MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.

Bundespräsident Christian Wulff, Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010

Heinz Buschkowsky

Migranteneltern verhindern Integration ihrer Kinder

Für dem Bürgermeister des Berliner Stadtteils Neukölln, Heinz Buschkowsky, verhindern Eltern mit Migrationshintergrund aus bildungsfernen Schichten durch tradierte Erziehungsmuster die Integration ihrer Kinder – Lösung sei die Kürzung des Kindergeldes bei Schulschwänzern. Mitverantwortlich für die Situation sei das Sozialsystem.

Neukölln als „problematischsten Bezirk Berlins“ möchte der Bürgermeister Heinz Buschkowsky nicht bezeichnen. Allerdings werde es zu Recht als „sozialer Brennpunkt“ bezeichnet weil „der Anteil der Migranten an der Bevölkerung“ dort bereits bei „55 Prozent“ liege und der überwiegende Teil davon „den bildungsfernen Schichten der Herkunftsländer“ entstamme.

„Die Familien kommen aus Kulturkreisen mit einem Werte- und Sozialisationsgerüst, das von unseren mitteleuropäischen Zivilisationsnormen weit entfernt ist. Der Überlebenskampf, spartanische Existenzgrundlagen, Familienriten, Geschlechterrollen, Gewalt als Herrschafts- und Kommunikationsform haben sie in ihren Herkunftsländern geprägt. Und hier versuchen sie nun, ihr bisheriges Leben hinter verschlossenen Türen zu konservieren. Sie sind nie wirklich angekommen und, was viel schlimmer ist, durch die tradierten Erziehungsmuster verhindern sie die Integration ihrer Kinder“, so Buschkoswsky.

Die Schule hingegen könne nur auf den Fundamenten des Elternhauses aufbauen und die Eltern müssten die Arbeit der Schule zumindest motivierend unterstützen. Dort, wo das Elternhaus der Schulbildung gleichgültig bis ablehnend gegenüberstehe, werde es auch für die Lehrer sehr schwer. Die Schulpflicht werde häufig nur als unverbindliche Empfehlung betrachtet. Der Bürgermeister weiter: „Ich sage da immer: Kommt das Kind nicht in die Schule, kommt das Kindergeld nicht auf das Konto. Die Leute müssen verstehen lernen, dass staatliche Leistungen auch mit der Erwartung einer Gegenleistung verbunden sind.“ Die Kürzung des Kindergeldes versteht Buschkowsky als „Motivationshilfe“. Man müsse „da ansetzen, wo es weh tut, am Geldbeutel.“

Mitverantwortlich zeichnet der Berliner Bürgermeister das Sozialsystem. Hartz IV sei als alleinige Lebensgrundlage adaptiert, denn es garantiere einen Lebensstandard weit über dem des Herkunftslandes. Buschkowsky weiter: „Und damit sind viele auch zufrieden.“ In Neukölln-Nord würden je nach Wohngebiet zwei Drittel bis drei Viertel aller Kinder Hartz IV beziehen. Es gebe Schulen, in denen 90 Prozent der Eltern von der Zuzahlung bei den Lernmitteln befreit seien. „Das heißt, in einer solchen Schule geht so gut wie kein Elternteil mehr arbeiten. Erwerbsleben spielt im Alltag zu Hause überhaupt keine Rolle, es ist weder Vorbild noch Motivation. Es findet in der Sozialisation der Kinder einfach nicht statt“, so Buschkowsky in einem Interview mit der Berliner Morgenpost.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

46 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. elimu sagt:

    Ach so ein Mist! Bei Kindern sind es die Eltern schuld. Und bei Erwachsenen????

    Mein Mann ist seit einem Jahr hier und hat Deutsch-; Integrations-Kurse besucht und erfolgreich abgeschlossen. Er ist Baumaschinenführer von Beruf und ist zur Zeit auf der Suche nach Arbeit. Erst gestern wurde mir wieder angeraten, dass er bei „Landsleuten“ anfangen soll zu arbeiten, da ja die Sprache ein Hindernis auf dem Bau wäre….Kein einziger Arbeitgeber würde sich ja die Mühe machen etwas langsamer zu reden!

