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Migration und Integration in Deutschland

[Die Verhinderung der Sesshaftmachung] würde den Vorteil haben, dass das Interesse an einer Familienzusammenführung zurückgeht und damit uns erheblich geringere Infrastrukturkosten entstehen würden.

Ein Vertreter der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Weber, 1974

Türkische Presse Europa

18.07.2009 – Islam, Türkisch, Uiguren, Lehrer

Die heutigen Europaausgaben der türkischen Zeitungen berichten unter anderem über die Koalitionskrise in Schleswig-Holstein, über eine Protestveranstaltung in München gegen das chinesische Massaker in Xinjiang sowie über die Tarabya-Konferenz der Deutschen Botschaft in der Türkei zum Thema: „Theologische Forschung, Lehre und Ausbildung“.

DATUM19. Juli 2009

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RESSORTTürkische Presse Europa

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Ucar: Auch Muslime müssen in Deutschland als Religionsgemeinschaft eingestuft werden
Die SABAH und TÜRKIYE berichten über eine Konferenz in Tarabya, die vom deutschen Konsulat in Ankara zum Thema theologische Ausbildung in Deutschland und in der Türkei sowie einige relevante Studien organisiert worden ist.

Der deutsche Botschafter in Ankara, Dr. Eckhard Cuntz, habe dabei gesagt, dass in Anbetracht des hohen Anteils der Muslime in Deutschland an der Gesamtbevölkerung der Islam auch als eine „deutsche Religion“ zu betrachten sei. Wenn man bedenke, dass es in Deutschland momentan 2 600 Moscheen gibt und aktuell 100 Moscheeprojekte laufen, sähe man sehr schnell, dass der Islam ein Teil der Gesellschaft sei. Damit die Bevölkerung dies aber auch so akzeptiere, müsse man noch viel arbeiten.

Prof. Dr. Bülent Ucar habe bei der Konferenz zunächst einige Aussagen zum Thema Imam- und Islamlehrerausbildung getroffen. Dabei habe er gesagt, dass die hiesigen Imame die deutsche Sprache, Kultur, Religion und Gesellschaft gut kennen müssten. Allerdings könne es für die Türkei nicht in Frage kommen, die Imamausbildung vollständig dem deutschen Staat zu übergeben, da dies ein Einflussverlust darstelle. Deutschland habe allerdings auch bestimmte Interessen an der Imamausbildung. Das wichtige sei, einen Mittelweg zu finden. Darüber hinaus könne es nicht sein, dass während in Deutschland sogar die Aleviten den Status einer Religionsgemeinschaft besitzen, wogegen man den rund vier Millionen Muslimen in Deutschland diesen Status verwehrt. Dies stelle ein sehr großes Problem dar, das in kürzester Zeit gelöst werden müsse.

An der Veranstaltung habe auch Prof. Dr. Ömer Özsoy von der Goethe-Universität in Frankfurt teilgenommen. Dabei habe er sich wie Ucar ebenfalls zu den Themen Islamlehrerausbildung und zur Priesterschule in Heybeliada ausgesprochen.

Bayern möchte muttersprachlichen Unterricht verhindern
Die ZAMAN berichtet über den Beschluss der bayrischen Regierung, ab dem kommenden Schuljahr muttersprachlichen Unterricht an Schulen komplett zu streichen. Grund dafür seien fehlende finanzielle Mittel. Man könne keine Lehrer mehr für den Unterricht zur Verfügung stellen. Daher überlasse man das Finden von Lehrern den Konsulaten. Allerdings betonen Nichtregierungsorganisationen, dass beispielsweise Türkischlehrer, die aus der Türkei nach Deutschland einreisen, um an einer Schule Türkischunterricht zu erteilen, keine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung.

Mit dieser Regelung sei es nunmehr auch für die Botschaften unmöglich, Lehrer zu finden. So habe die bayrische Regierung einen indirekten Verbot für muttersprachlichen Unterricht gesetzt, das aber in Bezug auf den Bundesintegrationsplan 2007, in der die Wichtigkeit des Erlernens der Muttersprache für die Beherrschung des Deutschen hervorgehoben wird, widersprüchlich ist. Ein Zusammenschluss aus zahlreichen Nichtregierungsorganisationen wie beispielsweise dem IGMG-Regionalverband Südbayern, der Türkisch-Deutschen Studentenvereinigung (TDS), der Türkischen Gemeinde Bayern uvm. Haben nun eine Unterschriftenaktion gegen dieses Vorhaben gestartet.

