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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Integrationspolitik

Von Ehrlichkeit keine Spur

Die Koalitionsverhandlungen der CDU/CSU und FDP über die künftige Integrationspolitik sind abgeschlossen. Die Optionsregelung im Staatsangehörigkeitsrecht, weitere Fördermittel für Integrationskurse, die Regelung der Zuwanderung oder die Anerkennung ausländischer Qualifikationen sind nur einige der Themen.

VONEkrem Şenol

DATUM26. Oktober 2009

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Die Folgen
Die Wahrnehmung der Mehrheitsgesellschaft ist aber nur eine traurige Seite der Medaille. Migranten sind in einem ganz besonderen Maße betroffen. Sie werden nicht nur in eine unangenehme Ecke gerückt, in die sie in den allermeisten Fällen nicht gehören, ihnen werden auch Steine in den Weg gelegt in Form von gesellschaftliche Hürden, die das soziale Zusammenleben und somit auch den Integrationsprozess erschweren.

Die Tatsache, dass Politiker mit Scheinargumenten und Unwahrheiten ein Gesetz durchgeboxt haben, um die unkontrollierte Zuwanderungen einzudämmen – das war der eigentliche Hintergrund des Zwangsehenverhinderungsparagraphen, hat zu deutlichem Vertrauensverlust geführt. Insbesondere türkische Migrantinnen wurden für eine zuwanderungspolitische Maßnahme missbraucht. Obwohl die Bundesregierung eigenen Angaben zufolge noch heute – über zweieinhalb Jahre nach der Gesetzesverabschiedung – nicht einmal in der Lage ist abzuschätzen, wie viele Zwangsverheiratungen tatsächlich vorgenommen werden.

Möchte man eine ehrliche Hinwendung von Migranten zu Deutschland und Loyalität erreichen, muss man ihnen gegenüber ehrlich und aufrichtig sein. Gründe, die gegen eine unkontrollierte Zuwanderung sprechen, sind in nicht selten plausibel und nachvollziehbar. Alle in Deutschland lebenden Menschen – ob mit oder ohne Migrationshintergrund – haben ein großes Interesse daran, dass Deutschland richtige Entscheidungen trifft und Maßnahmen einleitet, die zum Wohle aller sind. Sind die Argumente für Spracherfordernisse vor dem Ehegattennachzug überzeugend, sind sie die Letzten, die dagegen protestieren. Erforderlich ist aber, dass man mit ihnen und nicht gegen sie redet, sie mit in die Debatte einbindet, anstatt sie auszugrenzen.

Das in diesem Zusammenhang aufgezeigte Beispiel ließe sich ohne Weiteres auch auf die Einbürgerungs- oder weitere Kerndebatten der Integrationspolitik ausdehnen. Das gleiche Muster ist oft zu finden. Viele Regierungspolitiker haben die vergangenen vier Jahre mit vorgeschobenen und öffentlichkeitswirksamen Scheinargumenten verbracht und im gleichen Atemzug Integrationswille von Migranten gefordert. Die Folgen derartiger Scheindebatten und die Absurdität dieser Forderung – angesichts des oben dargelegten Bildes – möchte ich anhand einer persönlichen Anekdote veranschaulichen.

Pfingsten in Griechenland
Die Pfingstferien 2009 haben meine Frau und ich unweit von der türkischen Grenze, in einem kleinen idyllischen Dorf in Griechenland verbracht. Wir waren Gäste auf einer griechisch-deutschen Hochzeit von Freunden aus Deutschland. Während der langen Trauungszeremonie in der griechisch orthodoxen Kirche nahm ich mir eine kurze Auszeit und ging vor die Tür. Meine bessere Hälfte wollte keine Sekunde verpassen und beobachtete mit funkelnden Augen gerührt ihre Freundin, wie sie im Brautkleid vor dem Altar stand.

