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Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Schalke Hymne

Der Prophet hätte gelächelt

Der Gelsenkirchener Traditionsklub Schalke 04 gerät wegen seines Vereinsliedes „Blau und Weiß wie lieb ich dich“ in die Kritik. In den letzten Tagen habe der Fußball-Bundesligist hunderte Protestbriefe und E-Mails erhalten, nachdem die türkischen Medien über das 1924 entstandene Lied nüchtern berichteten. Das Vereinslied enthalte in seiner ersten Fassung aus dem Jahr 1924 noch nicht die beanstandete Passage. Erst 1959 habe der Musiker Hans J. König eine neue Version gedichtet.

VONBekir Altas

DATUM5. August 2009

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In der dritten Strophe der Hymne, die auch heute vor jedem Heimspiel von den Fans begeistert gesungen wird, heißt es: „Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht. Doch aus all der schönen Farbenpracht hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht.“

Nachdem das Thema im Internet in diversen Foren hochgekocht wurde, seien bei der Geschäftsstelle in Gelsenkirchen nun wüste Beschimpfungen eingegangen, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Vereinsfunktionäre. In hunderten Mails werde die Streichung der angeblich islamfeindlichen Passagen aus dem Vereinslied gefordert. „Ihr verdammten Hurensöhne werdet euer beschissenes Lied sofort ändern! Was hat unser Prophet mit eurem ungläubigen Lied zu tun? Löscht diesen Teil oder ihr müsst die Konsequenzen tragen.“ So in etwa klingen die massiven Drohungen einer angeblich aufgebrachten Internet-Community. Fromme Menschen bringen ihren Unmut freilich anders zur Sprache!

Ja, es mag vielleicht sein, dass der eine oder andere diesen Vers geschmacklos findet. Und tatsächlich bleibt der Zusammenhang zwischen dem Propheten Mohammed und einem Fußballverein verschlossen. Auch weiß man nicht, wieso der Prophet die Farben Weiß und Blau ausgewählt haben soll. Doch die Reaktion um eine Zeile, die durchaus auch als Lobrede für den Propheten verstanden werden kann, macht sprachlos. Die in Brandbriefen gipfelnden Proteste überbieten sich in Taktlosigkeit und stellen die Muslime generell ins falsche Licht. Was machen wir falsch, dass unsere Jugend derartig ausschweift?

Die Frage stelle ich mir aber auch, wenn ich etwa die Stellungnahme von Aiman Mazyek, dem Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, lese. Er habe Verständnis für die Sorgen der muslimischen Community, „gerade nach dem schrecklichen Mordfall von Dresden“, habe er vorgebracht. „Eine dickere Kanone gegen Schalker Singvögel ist kaum vorstellbar“, kommentiert Tobias Kaufmann zutreffend. Der islamfeindliche Mord an eine muslimische Frau hat nun wirklich nichts mit dem Vereinslied des Reviervereins zu tun. Dadurch relativiert Mazyek nicht zuletzt den Mord in Dresden und zieht die ganzen Bemühungen um die Bewusstseinsbildung für die Islamophobie ins lächerliche.

Ich habe einen Imam bei der nächsten Moscheegemeinde nach seiner Meinung gefragt, der bis dato nichts von der weltlichen Diskussion mitbekommen hatte. Als ich ihm die Thematik auftrug, lachte er, schaute mich an und sagte, es sei ja gut, dass ein Stadion voll Menschen aus einem Munde ‚Mohammed war ein Prophet‘ singen; und dass er keine Ahnung von Fußball hatte, stimme schließlich auch: „Er war ja kein Fußballer“. Der Prophet hätte gelächelt, ist er sich sicher. Nur bei der Farbenauswahl schaut er nachdenklich und meint, dass der Prophet sich für die Farben von Werder Bremen entschieden hat – grün und weiß.

