. Das eigentliche Integrationsgeschehen wird hier korrekt beschrieben. Es findet nicht einzig im Kopf und im Verhalten von Zuwanderern statt, sondern bei sämtlichen beteiligten. Es ist auch keine Entscheidung, keine besondere Anstrengung oder Leistung, sondern ein fortlaufender und auch wechselseitiger Prozess, in dem sich alle beteiligten mit der Zeit verändern und aufeinander zugehen. Es hat mehr mit einem „Miteinander leben und voneinander lernen“ zu tun, als mit einem und geschieht in erster Linie auf zwischenmenschlicher Ebene. Man schreibt hierbei gegenseitig das voneinander ab, was man für gut befindet, macht sich gegenseitige Zugeständnisse und legt Verhaltensweisen ab, oder schränkt sie ein, die nicht weiterbringen. Wechselseitig, je nach Mehrheitsverhältnissen natürlich in unterschiedlichem Maße. So entwickelt sich eine gemeinsames Gesellschaftliches Fundament. Genau das ist richtig verstandene, nachhaltige Integration. Auf diese Weise hat sich in der Vergangenheit jede Gesellschaft weiterentwickelt, verändert und verbessert.

  3. Mehmet sagt:

    Ihrer Meinung!! Nur wollen einige unserer Deutsch-Deutschen Mitbürger dies nicht wahrnehmen… 😉

  4. Hassan Kal sagt:

    Eigentlich kann man sich angesichts dieses impertinenten Artikels nur noch schämen, dass man zu der am schlechtesten integrierten Gruppe von Migranten gehört, die auch ausgerechnet noch am lautesten schreit und von der ich mich inzwischen deutlich distanziere! Das ist kein „Plädoyer für die gegenseitige Veränderung von Migranten und Deutschen“, das ist die Aufforderung zur Aufgabe der eigenen Kultur der deutschen Aufnahmegesellschaft zugunsten einer integrationsunwilligen Minderheit. Mich würde beispielsweise die Reaktion der türkischen Bevölkerung angesichts solcher Forderungen interessieren (war ein Witz, ich wüßte die Antwort). Vielleicht sollten sich die ganzen Schreihälse mal an den Musterbeispielen gelungener Integration ein Beispiel nehmen, die ihren Weg in aller Stille und mit Erfolg gegangen sind. Wie wäre es denn mal mit Begriffen wie Eigenverantwortung, Ehrgeiz, Toleranz (jawohl, auch für Migranten!!!), Identifikation mit der deutschen Aufnahmekultur? Fehlanzeige, das müssen die Deutschen leisten? Wann waren Sie denn das letzte Mal beim Deutschen essen? Kennen Sie aus Ihrem Umfeld keine Diffamierungen, die man über die Deutschen, die Christen etc. auskippt? Ich kenne sie und Sie, vererhrte Migazin-Schreiberlinge kennen Sie auch! Auf das „Neue“, was hier propagiert wird, kann ich jedenfalls verzichten, das haben wir in meinem Herkunftsland bereits und deshalb lebe ich jetzt in Deutschland, inzwischen als Deutscher und bin mit meiner Integration hoch zufrieden.

  5. Johanna sagt:

    Danke, Hassan Kal. Volle Zustimmung.

    >Ein Plädoyer für die gegenseitige Veränderung von Migranten und Deutschen.<

    Ich habe nicht das geringste Interesse, mich von türkischen Interessengruppen unterbuttern zu lassen, denn meine Heimat Deutschland gefällt mir so, wie sie ist.

    Wünschenswert wäre es, wenn Einwanderer oder in Deutschland zum Kopftuch-Greifende sich anpassen würden.

