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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985
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Interkulturelle Öffnung

Die Forderung der Diakonie

Der Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Klaus-Dieter Kottnik, forderte letzte Woche auf einer Veranstaltung in Berlin die interkulturelle Öffnung etwa in Kindergärten und Schulen. Kottnik sicherte zu, dass sich auch die Diakonie selbst interkulturell öffnen wolle.

VONBekir Altas

DATUM16. Juni 2009

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„Niemand darf aufgrund seiner kulturellen Herkunft oder Religionszugehörigkeit ausgegrenzt werden“, sagte Kottnik. Die Diakonie stehe in der kulturell und religiös vielfältiger werdenden Gesellschaft vor neuen Herausforderungen. „Ein zentrales Anliegen diakonischer Arbeit ist es, für Chancengleichheit aller Menschen einzutreten und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle an der Gesellschaft partizipieren können“, betonte Kottnik.

Die Ankündigung des Diakonie-Chefs Kottnik ist von sehr großer Bedeutung. Die aktive Beteiligung von Institutionen am Integrationsprozess ist für die gleichberechtigte Teilhabe von Migrantinnen und Migranten am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unentbehrlich. Ohne eine interkulturelle Orientierung bei Institutionen, wie die Diakonie, ist eine erfolgreiche Integration denkbar schwer. Durch ihre facettenreiche Arbeit erreicht die Diakonie alle Schichten in der Gesellschaft und hat damit eine existentielle Stellung im Integrationsprozess.

Interkulturelle Öffnung ist dabei nicht nur als Vermittlung von interkulturellen Kompetenzen zu verstehen. Interkulturelle Öffnung heißt auch Beteiligung junger Migranten in der Arbeit der Organisationen. Doch die kirchlichen Institutionen tun sich da noch etwas schwer. Noch vor einem Jahr hat die Diakonie in Hamburg die Bewerbung einer muslimischen Frau für eine Stelle in einem Projekt zur beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten, welche aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie des Bundes finanziert wurde, wegen Nichtzugehörigkeit zur christlichen Religion abgelehnt.

Unstreitig ist, dass im Hinblick auf das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften, die Zulässigkeit einer Differenzierung nach der Religion gerechtfertigt ist, solange diese nach „Art der Tätigkeit oder den Umständen ihrer Ausübung eine wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderung angesichts des Ethos der Organisation darstellt“. Für die in Rede stehende Stelle einer Sozialpädagogin im Rahmen des Teilprojekts „Integrationslotse Hamburg“ kann dies jedoch nicht der Fall sein. Der Vortrag der Diakonie, wonach für die Tätigkeit als Integrationslotsin die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche unabdingbare Voraussetzung sei, überzeugt nicht. In der Praxis des Projekts finden sich nämlich keinerlei Bezüge zu einer religiösen Tätigkeit. Die Ausgrenzung einer muslimischen Frau unter anderem aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit lässt vielmehr vermuten, dass hier Integrationsbemühungen mit Missionierungsversuchen verknüpft werden. Ganz im Sinne der EKD-Handreichung „Klarheit und gute Nachbarschaft“, die den Dialog mit Muslimen im Rahmen der christlichen Mission vorsieht. Die Bewerberin führte hierzu im Verfahren zutreffend aus, dass eine derartige Verknüpfung für ein Miteinander hinderlich ist, da sie für alle, die eine fachliche Beratung ohne Verkündung eines Glaubens wünschen, eine Zugangsbarriere darstellt.

Die Tatsache, dass eine solche Ausgrenzung die vom Präsidenten der Diakonie verlangte Chancengleichheit, Partizipation und Integration torpediert, macht darauf aufmerksam, dass es nicht ausreicht, nur an mehr Toleranz und für eine interkulturelle Öffnung zu appellieren. Wirkung entfaltet so eine Forderung erst, wenn es in die Tat umgesetzt wird. So lässt sich nun hoffen, dass die Evangelische Kirche die richtigen Schlüsse aus dem Verfahren in Hamburg gezogen hat.