    Ach ja toll! Und was ist denn jetzt mit den Integrationswilligen Ausländern, die nicht mitintegriert werden?
    Es wird einem klipp und klar gesagt, dass man sich einen Arbeitgeber aussuchen soll, der die eigene Srpache beherrscht!

    So und was passiert danach?? das frage ich euch… Mein Mann wird NIE richtig Deutsch lernen! Allein Integrationskurse reichen da nicht aus! Der Alltag muss da auch mal mitspielen! Er langweilt sich zu tode und will endlich anfangen zu arbeiten! Was für Arbeitsplätze haben wir denn eigentlich?

  2. municipal sagt:

    @ elimu

    „Ach so ein Mist! Bei Kindern sind es die Eltern schuld.“ Oft (zu oft) leider ja.

    „Und bei Erwachsenen????“ Oft (zu oft) leider deren Eltern,denn es geht um Menschen, die bereits in der 3. oder 4. Generation hier leben.

    Das Ihr Mann „Deutsch-; Integrations-Kurse besucht und erfolgreich abgeschlossen“ hat, ist der richtige Weg, auf der Suche nach Arbeit ist er zur Zeit wohl nicht der Einzige.

    WER rät Ihnen „bei “Landsleuten” anfangen soll zu arbeiten“? Freunde? Die AfA ? Wenn er zur Zeit auf Arbeitssuche ist, sollte er sich ÜBERALL bewerben (wie jeder andere hier lebende Arbeitslose auch), AUCh bei „Landsleuten“.

    Das „kein einziger Arbeitgeber sich ja die Mühe machen würde, etwas langsamer zu reden“ ist zunächst einmal eine Unterstellung, sicher aber bei dem derzeitigen Überangebot an Arbeitskräften möglich. Man nimmt DEN, der die besten Voraussetzungen mitbringt.

    „Mein Mann wird NIE richtig Deutsch lernen! Allein Integrationskurse reichen da nicht aus! Der Alltag muss da auch mal mitspielen!“

    Die Verbesserung der Deutschkenntnisse wird/soll das TÄGLICHE LEBEN in Deutschland mit sich bringen,wenn man sich nicht abschottet, und „unter die Leute geht“. Und wie wäre es, die Zeit bis zur Arbeitsaufnahme dafür zu verwenden, angebotene Fortbildungsmöglichkeiten (VHS) zu nutzen?

    Abwarten und „sich langweilen“ ist nicht zielführend in der deutschen Leistungsgesellschaft mit ihrem immer schwieriger werdenden Arbeitsmarkt. Aber DAS ist eigentlich auf der ganzen Welt mittlerweile nicht anders.

    Aber (die Frage sei erlaubt) WAS haben diese (sicherlich für Ihre Familie wichtigen) Probleme mit den Aussagen von Herrn Buschkowski

    „Für dem Bürgermeister des Berliner Stadtteils Neukölln, Heinz Buschkowsky, verhindern Eltern mit Migrationshintergrund aus bildungsfernen Schichten durch tradierte Erziehungsmuster die Integration ihrer Kinder.“

    zu tun ???

