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Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Türkische Presse Europa

13.06.2009 – Einbürgerung, Visum, Flüchtlinge

Die weiterhin zurückgehenden Einbürgerungszahlen bilden mit dem Streit um die visafreie Einreise von Türken nach Deutschland die Hauptthemenfelder in den türkischsprachigen Zeitungen in Europa vom Samstag. Die TÜRKIYE hebt sich dabei mit der Schilderung eines Familiennachzugsdramas ab. Außerdem werden die Aufenthaltsprobleme von Flüchtlingen thematisiert.

DATUM14. Juni 2009

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Nicht-Einbürgerungen in Rekordhöhe
Die TÜRKIYE wirft auf das Thema „Einbürgerungszahlen“ einen anderen Blick. Während SABAH und MILLIYET von einem Rückgang der Einbürgerungszahlen sprechen, führt TÜRKIYE das Thema als einen Anstieg der Nicht-Einbürgerungen an. Damit möchte die Zeitung auf die bewusste Zurückhaltung vieler Migranten bei der Beantragung der Einbürgerung aufmerksam machen. Nur einer von 45 Migranten, die die Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen, würden auch einen Antrag stellen. Nach SABAH haben sich noch 2000 186.700 Ausländer einbürgern lassen. Im letzten Jahr waren es nur noch 94.500, die Eintritt in den deutschen Staatsverband erhielten. Die Mehrzahl der Eingebürgerten sind dabei türkischstämmige Migranten (24.500).

In der MILLIYET kritisiert Sevim Dagdelen (Linke) in diesem Zusammenhang die Behauptung, die Einbürgerung würde gefördert werden. Stattdessen würden Statistiken schön geredet, gleichzeitig aber weiterhin Bürger 2. Klasse geschaffen.

Deutschland in Visumsfragen nicht aufrichtig
Dies wirft der EU-Chefunterhändler der Türkei, Egemen Bagis, Deutschland vor. Den letzten Änderungen in den Visumsregelungen fehle es an Aufrichtigkeit. Damit man eine „Bescheinigung über die visumfreie Einreise“ erhalte, müsse man mehr bürokratische Hürden überwinden, als bei einem Visumstantrag. Auf diese Diskrepanz weist die ZAMAN hin.

Auf eine weitere Diskrepanz in Visa-Angelegenheiten macht die HÜRRIYET aufmerksam. Während sich EU-Länder davor streuben würden, Türken gegenüber irgendeine Erleichterung zu akzeptieren, würde die EU nun bis Ende des Jahres Staatsbürger des Kandidatschaftskandidaten Serbien von der Visum befreit werden. Für den Beitrittskandidaten Türkei wären solche Erleichterungen jedoch nicht vorgesehen.

Die TÜRKIYE  führt im Rahmen der Visa-Debatten auf ein tragisches Visa-Schicksal hin. Der Schifferstädter Osman I. klagt in der Zeitung darüber, seine Ehefrau trotz Erfüllung aller Voraussetzungen nicht nach Deutschland holen zu können. Sie hätten vor eineinhalb Jahren in der Türkei geheiratet, seine Frau hätte erfolgreich die Sprachprüfung im Goethe-Institut abgelegt, er selbst würde alle Einkommensvoraussetzungen erfüllen, dennoch würden die deutschen Behörden seiner Ehefrau kein Visum zur Familienzusammenführung gewähren. Nachdem es auf ihren Antrag fünf Monate lang keine Reaktion gegeben hätte, hätte er plötzlich eine Einladung zur Polizeidienststelle, seine Ehefrau zum Konsulat erhalten. Dort hätte man ihm 68, seiner Ehefrau 30 Fragen über ihre Ehe gestellt. Wo sie sich kennengelernt hätten, in welchem Resteraunt sie zusammen gegessen hätten und anderes. Schließlich hätten die Behörden den Antrag auf Familienzusammenführung abgelehnt, weil sie bei dem Paar eine Scheinehe vermuten. Die Ausführungen des Ehepaars wäre den Beamten nicht glaubwürdig genug gewesen.

