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Migration und Integration in Deutschland

Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Rechtsextremismus

46 Todesopfer in 19 Jahren

In Deutschland sind in den Jahren 1990 bis einschließlich 2008 bei 40 politisch rechts motivierten Gewalttaten insgesamt 46 Menschen ums Leben gekommen – 2,42 Todesopfer pro Jahr.

Danach konnten zu diesen Gewalttaten bislang insgesamt 149 Täter beziehungsweise Tatverdächtige ermittelt werden. Bei den 40 politisch rechts motivierten Gewalttaten wurden nach Angaben der Justizbehörden 51 Täter verurteilt. Dies berichtet die Bundesregierung unter Berufung auf die im Rahmen kriminalpolizeilicher Meldedienste erfassten Daten in ihrer Antwort (16/14122) auf eine Große Anfrage der Linksfraktion.

Zudem kam es im selben Zeitraum im Bereich der politisch rechts motivierten Kriminalität laut Vorlage zu 141 versuchten Tötungsdelikten, bei denen insgesamt 112 Opfer körperlich verletzt wurden und zu denen bislang 399 Täter oder Tatverdächtige ermittelt werden konnten. Zu solchen Delikten machten die Justizbehörden der Antwort zufolge Angaben zum Strafmaß von insgesamt 134 Tätern, die ebenfalls häufig zu Haftstrafen verurteilt wurden.

Außerdem wurden im vergangenen Jahr laut Bundesregierung ausweislich einer aktuellen Abstimmung mit den Ländern insgesamt 20.422 politisch rechts motivierte Straftaten registriert, von denen 8.134 aufgeklärt wurden. 2.338 dieser aufgeklärten Taten entfielen auf die insgesamt 4.506 politisch rechts motivierten Delikte, die dem Themenfeld Hasskriminalität zugeordnet wurden.

Im folgenden eine Auflistung aller rechtsextremistischer Gewalttaten mit Todesfolge und den verhängten Strafen in chronologischer Reihenfolge.

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16 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Redbull sagt:

    Um einen Gesamtüberblick zu erhalten wäre es durchaus interessant die Gewaltstatistik von Linksextremisten und vor Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu veröffentlichen……

  2. Osman sagt:

    warum!
    im beitrag geht es um morde und verbrechen von rechtsradikalen!

  3. Non-EU-Alien sagt:

    Ich stimme Ihnen zu, dass das ein klein bisschen einseitiger Bericht ist. Mich würde auch interessieren wie die Statistik bei den Linksextremen aussieht.

    Ich kann allerdings nicht nachvollziehen, wie eine Gewaltstatistik von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in diese beiden Extreme „reinpassen“ würden: „rechtsextrem vs. linksextrem“. Es sei denn die Gewalt von diesen Jugendlichen würde sich gegen Links- bzw. Rechtsextreme richten… In dem Artikel geht es doch um politisch motivierte Gewalttaten. Ich weiß ehrlich nicht, was eine Gewaltstatistik von Jugendlichen mit Migrationshintergrund da helfen würde!!! Wahrscheinlich wäre so eine Statistik erschreckend hoch, aber die Gewalttaten müssen politisch motiviert sein um VERGLEICHBAR zu sein.

  4. Boli sagt:

    Ich schliesse mich dem an die Dinge komplett aufzuzeigen um kein einseitiges Bild darzustellen.

  5. Boli sagt:

    @Non EU Alien

    Das Interessante an der Migrantengewalt ist ja gerade das es sich vom rechten bis linken und sogar noch religiösem Spektrum alles vorfinden kann im Gegensatz z.B. von rechter Gewalt. Die Migrantengewalt befindet sich somit meines erachtens also zentral mit starken Berührungspunkten zu den drei genannten Gewaltarten. Und deswegen ist es also eigentlich nicht akzeptabel diese auszublenden.

  6. Non-EU-Alien sagt:

    Ich gebe Ihnen Recht, dass das Ausblenden von Migrantengewalt nicht akzeptabel ist, besonders vor dem Hintergrund nicht, dass es sich wahrscheinlich um eine viel größere Anzahl handelt.

    Aber forschungsmethodisch wäre dieses Vorgehen nicht korrekt, denn es würde die Motivation der Gewalt ein wenig außer Acht lassen und zu einem falschen und gefährlichen Bild führen.

    Sie erwähnten ja „religiöses Spektrum“ beispielsweise… Die rechten oder linken Gewalttaten sind bestimmt in D nicht religiös motiviert. Sie können ein Ehrenmord demnach nicht mit einem Anschlag auf ein Asylantenheim nicht vergleichen, genauso wenig wie Äpfel mit Birnen…