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33 Kommentare
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  1. delice sagt:

    Warum beansprucht ihr eigentlich Jesus für Euch. Schließlich war er doch auch aus dem Orient. Und der Pauslus stammt gar aus Anatolien!

    […]

    Eure Religion ist die von Orientalen […]

    Selbst dieser Name für euer Abendland stammt aus dem heutigen Libanon! Schon mal von Europa gehört? Der Tochter eines Phönizischen Königs – dem Land der Zedern!

    […]

  2. delice sagt:

    Vielleicht weil wir keine Pyromanen sind, und zum löschen gar zu betrunken dann wären!

    Endet doch doch meistens eh nur einem Saufgelage! […]

    Und was Schießvereine ausmachen können, haben deren schulpflichtige Kinder uns auch vorgeführt!

    Nein Danke!

  3. Battal Gazi sagt:

    Ich war auch da. Da brauchst du dich gar nicht zu wundern wenn du dort mit Bomberjacke, Springerstiefeln und nem Baseballschläger auftauchst

  4. Teleprompter sagt:

    Manchmal ist es besser, nicht zu schreiben …

  5. Hans Schneter sagt:

    Battal Gazi, der Mann ohne Manieren, ist einer jener Realitätsverleugner, die wir so gerne haben. Sie tragen mit Ihrer Argumentation nichts, aber auch gar nichts zum Dialog bei. Wie schön einfach doch die Rechnung ist: Wir sind Nazis, Türken sind die guten, armen Opfer.

  6. Hans Schneter sagt:

    das wirds sein Delice…. vielleicht gründet ihresgleichen ja eine muslimische Feuerwehr, die dann nur die muslimischen Häuser löscht. Warum nicht gleich alles komplett trennen? Muslimische Wohnviertel, muslimische Schulen, Busse, Krankenhäuser, Universiätet, Stadtteile, Arbeitsstätten. Dann müssten wir uns nicht immer über den Weg laufen. Und zwischen den Sektoren gibt es Kontrollen, damit niemand von der *falschen* Religion die Grenze überschreitet.

  7. Hans Schneter sagt:

    „Es ist halt viel einfacher gegen uns zu wettern, früher die Juden und jetzt eben wir! “

    Sie haben es erkannt, Delice. Das deutsche Reich ist am erwachen und lechzt nach Blut.
    Was für ein perfider Plan: erst haben wir die Türken versklavt, jetzt sind wir dabei, eine Endlösung zu finden. Ach, wie schön ist es doch in Deutschland…..herrlich, diese Sommertage …. ist mir schlecht…..

  8. Synapse sagt:

    Alles sehr richtig mit der geographischen Zuordnung, aber zu den Zeiten als Jesus lebte und Anatolien kulturell hochstehend war, gab es den Islam noch gar nicht. Soll ja auch Türken geben, die Homer als Türken bezeichnen, nur weil er in Kleinasien auf heute türkischem Territorium geboren wurde…

  9. Teleprompter sagt:

    Wir sind halt flexibel. Was uns gefällt, übernehmen wir, den Rest drücken wir in die Tonne.

  10. Luca Martin sagt:

    @Hans Schneter
    Was soll denn das für ein Dialog sein, den man hier sucht?
    Nehmen Sie es mir nicht übel, aber so langsam zieht auch die Migazin etliche Kleingeister wie ein Bann an sich. Wahrscheinlich hat man sich hierher verschossen und sucht Kanten und Ecken worin man sich reiben kann. Ich habe für heute genug gelesen um zu erkennen, das der Dialog wie sich hier einige deutsche sozusagen wünschen, heuchlerisch und nicht ehrlich geführt wird. Ich wäre erstaunt, wenn unter den zig federführenden Kommentatoren, nicht einige Exemplare der PI&Co dabei sind.
    Man hat wohl die besten hier her geschickt, um mal, nach ihrer Denkart; aufzuräumen.

    Migazin-Team, ich wünsch euch viel Glück in diesem unterfangen.


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