Draußen hatten sich unter blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein ein Paar weitere Gäste aus Deutschland zu einem Smalltalk zusammengefunden. Darunter eine nette, ältere Dame aus Baden-Württemberg. Ich schloss mich ihnen an und wir unterhielten uns über Gott und die Welt, bis jemand aus heiterem Himmel bemerkte: „Sie sind aber kein Deutscher!?“ Als ich sagte, dass ich ursprünglich aus der Türkei komme, schaute mich die nette Dame mit einer Miene an, die eine Mischung aus Mitleid und Entsetzen zum Ausdruck brachte. Sie wandte sich mir zu und fragte: „Sind Sie auch zwangsverheiratet?“

Diese Frage rief bei mir spontan folgende Gedanken hervor: „Gratuliere Frau Merkel, Herr Schäuble, Frau Böhmer & Co! Sie haben es geschafft einen Keil zwischen mich und die nette Dame zu treiben, den ich nun rausziehen muss. Unglaublich!“ Das geht – wenn überhaupt – nur noch mit viel, sehr viel Integrationswillen, den ich nicht wegen, sondern trotz der Integrationspolitik aufbringen muss.

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Ein Kommentar
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  1. herbert sagt:

    Grundsaetzlich sollte ein Deutschkurs in Deutschland stattfinden mit Abschluss. Die Behauptung mancher Politiker das alles im Ausland zu erlernen, zeigt eine grosse Ignoranz.

    Ich fordere hier ein Gegengewicht zum Deutschkurs fuer Auslaender ein.

    Man zeige mir den Bundestagsabgeordneten, der perfekt Englisch und Franzoesich spricht.
    Es ist peinlich wenn ein Aussenminister noch nicht einmal sich Englisch mit der Presse unterhalten kann. Das gleiche gilt fuer den Exkanzler Schroeder.
    Diese politischen Figuren sind Rechtsanwaelteund sind nicht in der Lage Englisch zu sprechen.
    Es ist erst die Spitze eines Eisberges, denn im Bundestag gibt es reichlich dieses sprachlichen Nieten.
    Das sind die Abgeordneten, die einem Auslaender vorschreiben wollen, einen A1 Kurs im Ausland zu belegen und sei es unter Bomben in Afganistan ohne Goethe Institut.
    Herr Wiefelspuetz von der SPD koennen sie sich perfekt in Englisch unterhalten/ Sie haben ja die Aussage getroffen, so wie man liest, das man nur 300 Woerter fuer den A1 Kurs braucht.
    Diese Ansicht geistert auch im Bundestag herum. Es zeigt man wieder klar, dass sich die Volksvertreter gar nicht mit dem Thema richtig befasst haben.
    Hier ist besonders die CDU CSU plus SPD gemeint.
    ALLE DIE DIESE ZEILEN HIER LESEN SOLLTEN DIE FORDERUNG AN DIE POLITIKER STELLEN DOCH EINMAL IHRE SPRACHKENNTNISSE OFFENZULEGEN !

    Ein Informatiker kann niemals Informatiker sein, wenn er kein Englisch schreiben und lesen, bzw. sprechen kann.
    Ein deutscher Aussenminister der in der Welt herumreist kann kein Englisch und ist doch Aussenminister !
    Im Klartext, er braucht immer Uebersetzer im Hintergrund. Das ist verdammt peinlich Herr Westerwelle !
    Es zeigt aber auch auf, welche Statisten im Bundestag sitzen mit einer voellig unzureichenden Bildung.

    Und diese Figuren wollen einem auslaendischen Buerger einen Deutschkurs im Ausland aufdruecken.
    Es schreit zum Himmel, wenn diese christliche CDU CSU nicht reagiert, wenn ein deutscher Soldat mit einer FRau aus Kasastan plus gemeinsamen Kind der auslaendischen Ehefrau keinen Einlass nach Deutschland gewaehrt, weil sie kein Deutsch spricht.
    Frau und Kind leben in Kasastan und der deutsche Soldat lebt hier. Diese Zwangstrennung ist barbarisch und erinnert mich an die dreissiger Jahre in Deutschland.
    Deutschland ein Staat mit Menschenrechte/ Nein !
    Ich fordere die Politiker auf, hier eine vernuenftige Loesung zu finden.
    Deutschkurs ja, aber hier in dem Land Germany, wo der Ehemann und Ehefrau lebt.



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