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Migration und Integration in Deutschland

Die Umstellung darauf, dass jetzt die Ausländer die Überlegenen sind, da sie wenigstens einen Arbeitsplatz besitzen, ist für viele nicht nachvollziehbar.

Friedrich Landwehrmann, Strukturfragen der Ausländerbeschäftigung, 1969

Türkische Presse Europa

05. und 06.07.2009 – Polizei, Mord, Ehrenmord

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen berichten ausführlich über die Ermordung der 32-Jährigen Ägypterin Marwa von einem Russlanddeutschen im Gerichtssaal. Weitere Themen sind u.a. kritische Auseinandersetzungen mit der Berichterstattung deutscher Medien, dem Moschee-Besuch einiger CSU-Politiker.

05.07.09

Radioprogramm für einen Rüsselsheimer Imam
Die HÜRRIYET berichtet über den Rüsselsheimer Imamen Muammer Kurt, der bei der Radioa Rüsselsheim eine Live-Sendung über den islam betreibe. Die Idee entstamme der Radioleitung. Die Zhörer können auch Fragen stellen. Von dieser Möglichkeit machen, so die HÜRRIYET, überwiegend diejenigen Gebrauch, die mit einer türkischstämmigen Person heiraten möchten. Das Radio sei über UKW 90.90 erreichbar.

Hessens Polizeidirektor will mehr Migranten im Dienst
Die HÜRRIYET berichtet über den hessischen Polizeidirektor Norbert Nedela, der sich mehr Polizisten mit Zuwanderungsgeschichte im polizeilichen Dienst wünsche. Er sei zuversichtlich, dass es mit Hilfe der türkisch- sowie deutschsprachigen Ausgaben der HÜRRIYET möglich sei, diese Anzahl zu erhöhen. In diesem Jahr seien 17 von 245 neuen Polizisten Personen mit Migrationshintergrund. Nedela bedankte sich bei der HÜRRIYET für ihre Hilfe.

CSU-Politiker besuchten Moschee
Die TÜRKIYE berichtet über die CSU-Politiker Robert Brannekamper, Georg Schlagbauer und Otto Seidl sowie dem CSU-Vorsitzenden Josef Schmid, die eine Moschee in München besucht haben. Zweck des Besuchs sei es, sich über die Tätigkeiten der Gemeinde zu informieren. Der Vereinsvorsitzende Hüseyin Mestan habe dabei erklärt, dass die Verbesserung des Sprachgebrauchs ihrer Schüler ihr primäres Ziel darstelle. Man habe es geschafft, für 30 Schüler einen Ausbildungsplatz zu finden, 47 Schülern von der Haupt- auf die Realschule und 10 Schülern von der Realschule aufs Gymnasium zu verhelfen. Schmid habe erklärt, dass man gleicher Meinung sei. Man wolle die Gemeinde nun in Zukunft bei ihren Arbeiten unterstützen.

Deutsch-Türkischer Verein in Berlin gegründet
In Berlin wurde unter der Leitung des SPD-Abgeordneten Gerd Andres sowie anderen Mitgliedern ein Deutsch-Türkischer Verein gegründet, berichtet die TÜRKIYE. Ziel des Vereins sei es, den Dialog zu fördern und die Beziehungen zu stärken. Auch wolle man kulturelle und gesellschaftliche Kooperation fördern und dazu beitragen, gegenseitig Vorurteile abzubauen. In den vergangenen Tagen hatten auch die HÜRRIYET und MILLIYET über die Vereinsgründung berichtet.

Trier: Gebetshaus in Brand gesteckt
Die SABAH berichtet über ein Gebetshaus in Trier, das in Brand gesteckt worden sei. Das Gebäude, in dem sich auch das Gebetshaus des islamischen Kulturzentrums befände, sei in Brand gesteckt worden. Dabei seien sechs Personen wegen Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus geliefert worden. Da das Haus überwiegend von Ausländern bewohnt sei, prüfe die Polizei nach einem fremdenfeindlichen Hintergrund.

Siebenköpfige türkische Familie 15 km vor türkischer Grenze ums Leben gekommen
Die SABAH berichtet über einen Verkehrsunfall einer türkischen Familie in Bulgarien. Bei einem schweren Verkehrsunfall in Bulgarien ist eine siebenköpfige türkische Familie aus Braunschweig ums Leben gekommen. Der tragische Unfall habe sich nur 15 km vor der türkischen Grenze ereignet. Beim Frontalzusammenstoß eines Kleinbusses mit einem Reisebus hätten alle sieben Mitglieder der Familie Büyükkilic ihr Leben verloren. Besorgt durch die Verspätung ihrer Angehörigen versuchten die Verwandten in der Türkei die Familie per Handy zu erreichen, dabei habe sich am Apparat ein türkischer Konsulatangestellte in Bulgarien gemeldet und ihnen die Todesnachricht übermittelt. In der türkischen Stadt Nevsehir, wo die Familie herstammt, habe das Geschehen die Verwandten schwer getroffen. Auch unter Türken in Braunschweig habe die Nachricht eine große Trauer ausgelöst. Beim tragischen Unfall haben außer dem langjährigen VW-Arbeiter Familienvater Memis 49, dessen Bruder Soner, die Mutter Kezban 45, die Söhne Abdülsamet 19, Murat 18, Ugurcan 11 und die 22-jährige Tochter Özlem ihr Leben verloren.

