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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Türkische Presse Europa

06.10.2009 – Islamunterricht, Marwa El-Sherbini, Integration

Die Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten unter anderem über die Vorbereitungen des islamischen Religionsunterrichts in Hessen und den Mordprozess an der Muslimin Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht. Weitere Themen sind: Interview mit der Staatsministerin Maria Böhmer, Kürzung der Sendezeiten von Köln Radyosu, Diskriminierungen und die Bürgermeisterwahl in Duisburg.

Islamischer Religionsunterricht in Hessen
Hessens Vize-Ministerpräsident und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) sagte bei einem Treffen mit türkischen Journalisten, dass die Vorbereitungen für den islamischen Religionsunterricht begonnen haben. Der islamische Religionsunterricht sei ein Grundrecht muslimischer Kinder und ihrer Eltern. Es fehle allerdings an Ansprechpartnern; es komme hier die DITIB, VIKZ und die Ahmediyya-Gemeinde in Frage. Die DITIB bemühe sich derzeit um strukturelle Änderungen. Das nehme die Landesregierung wohlwollend auf. (ZAMAN)

„Diskriminierung gegen Muslime ist in der Gesellschaft weit verbreitet“
Auf einer Veranstaltung der Muslimischen Hochschulgruppe Mannheim sagte Stadtrat Ulrich Schäfer (SPD), dass die Reaktionen gegenüber Muslimen in der Gesellschaft nicht religiös sondern politisch bedingt seien. Diskriminierung und Nichtwissen sei in der Gesellschaft weit verbreitet, ist in der ZAMAN zu lesen. Mit dem Bau der ersten repräsentativen Moschee in Mannheim, sei eine verstärkte “Türkenangst” zu beobachten. Schäfer wandte sich auch gegen den Vorwurf, dass Christen mehr Toleranz zeigten als Muslime. “Fragen sie die Juden. Sie werden ihnen sagen, dass Muslime toleranter sind als Christen”, so Schäfer.

Mörder von Marwa El-Sherbini fühlt sich ungerecht behandelt
Im Prozess um den Mord an der Muslimin Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht hat der Angeklagte Alex W. seine Tat gestanden. Er fühlte sich vom Staat und der Justiz ungerecht behandelt, berichtet die MILLIYET. Er habe befürchtet, wegen des Beleidigungsdelikts ins Gefängnis zu müssen und habe in einem Zustand von Angst und Panik gehandelt. Er bedauere, dass er sich sein „Leben versaut“ habe und nicht erschossen worden sei. Auch die TÜRKIYE berichtet kurz über den Stand der Verhandlungen.

Böhmer: „Wir wollen Integration verbindlicher gestalten“
In einem Interview mit “Regierung Online” sagte die Staatsministerin Maria Böhmer, dass sie die Integration verbindlicher gestalten wollen. Der Nationale Integrationsplan mit den 400 Selbstverpflichtungen habe sich bewährt. “Jetzt gilt es, ihn zu einem Aktionsplan mit klar definierten und zu überprüfenden Zielen weiterzuentwickeln. Dadurch erreichen wir eine größere Verbindlichkeit.” Als weiteres Beispiel nannte die Ministerin das Instrument der Integrationsverträge. “Damit können wir künftig Fortschritte bei der Integration kontinuierlich überprüfen. Beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen. Für die Zuwanderer ist klar, welche Unterstützung sie erfahren und was von ihnen erwartet wird. Und für die Einheimischen wird deutlich, was sie selbst zum Gelingen von Integration beitragen können und was die Bemühungen der Migranten sein sollten”, so Böhmer. Als entscheidende Voraussetzung für eine gelingende Integration nannte die Ministerin die Beherrschung der deutschen Sprache. (TÜRKIYE)

Türkischstämmiger Bürgermeister in Duisburg
In Duisburg ist zum ehrenamtlichen Stellvertreter von Oberbürgermeister Adolf Sauerland der türkischstämmige Erkan Kocalar (Linke) gewählt worden, berichtet die ZAMAN. Seine Gegenkandidatin war unter anderem ebenfalls die türkischstämmige Betül Cerrah von der FDP-Fraktion. Kocalar setzte sich mit 38 zu 35 Stimmen durch. Er wurde dabei von der SPD unterstützt.

„Die Kürzung der Sendezeiten von Köln Radyosu ist eine Anmaßung“
Die Verkürzung der Sendezeiten der türkischsprachigen Hörfunksendung des Westdeutschen Rundfunks (WDR) “Köln Radyosu” stößt auf Kritik. Yüksel Pazarkaya, ehemals Redaktionsleiter der Sendung, bezeichnete die Kürzungen als Anmaßung. Die türkische Gesellschaft wurde ihrer Rechte beraubt, so Pazarkaya. (HÜRRIYET)

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