Geht zurück in die Türkei
Diese Aufforderung erhalten nach ZAMAN immer mehr Flüchtlinge und Asylantragsteller in Deutschland. Demnach werden die Betroffenen in einem Hinweis der zuständigen Gerichte darauf hingewiesen, dass die Menschenrechtssituation in der Türkei unter der Regierung der AK Partei wesentlich gebessert hätten. Dies gelte besonders für Flüchtlinge und Asylantragsteller, die keiner geordneten Beschäftigung nachgehen und ihren Unterhalt aus eigener Kraft bestreiten.

Nach einem Bericht der SABAH will der Hamburger Senat das Thema Flüchtlinge auf seine Tagesordnung setzen. Es gehe dabei um mehr als 30.000 Flüchtlinge die Anfang 2010 das Land verlassen müssten. Wenn dem Antrag im Senat und den Ausschüssen stattgegeben wird, werde das Thema voraussichtlich an den Bundesrat weitergereicht.

Zweite Chance für Cem Özdemir
Cem Özdemir bekommt eine zweite Chance für den Bundestag. Darüber berichten ZAMAN und HÜRRIYET. Nach den unerwartet guten Ergebnissen der Grünen bei den Kommunalwahlen in Stuttgart, wird Cem Özdemir eine realistische Chance auf ein Direktmandat zugeschrieben.

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4 Kommentare
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  1. Klaus-Dieter Boden sagt:

    Nach den heutigen türkischen Presseveröffentlichungen muß ich meiner eigenen Partei DIE LINKE in aller Klarheit den Vorwurf machen: Genossinen und Genossen, W A R U M , um alles in der Welt, reicht ihr in Berlin nicht endlich Klage vor den europäischen Gerichtshöfen in Luxemburg und Straßburg gegen diesen Menschenrechtsverletzer Schäuble und seine Spießgesellen ein ? ? ? Gründe dafür gibt es zuhauf, und bei einem Überschuß von mehr als 2 Mio. Euro im Jahr 2008 sind einige zehntausend für die Klagen ein lächerlicher Witz ! Und mit einem international bekannten und renomierten Anwalt wie Gregor Gysi hätten wir gute Karten… ! Liebe Sevim, Du bist diejenige, die uneingeschränkt für die Rechte von Migranten in diesem Land kämpfst. Überwinde Dich jetzt endlich zu diesem Schritt und reiche die notwendigen Klagen ein ! Mit Schmusetaktik erreichst Du letztendlich nichts bis gar nichts bei diesem […] Bundesinnenminister.
    Herzliche Grüße aus BRAUN , Schweig !
    Klaus-Dieter

  2. Teleprompter sagt:

    Vielleicht liegen die sinkenden Einbürgerungszahlen einfach daran, dass Deutschland wirtschaftlich langsam aber sicher den Bach runter geht. Ich glaube nicht, dass ich heute nach Deutschland gehen würde, wenn ich nicht schon hier wäre. Wer sich einbürgern lässt, bekommt erste einmal seinen satten Anteil an der Staatsverschuldung aufgebrummt, die sich nach dreißig Jahren mehr oder weniger sozialdemokratischer Politik aufgetürmt haben. Ich verstehe jeden, der bei diesem Angebot dankend abwinkt.

  3. ibo sagt:

    Deutschland hat sich zu einem Einwanderungsland entwickelt.
    Alle wissen das, nur die Bundesregierung (vorallem CDU/CSU) will es nicht wahrhaben.

    Die Abhängigkeit zwischen Deutschland und der Türkei ist fast schon wie ein Duell Galatasaray gg. Fenerbahce.
    Nun ja, Scherz bei Seite, beide sind wirtschaftlich aufeinander angewiesen.
    Daher verstehe ich nicht, diese verwirrenden Maßnahmen der BRD. Visaproblematik da, aber hier mehr Investition
    ——————————————————————————————————–
    Nordrhein-Westfalen wirbt in der Türkei um Investitionen
    siehe hier –> http://www.exzellenz.nrw.de/nocl/noth/clusterinfo/news/view/data/5010/backpid/11/

    – Türkei ist abhängig von dt. Touristen….(dafür brauche keine Quelle, sollte ja jeder wissen)

    Für weitere Quellen bin ich gerade zu faul. 🙂

  4. Teleprompter sagt:

    In der globalisierten Welt ist praktisch jeder von jedem wirtschaftlich abhängig. Trotzdem bekommt nicht jeder die visumsfreie Einreise.



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