06.07.2009

Der Unterschied zwischen Ehrenmorden und Familiendramen
Die Europaausgabe der ZAMAN berichtet ausführlich über die Differenzierung der deutschen Medien zwischen den sog. „Ehrenmorden“ in muslimischen Familien sowie den „Familiendramen“ bei Fällen deutschen Ursprungs. Dabei werden mehrere Mordakte aufgelistet und in Details erklärt, worum es bei diesen Fällen ging. Es stelle sich immer wieder die Frage auf, wo denn der Unterschied zwischen den „deutschen“ und „muslimischen“ Fällen zu finden sei. Die Motive seien zum Teil sogar identisch. Oftmals stoße man auf „Eifersuchtsfälle“, die als „Drama“ lanciert werden, wenn der Täter ein Deutscher ist, man diese aber als „Ehrenmord“ abstempelt, wenn der Täter einen Migrationshintergrund hat.

Im Bericht wird auch Integrationsministerin Maria Böhmer kritisiert, die ebenfalls mit ihren Aussagen diese „Doppelmoral“ der Medien unterstütze.

Der Mordfall im Gerichtssaal
Die TÜRKIYE und ZAMAN berichten über die Ermordung der 32-Jährigen Ägypterin Marwa Sirbini im Gerichtssal von einem Russlanddeutschen. Nachdem man die Vorgeschichte erfährt, weshalb Axel W. angeklagt worden ist, kritisieren beide Zeitungen die Haltung der deutschen Medien. So sei nicht ausführlich genug von dem Fall berichtet worden. Darüber hinaus sei es „seltsam“, dass ein Polizist den Ehemann des Opfers anschieße, obwohl dieser die Tat verhindern wollte. Dieser Irrtum zeige, dass in den Köpfen der Menschen ein Ägypter eher als potentieller Krimineller eingestuft werde. Man warte nun die Reaktion des ägyptischen Konsulats und der ägyptischen Behörden ab.

„Sport ist die Festung der Integration“
Die TÜRKIYE berichtet über eine Anti-Rassismus-Versammlung, die die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kooperation mit der Deutsch-Türkischen Gesellschaft (DTG) in Frankfurt veranstaltet hat. Unter dem Titel „Migrantenpotential in Sport und Politik“ versammelten sich Vertreter der DTG, der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie der Vorsitzende des Fußballclubs Eintracht Frankfurt Peter Fischer und hielten den Gästen kurze Vorträge. Darin hieß es, so die TÜRKIYE, dass der Sport die Integration der Migranten fördere und es dort keinen Platz für Rassismus gebe. Auch habe Fischer in seiner Ansprache den Begriff der Integration neu definiert. So könne Integration nicht lediglich das Erlernen der deutschen Sprache sein. Man müsse es als ein geben und nehmen verstehen. Gesellschaftliche Partizipation in Form von Freundschaften u.ä. sei unabdingbar.

CDU-Abgeordneter spricht sich für die Chancengleichheit bei der Bildung aus
Die ZAMAN berichtet über den CDU-Abgeordneten Dr. Karl A. Lamers, der bei einer Veranstaltung mit Akademikern in Heidelberg sich für die Chancengleichheit bei der Bildung ausgesprochen habe. Er habe die Bedeutung der Bildung untermauert und in diesem Zusammenhang die Errungenschaften seiner Partei vorgestellt. So habe er beispielsweise die Erhöhung der Gelder durch seine Partei, die in den Bildungsbereich fließen, erwähnt.

Bundesminister der nächsten Amtsperiode unklar
Die TÜRKIYE berichtet ausführlich über die Ungewissheit bei der Belegung der Ministerstellen während der nächsten Amtsperiode. So könne es sein, dass beispielsweise die derzeitige Bildungsministerin Anette Schavan künftig als Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung tätig sein werde. Außerdem gehe auch das Gerücht rum, dass Innenminister Wolfgang Schäuble ebenfalls seinen Amt aufgeben und eine Tätigkeit in der EU aufnehmen werde. Dabei stützt die TÜRKIYE sich auf den SPIEGEL und Focus.

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