  7. Boli sagt:

    @Osman

    Gut wenn dem so ist sollte Migazin vielleicht darüber nachdenken entsprechende Artikel grundsätzlich nach Gleichstellungskriterien zu schreiben und eben nicht zu differenzieren. Denn es wird hier doch wohl kaum jemand abstreiten können das es egal ist von wem und aus welchem Grund Gewalt gegen andere ausgeführt wird.
    Wenn Du so argumentierst Osman verhältst Du Dich letztendlich genauso rassistisch wie jeder andere Mensch der auch so eingestellt ist und keinen Deut besser.
    Außerdem soll der Ruf nach einer Gesamtstatistik nicht dazu dienen von Gewalt durch Deutsche abzulenken, sondern vielmehr aufzeigen wohin die Entwicklung geht und wie sich gegebenermaßen die verschiedenen Gruppen in ihrem Hang und der Ausführung von Gewalt gegenseitig beeinflussen, da es auch wiederum hier wohl niemand abstreiten kann, das jeweils diese oder jene Gruppe aufgrund verstärkter Gewalt ebenfalls darauf verstärkt zurückgreifen wird. Eine Gesamtdarstellung könnte also auch alle Faktoren beleuchten und die Zusammenhänge eindeutiger aufzeigen was bei Betrachtung einer Gruppe nicht möglich ist.
    Ich kann auch hier das erste Mal sagen das ich den Redakteuren des Migazin bezogen auf die ehrliche Aufzeigung des religiös motivierten Vertreibungsfalles in Bochum meinen Respekt zolle da Selbstspiegelung und das Verständnis für die „andere Seite“ eine ehrliche Debatte überhaupt erst möglich machen. Und außerdem könnte so eine Seite wie PI ihre Berechtigung letztlich im Grundsatz verlieren da eben NICHT MEHR einseitig betrachtet wird.

  8. Markus Hill sagt:

    Rechtsextreme Gewalttaten nur alleine anzuführen kann natürlich sehr einseitig aussehen. Andereseits: Jeder kann halt seinen eigenen Fokus wählen. Optimal wäre es, wenn man beide gemeinsam betrachtet und kritisch beobachtet bzw. bekämpft. Das Problem bei Migrantengewalt ist wohl auch, dass man zum Beispiel schwer herausfiltern kann, wer beim Finalen Todesschlag oder -tritt noch gerufen hat: „Ich mache Dich fertig, Du Scheissdeutscher! (als ein extremes Beispiel, wahrscheinlich mehr als 1x im Jahr vorgekommen). Dann könnte man natürlich statt einem fremdenfeindlichen einen deutschfeindlichen („Rassismus“) Hintergrund – in der Sache dieselbe Angelegenheit (Tod aufgrund Zuhörigkeit zu einer bestimmten Nationalität etc.) – konstruieren. Unbekannt ist auch, wie man rechtsextreme Straftaten von nichtdeutschen Rechtsextremen („Graue Wölfe“ und Co. – Vermutung: ,önnte auch einmal ein Kurde aus nationalistischen Gründen getötet worden sein) analysiert und vergleichbar macht. Vielleicht wäre beide Felder noch von Statistikern zu beackern. Derzeit SAUBER sind wohl bis zu einem gewissen Grad nur die Zahlen für Links- und Rechtsextreme Straftaten. Sozialisten und NationalSOZIALISTEN unterscheiden sich da in der Gewaltbereitschaft und Intoleranz nicht sehr stark (siehe auch damalige Totenanzahl bei RAF und Co., jetzt fängt man halt mit Autos anzünden an, irgendwann fällt wohl auch die Hemmung, die „Schweine“/Menschen – vermeintliche Vertreter des Systems – anzuzünden).
    Dem Opfer ist es in der Regel wohl egal ob es aus Rassen-, Klassen- oder potentiellen Deutschenhass totgetreten wird.:-)

  9. Markus Hill sagt:

    Das sehe ich ähnlich. Wenn auf Internetseiten wie diesen verstärkt AUSGEWOGENER und sachlicher auf Themeninhalte eingegangen wird (halt nicht vorrangig die reine „Lobby-Brille“:-), desto eher entzieht man diversen „Hetzseiten“ (mit dem Begriff sollte man wie bei „Rassimus“ vorsichtig sein, mittlerweile sind das fast nur noch „Gummibegriffe“ die zur Instrumentalisierung bei Diskussionen herangezogen werden) den Boden.
    Gerade wenn man sich von dem Label „Türkenseite“ freimacht, erreicht man eine höhere Akzeptanz. Erste, positive Anzeichen in die Richtung erkennt man langsam auch bei den Artikeln.
    Es ist auch nicht verurteilenswert, wenn die eigene Meinung (dann aber als Meinung und nicht scheinbar als Faktum dargestellt) kenntlich ist. Wenn der Türkenfokus langsam einmal einem Migrantenfokus mit Gesamtgesellschaftsbezug – der auch die deutschen Mitbürger übrigens miteinbeziehen sollte – weichen würde, könnte man sich bestimmt neue, gute Leserkreise erschliessen. Wie ich es verstanden hatte, soll die Seite als Ausrichtung ja nicht haben, dass ständig ein Migrant dem anderen Migrant klagt, wie böse und ungerecht die deutsche Gesellschaft ist und man es doch so schwer hat – da braucht man keine erfolgreichen Migranten und auch keine deutschen Leser mehr, man sollte einen geschlossen Blogg („www.tuerkei-klagemauer.de“ o. ä.) einrichten.
    Allemal (wobei ich nicht wirklich weiss, ob das die Benchmark sein sollte): So stark einseitig und tendenziös wie PI ist migazin.de noch lange nicht. Da erscheint es im Vergleich schon fast „ausgewogen“:-):-)

  10. NDM sagt:

    Die Frage selbst ist gut. Bei Linksextremen selbst liegt selbst die offizielle die Statistik weit drunter, und beim Ausländerextremismus(inklusive Islamismus) ist vergleichsweise nicht erwähnenswert.

    Ich habe mir selbst nur den Bericht von 2008 angesehen – aber er spricht Bände:
    http://kruppzeuch.wordpress.com/2009/09/02/aber-linke-und-auslnder-sind-viel-schlimmer/


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