Die HÜRRIYET berichtet über das gleiche Vorhaben auf Bundesebene, nach der die Aufenthaltserlaubnis der Lehrer, die an Schulen muttersprachlichen Unterricht lehren und ihren Gehalt vom türkischen Bildungsministerium ziehen, auslaufe. Ali Can von der türkischen Botschaft in Berlin habe gesagt, dass die Mehrsprachigkeit für das heutige Deutschland eine Notwendigkeit darstelle und dem Land erheblich beitragen könne.

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4 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. […] Wer hören will, der höre! Nur will es in Berlin keiner wissen, die unterwerfen sich freiwillig! Türkische Presseschau im Migazin. […]

  2. municipal sagt:

    Wer noch einen Beweis für die Einflussnahme des türkischen Staates über die DITIB/DIYANET auf die in Deutschland lebenden Türken oder Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund haben möchte,bitte, HIER ist er:#

    Zitat
    „Dabei habe er gesagt, dass die hiesigen Imame die deutsche Sprache, Kultur, Religion und Gesellschaft gut kennen müssten. Allerdings könne es für die Türkei nicht in Frage kommen, die Imamausbildung vollständig dem deutschen Staat zu übergeben, da dies ein Einflussverlust darstelle.“
    Zitat Ende

    …da dies ein Einflussverlust darstelle…

    Hier möchte ich auch aufen einen Fernsehbericht der ARD hinweisen, der unter dem Titel „Für Allah und Vaterland“ die Zusammenhänge zwischen Ditib/Diyanet und türkischem Staat durchleuchtet.

    Zitat aus dem Begleittext :

    WDR.de: Welches Interesse hat der türkische Staat eigentlich an einer „Fernsteuerung“ der türkischen Muslime in Deutschland, von denen doch viele inzwischen auch deutsche Staatsbürger sind?

    Senyurt: Das hängt aber mit den Interessen türkischer Parteien zusammen. Der Ministerpräsident kontrolliert die Religionsbehörde. Das ist zur Zeit Tayyip Erdogan, Chef der moderat-islamischen Regierungspartei AKP. Die legt recht viel Wert auf die Religion. Man will die Religion wieder stärker in den öffentlichen Raum holen, auch in Deutschland. 2004 hat die Religionsbehörde in einem Strategiepapier beschlossen, die Religion zu benutzen, um den EU-Beitritt der Türkei zu erleichtern. Da stellt sich schon die Frage: Ist das nicht doch islamistisch, wenn die Politik den Islam für ihre Ziele benutzt?
    Zitate Ende
    http://www.wdr.de/themen/kultur/religion/islam/konflikte/ditib/interview_senyurt.jhtml

    Zitat Frau Akgün:

    …wenn man meint, man könnte mit diesen Organisationen INTEGRATION betreiben, macht man den Bock zum Gärtner.

    Auch interessant: Das Strategiepapier der türkischen Regierung 2004 zu DIYANET für die DITIB.

    Und Schäubles Aussage, das es nicht akzeptabel ist, das eine ausländische Regierung (Türkei) über eine solche Organisation (DITIB) hier in Deutschland Einfluss ausübt.

    […]

    http://video.google.de/videoplay?docid=-2651068907002187478&ei=5kNkSsS4IpSw2QK265Ah&q=F%C3%BCr+Allah+und+Vaterland&hl=de&client=firefox-a

  3. Teleprompter sagt:

    „Wenn man bedenke, dass es in Deutschland momentan 2 600 Moscheen gibt und aktuell 100 Moscheeprojekte laufen, sähe man sehr schnell, dass der Islam ein Teil der Gesellschaft sei. Damit die Bevölkerung dies aber auch so akzeptiere, müsse man noch viel arbeiten.“

    Komische Logik: Bloß weil etwas Teil der Gesellschaft sein soll, „muss die Bevölkerung es akzeptieren“. […]

  4. calahan sagt:

    Der Krug geht solange zu Wasser, bis er bricht! […] Europa kann ein überaus grausamer Kontinent sein für die, die hier absolut nicht hingehören! Sicher läßt man sich hier viel, vielleicht sogar zu viel, gefallen. Aber wenn der point of no return erreicht ist, geht es ab, und zwar richtig!



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