  6. Mehmet sagt:

    Herr Kal,
    Ich freue mich, dass Sie eine derart unberührte Vergangenheit haben, sodass Sie so ein Kommentar schreiben können. Nur sollte man nicht so schnell von der eigenen Person auf andere schließen….
    „Vielleicht sollten sich die ganzen Schreihälse mal an den Musterbeispielen gelungener Integration ein Beispiel nehmen, die ihren Weg in aller Stille und mit Erfolg gegangen sind.“
    Sie unterstellen hier, dass die „Schreihälse“ nicht integriert wären. Woher wollen Sie das wissen? Kennen Sie die Leute hier persönlich?

    „Wie wäre es denn mal mit Begriffen wie Eigenverantwortung, Ehrgeiz, Toleranz (jawohl, auch für Migranten!!!), Identifikation mit der deutschen Aufnahmekultur?“
    Wie wäre es denn mal mit der Erkenntnis, dass die „Schreihälse“ diese Eigenschaften evtl. schon mitbringen?

    „Wann waren Sie denn das letzte Mal beim Deutschen essen?“
    Ich habe nur deutsche Freunde…

    „Kennen Sie aus Ihrem Umfeld keine Diffamierungen, die man über die Deutschen, die Christen etc. auskippt? Ich kenne sie und Sie, vererhrte Migazin-Schreiberlinge kennen Sie auch!“
    Mit dem falschen Verhalten der türkischen Minderheit kann man nicht das falsche Verhalten der Deutschen rechtfertigen. Da müssen alle an sich arbeiten. Daher ist es auch völlig okay, wenn wir „Schreihälse“ das falsche Verhalten der Deutschen niederschreiben.

    Zuallerletzt kann man noch sagen, dass man den „Schreihälsen“ mit etwas mehr Respekt entgegenkommt, sodass man auch Respekt in der Diskussion erwarten kann.

    MfG

  7. Mehmet sagt:

    Note:
    „Mit dem falschen Verhalten von EINIGEN Türken kann man nicht das falsche Verhalten von EINIGEN Deutschen rechtfertigen. Da müssen alle an sich arbeiten. Daher ist es auch völlig okay, wenn wir “Schreihälse” das falsche Verhalten der Deutschen niederschreiben.“