  3. TU sagt:

    Auch ich bin Vater von zwei Kindern und ich habe ein Migrationshintergrund. Mein sohn wird nächstes Jahr anfangen sein Abitur zu absolvieren. Meine Tochter (drei Jahre Jünger) ist auf der Realschule (nicht Sonder-, oder Hauptschule). Das Problem das wir im Moment haben ist nicht, dass meine Kinder die Schule schwänzen sondern, dass sie tortz hohe berufliche Qualifikation ihres Vaters in ein Hartz4-Familie leben müssen. Das liegt aber eher daran, dass die Chefs aus Wirtschaft und Verwaltung (wenn es um Personaleinstellung geht) stark zwischen Patriotismus und Nationalismus pendeln ganz abgesehen von der Uneinsichtigkeit der Gesellschaft zu der Sie gehören wenn es um richtige Integration (Partizipation in allen Lebensbereichen ) geht. So sieht der Alltag eines Migranten aus der sich integriert hat und mich wundert es, dass die Kinder sich bei diesen Verhältnissen überhaupt motivieren können. All die Politiker und andere Gesellschaftsteile möchte ich hiermit auffordern öffentlich zu erläutern was dieser unter gelungener Integration verstehen. Wenn selbst Akademiker mit Migrationshintergrund die hierzulande geboren, zur Schule gegangen und ihre berufliche Qulifikation erworben haben Probleme bekommen in diesem Lande einen menschenwürdiges Leben zu führen, so habe ich den Verdacht, dass seitens der aufnahmeunwillige Gesellschaft nicht Integration sondern Assimilation (ein Menschenrechtsverletzung) gewünscht wird was aber von den nicht laut gesagt wird.

    MfG

  4. Markus Hill sagt:

    „Ich sage da immer: Kommt das Kind nicht in die Schule, kommt das Kindergeld nicht auf das Konto. Die Leute müssen verstehen lernen, dass staatliche Leistungen auch mit der Erwartung einer Gegenleistung verbunden sind.“ Die Kürzung des Kindergeldes versteht Buschkowsky als „Motivationshilfe“. Man müsse „da ansetzen, wo es weh tut, am Geldbeutel.”
    Sehr plaktiv, populistisch (wertfrei ausgedrückt). Der Herr hat Feldkompetenz, kennt die Lage vor Ort sehr genau. Er hat sich auch sehr kritisch über die Sarrazin-Äusserungen ausgelassen, d. h. die Denkrichtung scheint schon in Richtung „konstruktive Lösung statt Türken-/Araber-Bashing“.
    Man sollte solchen ungewöhnlichen Lösungsansätzen in der Sozialpoltik einmal eine „Testzeit“ oder so ähnlich geben. Wenn diese Möglichkeiten natürlich rechtlich durchführbar sind. Den Gedanken sollte man zum Wohl ALLER Kinder zusätzlich auch auf andere Problemgruppen (deutscher „Hartz-IV-Adel“ etc.) ausdehnen, damit da nicht wieder alles in einer ellenlangen „Rassismus-Betroffenheits-Geschwafel-Aktion“ verwässert wird und untergeht.
    Es geht um das Wohl und die Zukunft der Kinder als Grundgedanke – drastische Lagen rechtfertigen vielleicht auch manchmal drastische Massnahmen. Zudem ist sein Vorschlag zum Teil bestimmt auch provokativ gemeint – Element des Vorschlags (zweimal nicht auf Elternabend, z. B. 50 Euro für ein Kinderbildungskonto abziehen und dort einzahlen, Kind kann das Geld ab 18 zweckgebunden für Ausbildungszwecke einsetzen etc.).
    PS: Egal wie die Diskussion hier ausgeht – es ist sehr lobenswert, dass migazin.de zumindest auch einmal solche Themen in den Vordergrund gestellt. Trägt zur Ausgewogenheit bei.:-)

  5. noname sagt:

    „Wenn selbst Akademiker mit Migrationshintergrund die hierzulande geboren, zur Schule gegangen und ihre berufliche Qulifikation erworben haben Probleme bekommen in diesem Lande einen menschenwürdiges Leben zu führen, so habe ich den Verdacht, dass seitens der aufnahmeunwillige Gesellschaft nicht Integration sondern Assimilation (ein Menschenrechtsverletzung) gewünscht wird was aber von den nicht laut gesagt wird.“

    Selbst Akademiker OHNE Migrationshintergrund die hierzulande geboren, zur Schule gegangen und ihre berufliche Qulifikation erworben haben, haben Probleme in diesem Lande, ein menschenwürdiges Leben zu führen.Die goldenen Zeiten sind vorbei.