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37 Kommentare
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  1. Markus Hill sagt:

    Leider wird Ihr Beitrag nicht in der BILD berücksichtigt. Mir wurden schon Mails mit einem Link zu Schalke zugesendet. Bei einem stand schon oben der Vermerk „..noch mehr Wasser auf die Mühlen…“ (gegen Islam etc.). Die Stimmung ist gereizt. Diese Form von Gelassenheit und Versöhnlichkeit bei solchen Themen vermisst man häufig der Pressedebatte. Keine Katastophe, manchmal aber „unschön“. Zum Glück: Meinungsstreit ist ja nicht gleichzusetzen mit „Meinungskrieg“.:-)

  2. Teleprompter sagt:

    „Die in Brandbriefen gipfelnden Proteste überbieten sich in Taktlosigkeit und stellen die Muslime generell ins falsche Licht.“

    Ist es denn ein falsches Licht? Immerhin entspricht es GENAU der Art und Weise, wie der Islam WELTWEIT mit Kritik und abweichenden Meinungen umgeht.

  3. BiKer sagt:

    unglaublich! unglaublich dreist wie sie hier gegen muslime weltweit poltern wegen hunderten von protestbriefen in deutschland. ich bringen ihnen mal das vorurteil-1×1 bei.

    man nehme die zahl derer, die sich daneben benommen haben. in diesem fall hunderte. nehmen wir das max von 999 briefen. sonst wären es ja tausende 😉

    nun nehme man die zahl der in dem land lebenden menschen, die mit den tätern kategorisiert werden kann. da es sich in diesem fall um muslime geht, nehmen wir die zahl von vier millionen.

    anschließend teilen wir die zahl der täter (999) durch die zahl aller in der kategorie (4 000 000) und multipliziert es mit 100. in unserem fall haben max 0,02 prozent aller muslime in deutschland deneben benommen. tolle grundlage um auf die muslime weltweit zu schließen und diese zu verunglimpfen. sind sie üblicherweise pi leser?

  4. Daniel S. Lee sagt:

    Ich kenne ja den religiösen Hintergrund von Herrn Altas (dem Autor dieses tollen Kommentars) nicht, aber warum fällt es so schwer anzunehmen, dass sein Kommentar der Meinung der Mehrheit der Muslime entspricht, während, wie BiKer so schön ausgeführt hat, das Gezetere eher von einer Minderheit stammt, die von den Medien in den Vordergrund gerückt wird?

  5. Teleprompter sagt:

    „tolle grundlage um auf die muslime weltweit zu schließen und diese zu verunglimpfen. sind sie üblicherweise pi leser?“

    Irrtum, ich habe nicht von der Schalke-Geschichte auf die Muslime weltweit geschlossen, sondern ich habe die Schalke-Geschichte vor den Hintergrund der islamischen Normen gestellt, wie sie sich weltweit, das heißt natürlich vor allem in Ländern mit islamischer Mehrheit, zeigen. Und da passt die Geschichte nun mal voll ins Bild. Woraus sich die logische Frage ergibt, was in Deutschland los sein wird, wenn aus den 4 Mio eines Tages mal 8 oder 16 Mio geworden sein werden. Voraussichtlich wird man sich von islamischer Seite dann nicht mehr mit irgendwelchem Schalke-Schnickschnack aufhalten. Dann gehts ans Eingemachte.

    PI? Brauch ich nicht […].

  6. Teleprompter sagt:

    „Ich kenne ja den religiösen Hintergrund von Herrn Altas (dem Autor dieses tollen Kommentars) nicht, aber warum fällt es so schwer anzunehmen, dass sein Kommentar der Meinung der Mehrheit der Muslime entspricht, während, wie BiKer so schön ausgeführt hat, das Gezetere eher von einer Minderheit stammt, die von den Medien in den Vordergrund gerückt wird?“

    Es fällt schwer (mir jedenfalls), weil der Islam sich dort, wo er die Macht hat, nicht so präsentiert.

    Fakt ist, dass nach islamischen Quellen (!!!) Mohammed persönlich in mehreren Fällen Personen hat umbringen lassen, die Spottgedichte auf ihn verfasst haben. Vor diesem Hintergrund muss man die Geschichte sehen. Alles andere ist nach meiner Auffassung Selbstbetrug.