  8. Markus Hill sagt:

    Sehr differenziert ausgedrückt, wahrscheinlich kann man das nicht gegeneinander aufrechnen. Ich weiss auch nicht, ob es sinnvoll ist, alle Leute mit besonderen Anliegen (sei es Türken-Lobby-Arbeit oder das vetreten von „moderaten“ Interessen:-) als „Schreihälse“ zu disqualifizieren. Es ist immer noch eine Unterschied ob ein gut integrierter Migrant eigene Interessen verfolgt und formuliert oder ein „Problem-Migrant“ (bzw. stellvertretend ein Verband) irgendwelche Lücken/Auswege sucht, um den Pflichten gegebenüber der Gesellschaft (Kinder richtig erziehen, Ausbildung etc.) ausweichen zu können bzw. um ständig Eigenverantwortung leugnen zu können (Beispiel: Berlin–Sarrazin-Thematik). Das Ausmass und die Motivation bei beiden ist völlig unterschiedlich, die beiden in einen Topf zu werfen ist unpassend. Zumal das Formulieren von „moderaten“ Interessen oft schon voraussetzt, das der Nicht-Schreihals:-) sich auch mit den Interessen der Mehrheitsgesellschaft auseinandergesetzt hat, der andere Schreihals aber kategorisch versucht, Rechte einzufordern. Fairerweise muss man sagen, dass es natürlich doch bei beiden Kategorien manchmal Schnittmengen geben kann. Da besteht dann halt Diskussionsbedarf.
    Die Diskussion trifft aber vielleicht nicht den Kern des Artikels oben. Der Artikel ist von einem engagierten Polen (Migrant?, aber deutsche Frau) geschrieben worden. Das sind die Form von Einwanderern, die die Deutschem im Allgemeinen sehr gerne in diesem Lande sehen. Man würde ihm und seinem Ansinnen meiner Ansicht nach Unrecht tun, wenn man ihn in diesem Migrantendiskurs mit dem in Deutschland zu traurigem Ruhm gelangten „Negativ-Türken-Migrations-Erfahrungseffekt“ in einen Topf werfen würde. Ganz neutral gesehen sagt er doch eigentlich doch nur, dass jede Nation oder Kultur, mit einer gewissen Offenheit, voneinander lernen kann. Zudem führt er völlig sachlich an, dass dieser Lern- und Anpassungseffekt natürlich bei Mehrheit- und Minderheit in unterschiedlichen Ausmass stattfindet. Gegenseitige Achtung und Respekt von Mensch zu Mensch. NATÜRLICH kann diese Haltung von bestimmten türkischen „Mirgrations-Querulanten“ bzw. von türkischen Verbänden instrumentalisiert werden um weiter auf Abgrenzung- oder Abschottungskurs zu gehen. NATÜRLICH lädt es vielleicht den ein oder andere türkische Problem-Migranten dazu ein zu sagen: „Wir sind ja alle so gleich, ich bin ja allein aufgrund meines türkischen Migrantenstatus so eine Bereicherung für die deutsche Gesellschaft – da sollen die doch einmal von mir lernen!“. (Spätestens seit der Sarrazin-Debatte ist es ohnehin eher wahrscheinlich, dass diese Leute heutzutage in Deutschland wohl eher „kleine Brötchen backen“. Mittlerweile besteht wohl Konsens in der Mehrheitsgesellschaft bzw. in der öffentlichen Diskussion, das Integration in erster Linie natürlich eine Bringschuld ist).
    Mein Verdacht: Den Missbrauch kann der Autor nicht verhindern. Mein Eindruck vom Text war aber eher das Gefühl, dass er zum Ausdruck bringen wollte, dass wir Westeuropäer auch die Osteuropäer mit Ihren Stärken wahrnehmen sollen. Er spricht von Migranten allgemein – meine Vermutung: Er hat auch die Auffassung, dass viele Deutsche auch von gut integrierten türkischen Migranten lernen können!:-)
    PS: Allein das „Setting“ des Artikels, dass hier ein Pole einmal schreibt und nicht wieder ein türkischer Migrant in eigener Sache, kann ja schon das Wohlwollen beim Auseinandersetzen mit den Inhalten erhöhen (emotional gesehen, sachlich muss das nicht gerechtfertigt sein).

  9. Kosmopolit sagt:

    @ Hassan Kal, ihren Beitrag finde ich bemerkenswert und der ist eigentlich nicht zu toppen!

    Aber trotzdem möchte ich als älterer Zeitgenosse, meinen Senf dazu geben.
    Der Autor dieses Beitrags kommt aus Polen. Er weiß bestimmt, dass vor ca. 90 Jahren (?) viele Polen in das Ruhrgebiet übersiedelt wurden, aus Gründen wie auch immer. Nun, die Zeiten von damals sind mit heute nicht vergleichbar.
    Als Fazit kann aber gezogen werden, dass sich diese Menschen nach einigen Generationen assimiliert hatten (freiwillig!). Nur der Name zeigt noch, woher sie kamen. Wer von Fußball etwas Ahnung hat, kennt die Namen der deutschen Nationalspieler aus den 50er Jahren mit polnischen Wurzel. Die allgemeine Anpassungsfähigkeit dieser polnischen Menschen lag auch in den europäischen Wurzel und Wertesystem und mit einer langen gemeinsamen Geschichte. Das gleiche kann man auch heute von den Zugewanderten sagen, die aus anderen europäischen Ländern zu uns gekommen sind.