  6. Johanna sagt:

    Herr Buschowski hat völlig Recht.

    Er kennt die Probleme aus erster Hand.

    Genau wie von Frau Banci bei „Anne Will“ dargestellt.

  7. Johanna sagt:

    Der Artikel betrifft Ihren Mann gar nicht.

    Hier geht es um bildungsferne Schichten, die nicht wollen, dass ihre Kinder europäisch erzogen werden.

  8. municipal sagt:

    @TU

    „Wenn selbst Akademiker mit Migrationshintergrund die hierzulande geboren, zur Schule gegangen und ihre berufliche Qulifikation erworben haben Probleme bekommen in diesem Lande einen menschenwürdiges Leben zu führen…..“

    wer sagt Ihnen, das nicht die sog. Deutschstämmigen zur Zeit ähnliche Probleme haben, Arbeit zu finden?

    Und Assimilation ist nicht per se eine Menschenrechtsverletzung (z.B. wenn sie freiwillig erfolgt, über die Jahre, aus eigenem Antrieb, JA, Sowas gibt es !), sondern nur in den Augen eines Herrn Erdogan, der „seine Türken“ nicht in die andere Gesellschaft freigeben möchte, und dazu religiöse und nationalistische Töne benutzt.

  9. Boli sagt:

    @TU

    Das mit dem Verteilungskampf bezüglich Arbeit wird immer dann, wenn die wirtschaftliche Lage sich verschlechtert immer härter und unerbittlicher. Das heißt wenn dann sogar schon unter den Deutschen der Veteilungskampf im vollen Gange ist, kann es bei neuen oder ehemaligen Ausländern kaum besser aussehen. Natürlich mag es dann hier oder da Fälle geben wo ungerecht ausgesucht wird, nur das mit der Gerechtigkeit ist immer eine Definition der jeweiligen Person, was letztlich immer bedeutet, das Gerechtigkeit im Verständnis des Einen gleichzeitig Ungerechtigkeit im Verständnis eines Anderen bedeuten kann.
    Wie schon gesagt, die fetten Jahre sind definitiv vorbei.

  10. Non-EU-Alien sagt:

    Assimilation ist immer mit Identitätsverlust verbunden, welches eine neue Identitätsaufnahme voraussetzt. Sie ist keine Verletzung von Menschenrechten, wenn sie freiwillig erfolgt. Dies geschieht aber meistens über mehrere Generationen hinweg. Und davon bin ich auch kein Feind, ganz im Gegenteil, aber man muss den Leuten diese Zeit auch lassen! Manchmal geht es schneller, manchmal dauert es auch länger. Es kommt vielleicht auch auf die aufnehmende Gesellschaft an (das werden die deutschstämmigen vielleicht nicht mögen, aber es ist so), wenn man sich anguckt wie schnell sich Leute in Canada und den USA integrieren und in zweiter Generation schon assimiliert sind und dies mit Deutschland (und anderen europäischen Ländern) vergleicht), wo dieser Prozess um einige Generationen länger dauert. Warum?

    In Deutschland habe ich das Gefühl, dass in letzter Zeit oft Integration gefordert wird, aber eigentlich Assimilation gemeint ist. Und das ist nicht in Ordnung und auf keinen Fall dasselbe. Allein die Entscheidung bei Ausländern aus Drittstaaten „entweder – oder“ ist eine aufgezwungene Asimilation, die bestimmt nicht zur Integration führt (wenn dies mal für alle Ausländer gelten würde und irgendwelche „herkunftsbedingten Selektionskriterien“ –> dieser Ausdruck macht mir schon fast Angst!). Des weiteren, Einbürgerung als die Krönung gelungener Integration zu sehen ist in meinen Augen nur ein unreales rhetorisches Wortspiel, welches von Politikern kommt, die die Realität auf der Straße nicht kennen, sondern sich in bayrischen Stammkneipen mit solchen Parolen feiern lassen. Prost!


Seite 1/512345»

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...