  7. BiKer sagt:

    irrtum. wenn aus den vier millionen muslimen 8 oder 16 werden greift auch dann das vorurteil-1×1. und selbst wenn wir irgendwann 32 millionen muslime in deutschland haben wird der prozentuale anteil derer, die sich daneben benehmen, nicht verändern. es bleibt bei 0,02 prozent. ihre logik dient nur dazu stimmung gegen muslime zu erzeugen und angst zu verbreiten, die vollkommen unbegründet ist. und bevor sie sich über die muslimische welt auslassen, sollte sie mal in erfahrung bringen, wie viele muslime weltweit leben und das vorurteil-1×1 auch auf die übertragen. sie werden feststellen, dass nach dem null ein komma folgt und dann wieder eine null. sorry, dass ich sie als pi-leser einschätze aber das was sie machen, machen die dort täglich. einzelfälle auf alle übertragen.

  8. BiKer sagt:

    erneut die typische pi-logik. mohammed hat dies und jenes gemacht und weil muslime seine lebensweise nachahmen, sind sie genauso. keine geschichtlichen hintergründe, keine näheren umstände, kein hinweis, dass kriegszeit war, die aber auf unser zeitalter überhaupt nicht passen und deshalb muslime sehr wohl zu unterscheiden wissen, dass man die islamischen grundsätze im lichte der zeit auslegen muss und den historischen kontext nicht außen vor lassen darf und daher ganz sicher nichts übertragen werden, die nicht übertragbar sind. sie haben schlicht falsche vorstellungen und verbreiten halbwissen ohne mit der wimper zu zucken. sie verunglimpfen muslime pauschal und auf eine unglaubliche art und weise. ihr verweis auf muslimische länder, die sich wie auch immer präsentieren ist hohn und zeigt nur ihr halbwissen. http://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_der_Islamischen_Konferenz schauen sie sich zahl der islamischen länder mal an! ihrer pi-horrorgeschichte konzentrieren sich doch auf einzelne länder und dort auch wieder auf einzelne.

    ich empfehle ihnen – sofern sie überhaupt interesse haben – mal zu recherchieren, wie viele muslimische länder ein nichtmuslimisches land angegriffen haben und umgekehrt.

  9. Markus Hill sagt:

    Das sehe ich genauso. BIKER hat bestimmt recht damit, auf die %-Anzahl sachlich hinzuweisen. Ob er und Herr Altas da stellvertretend sind, ähnlich meinen türkischen Freunden und Bekannten – ich bin da unschlüssig. Ich höre es oft, höre es aber auch wieder von Leuten, die ich eher als „differenzierend“ oder „aufgeklärt“ wahrnehme. Nur – ist das noch der eigentliche Islam oder eine neue Ausprägung von Islam? Ein türkischer Freund sagte mir einmal, dass sogar bestimmte Leute in Saudi-Arabien die Türken eher als „Heiden“ betrachten, da diese den Islam anders leben als im „strengeren“ Saudi-Arabien“. Es wäre schön, wenn es diese Form von Islam geben würde (eine bekannte bosnische Muslima habe ich auch so wahrgenommen). Mein Verdacht ist aber, dass es noch einen grossen Anteil gibt, die anderer Auffassung bei der Auslegung des Islam sind. Die wird man vielleicht weniger in solchen Foren wie hier treffen.

  10. […] Das Vereinslied von Schalke 04 sorgt derzeit unter Muslimen in Deutschland für Verärgerung. Der Grund: Prophet Mohammed soll vom Fußballspielen nichts verstehen. Des Weiteren trinken immer mehr Jugendliche bis zur Bewusstlosigkeit und müssen wegen einer akuten Alkoholvergiftung stationär behandelt werden. Außerdem ist zum Wahlkampfauftakt die SPD in der Wählergunst mit nur noch 20 Prozent auf den schlechtesten Wert in diesem Jahr abgestürzt. Schließlich gibt es diverse Artikel über Integration, Karlheinz Schreiber, Deutschland und über die Kurden-Frage in der Türkei. Artikel aus der deutschen Presse […]


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