    Ich erlaube mir auch folgende Erfahrungen sagen zu dürfen, da ich in meinem aktiven Arbeitsleben 40 Jahre in einem deutschen Konzerns tätig war, der international operierend, mit über 80000 Mitarbeiter (weltweit).
    1 In diesem Konzern, und nicht nur in diesem, wird die Zusammenarbeit quer durch alle Nationalitäten und Religionen durch die Konzern Strategie bestimmt und der einzelne Mitarbeiter für den Konzern typischen Arbeitsrichtlinien geformt. Nach meiner Erfahrung hat die Zusammenarbeit auch relativ gut funktioniert, da die Firmenbibel und die Ziele des Konzerns jedem bekannt war, auch mehrsprachig.
    2 Auch die Muslime, halten sich, ohne wenn und aber, an diese Procedure. Die Zeiten, wo man mit dem Gebetsteppich mal schnell beten ging, sind vorbei. Das besorgen schon die Kollegen und die Globalisierungsprozesse. Hier wird von den Muslimen sorgfältig unterschieden und im Zweifelsfall auch die Konsequenzen geprüft. Ein Job ist immer noch besser als Sozialhilfe, da hat sich auch bei diesem Klientel schon herum gesprochen.
    3 Wenn Bürger dieser Religionsgemeinschaft dann die Öffentlichkeit betreten, war und ist auch heute keine Institution da, die diesen Mitbürgern sagt, wo es lang geht, welche Richtlinien zu beachten sind und auf deren Einhaltung pocht.

    Nein, man hat sie sich selbst überlassen, da man meinte, andere Mitbürger anderer Nationen haben sich auch leidlich integriert, also können das die Muslime auch. Diese Fehleinschätzung begründet sich hauptsächlich aus der uns fremden Kultur, mit fremden Traditionen, Bräuchen und einer Religion, die unterschätzt wurde.
    Leben hier in Deutschland und Europa mittlerweile nicht Millionen Mitbürger aus europäischen und asiatischen Ländern, die mit unseren Grundwerten und Wertesystem bestens auskommen und nebenbei auch Tradition und Religion praktizieren, ohne gleich Sonderrechte einzufordern ?
    Es kann nicht sein, das sich viele Millionen Menschen anderer Völker und Glaubensüberzeugungen einigermaßen integriert haben, und nur die Muslime fordern Sonderrechte, die unangemessen sind. Moscheebau mit integrierten Shoppingcenter und Koranschulen sind hier kontraproduktiv und fördern die Parallelgesellschaft. Solche Dinge ( auf Arbeitsprozesse übertragen ) würden einen Konzern in den Untergang treiben.
    Aber offensichtlich ist die Anziehungs-Kraft unseres Sozial-Systens für viele Migranten dieses Klientels sehr viel höher als die Anziehungs-Kraft unseres Rechts-Staates und unseres Gesellschafts-Systems“.

    In diesem Zusammenhang muss hier zu dem Wort Muslim einiges erklärt werden:
    Auf der ganzen Welt werden Menschen geboren. Im islamischen Kulturkreis werden Muslime geboren, die sich aus dieser Umklammerung kaum entziehen können. Konsequenzen sind überall nachlesbar. Deshalb muss man auch unterscheiden zwischen Muslime von Geburt an und Muslime die gläubig sind. Jeder kann dann entscheiden, wo es sich wieder findet.

    @Mehmed, extra für Sie: http://www.zeit.de/2003/04/Schuld_im_Islam

    1. Im Orient wird die eigene Schuld und Unzulänglichkeit verdrängt und anderen zugeschoben. Selbstkritik ist selten zu finden. Die Korrekturfähigkeit ist daher begrenzt.
    2. Im Orient wird die Opferrolle bevorzugt. Zur Begründung dieses Verhaltensmusters werden Verschwörungstheorien geschmiedet.
    3. Der Islam kennt keine Erbsünde und daher keine historisch tradierte Kollektivschuld.
    4. Der Islam begünstigt nicht die Gestaltung des freien Willens und der eigenen Verantwortung. Im islamischen Menschenbild steht der freie Wille neben der allumfassenden Vorherbestimmung Allahs, ohne dass die islamischen Theologen bisher beide Grundsätze miteinander in Einklang bringen konnten.
    5. Im Okzident neigt man zum Schuldbekenntnis, ob zu Recht oder zu Unrecht. Daher wird häufig die Täterrolle übernommen.
    6. Die Schuldkultur im Okzident begünstigt die Selbstkritik, aber auch die eigene Korrekturfähigkeit.

  10. NDM sagt:

    Hassan Kal, ich sehe nicht, in wiefern ihr Kommentar dem Plädoyer widerspricht. Es geht darin doch auch um Anpassung von Zuwanderern. Diese Anpassung geschieht ja, und es ist aber nun einmal so, dass Anpassung wechselseitig geschieht. Man muss, und das gilt für alle, ob Zuwanderer oder nicht, einen Menschen erst einmal so nehmen, wie sie sind, um einen solchen Anpassungsprozess überhaupt zu ermöglichen. Geschieht dies nicht, entstehen Parallelwelten, die sich voneinander getrennt weiterentwickeln. Diesen Schuh können sich natürlich so einige der „Stolzen Türken“ oder selbsternannten „Wahren Moslems“ ebenso anziehen, wie ihn sich „Stolze Deutsche“ anziehen können.

    Sie haben vielleicht die ultimative Form der Anpassung für sich gewählt, die Assimilation bzw. Unterordnung. Das dürfen Sie, wenn ihnen dies zusagt, wenn Sie sich so besser fühlen. Das finde ich auch nicht schlecht, und sie dürfen auch dafür werben, wenn Sie möchten. Da macht Ihnen wohl niemand einen strengen Vorwurf, außer streng religiösen Menschen vielleicht. Aber diese Menschen haben ein Problem. Nicht Sie, und auch nicht ich.

    „das ist die Aufforderung zur Aufgabe der eigenen Kultur der deutschen Aufnahmegesellschaft zugunsten einer integrationsunwilligen Minderheit“

    Nein, ist es nicht, sondern zunächst einmal ein Angebot für einen Perspektivwechsel, wenn auch provokativ formuliert. Es geht nicht darum, dass sich Zuwanderer nicht weiterentwickeln sollen, sondern darum, dass sich *alle* im Umgang miteinander entwickeln, es gibt aber nicht nur die Integrationsunwilligen Zuwanderer, die jede Form der Weiterentwicklung ablehnen, sondern eben auch integrationsunwillige Deutsche, die in erster Linie trennendes betonen, und verbindendes überhaupt nicht wahrnehmen wollen. Wenn ich beim Umgang mit Türkischstämmigen Bekannten (automatisch) ein paar Brocken türkisch lerne, dann gebe ich nichts auf oder ersetze irgendetwas durch irgendetwas anderes, sondern gewinne dazu. Und wenn ein türkischer Karnevalsverein gegründet wird(es gibt auch griechische Vereine), ist das eine kulturelle Symbiose, und keine Penetration.

    Wenn ich meine Nachbarn zum Zuckerfest beglückwünsche, ist das kein Aufgeben christlicher Traditionen, sondern nichts als gute Nachbarschaft. Wenn meine türkischen Nachbarn zu Heiligabend ein frohes Fest wünschen, ist es nichts anderes. Die hängen sich zur Weihnachtszeit sogar Sterne ins Fenster. Niemand gibt damit etwas auf, sondern alle nehmen und geben *zusätzlich* etwas, und zwar gerne, weil das Bestreben, an der Gesellschaftlichen Entwicklung teilzunehmen und miteinander zurechtzukommen stärker ist, als das konservative Festklammern an altem. Wenn ich einen Döner esse, erteile ich damit den Rindsroulladen noch lange keine Totalabsage, um es mal einfach darzustellen.

    Natürlich heißt gegenseitige Anpassung nicht, dass familiäre Gewalt legalisiert wird, oder dass die Bundeswehr nun ein „Harakiri-Bataillon“ bekommt. Das dürfte selbstverständlich sein. Es gibt Dinge, die in Deutschland nie ankommen werden – dazu gehört eben alles ethisch verwerfliche.


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