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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Eine Bilanz für 2004

Der Finanzierungsbeitrag der Ausländer zu den deutschen Staatsfinanzen

Diese Studie bilanziert den Beitrag der ausländischen Bevölkerung in Deutschland zu den öffentlichen Haushalten im Fiskaljahr 2004. Die Ergebnisse zeigen einen laufenden Überschuss der von Ausländern empfangenen Einnahmen über die Transferausgaben von 2.000 Euro pro Kopf.

ABSTRACT
Diese Studie bilanziert den Beitrag der ausländischen Bevölkerung in Deutschland zu den öffentlichen Haushalten im Fiskaljahr 2004. Grundlage sind auf Basis des Sozio-Oekonomischen Panels geschätzte, auf die Staatseinnahmen und -ausgaben gemäß Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen kalibrierte Profile der durchschnittlichen Zahlungen nach Alter und Nationalität für 33 verschiedene Steuern, Beiträge und Transfers einschließlich Bildung.

Die Ergebnisse zeigen einen laufenden Überschuss der von Ausländern empfangenen Einnahmen über die Transferausgaben von 2.000 Euro pro Kopf. Obwohl sich der Finanzierungsbeitrag zukünftig verschlechtert, weil die ausländische Bevölkerung altert, entlasten die Ausländer den Staatshaushalt auch langfristig. Unter Status quo-Bedingungen beträgt ihr mittlerer fernerer Finanzierungsbeitrag im Barwert 11.600 Euro.Bei 7,2 Millionen Ausländern in Deutschland summiert sich dieser Überschuss auf 84 Milliarden Euro.

1. Einleitung
In der migrations- und integrationspolitischen Diskussion in Deutschland wird oft die Frage nach den fiskalischen Kosten der Zuwanderung gestellt. Angesichts eines im internationalen Vergleich hohen Niveaus der sozialen Grundsicherung besteht die Befürchtung, dass „Zuwanderung in die Sozialsysteme“ erfolgt. Auch die offensichtlich schwierige Arbeitsmarktlage vieler ehemaliger Gastarbeiter und ihrer Nachkommen wird als Argument dafür angeführt, dass Ausländer in Deutschland eine Belastung für die öffentlichen Haushalte seien.

Bisher haben nur wenige empirische Studien den Versuch unternommen, den fiskalischen Beitrag der Ausländer in Deutschland umfassend zu bilanzieren. Das Ergebnis ist nicht eindeutig. Bonin et al. (2000) schätzen mit Hilfe der Methode der Generationenbilanzierung, dass der durchschnittliche Beitrag der Zuwanderer zu den öffentlichen Haushalten in einer rasch älter werdenden Gesellschaft langfristig positiv ist. Hierzu trägt zum einen ein deutlicher Überschuss der Steuerzahlungen über die öffentlichen Transferleistungen in der Erwerbsphase der Zuwanderer bei, zum anderen die Verbreiterung der Besteuerungsbasis durch Einwanderung bei einer schrumpfenden einheimischen Bevölkerung. Dagegen schätzen Sinn et al. (2001), dass Zuwanderer bei einer Bilanz der im Lebensverlauf in Anspruch genommenen Transfers und erbrachten Steuern und Beiträge im Durchschnitt Nettoempfänger staatlicher Leistungen sind. Besonders ungünstig ist die Bilanz für Ausländer mit kurzer Aufenthaltsdauer.

Der vorliegende Beitrag liefert eine neue, aktuelle Bilanz der von Ausländern in Deutschland geleisteten Steuern und empfangenen staatlichen Transfers. Grundlage dieser Bilanz sind mit Hilfe von repräsentativen Individualdaten aus dem Deutschen Sozio-Oekonomischen Panel geschätzte Profile der altersspezifischen Steuerzahlungen und Transferbezüge von Deutschen und Ausländern. Diese werden so kalibriert, dass unter Berücksichtigung des Bevölkerungsaufbaus das Staatsbudget gemäß Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen für das Jahr 2004 abgebildet wird.

Es zeigt sich, dass der Finanzierungsbeitrag zu den öffentlichen Haushalten, definiert als die Summe aller individuellen Steuer- und Beitragszahlungen abzüglich erhaltener monetärer Transfers einschließlich „geldwerter“ Bildungsleistungen, pro Kopf der ausländischen Bevölkerung gegenwärtig spürbar geringer ist als bei den Deutschen. Mit rund 2.000 Euro ist der durchschnittliche Finanzierungsbeitrag aber klar positiv.

Eine Ursache für dieses günstige Ergebnis ist der vorteilhafte Altersquerschnitt der ausländischen Bevölkerung, in der die Jahrgänge mit positivem Finanzierungsbeitrag im Haupterwerbsalter von 20 bis 60 Jahren ein stärkeres Gewicht haben als in der deutschen Bevölkerung. Allerdings unterliegt auch die ausländische Bevölkerung einem Alterungsprozess. Bei einem wachsenden Rentneranteil wird sich der Finanzierungsbeitrag in Zukunft verschlechtern.

Um den Alterungseffekt abzubilden, ist es erforderlich, die ausländische Bevölkerung bis an ihr Lebensende zu verfolgen. Schreibt man die aktuellen altersspezifischen Finanzierungsbeiträge unter Annahme eines moderaten Wirtschaftswachstums in die Zukunft fort, bleibt die Bilanz für die in Deutschland lebenden Ausländer positiv. Ihr Finanzierungsbeitrag beträgt bis zum Lebensende im Gegenwartswert pro Kopf 11.600 Euro. Bei einem Bestand von 7,2 Millionen Ausländern summiert sich dies auf einen Überschuss von 84 Milliarden Euro.

Der nächste Abschnitt beschreibt Grundlagen und Ergebnisse der Bilanz des laufenden Finanzierungsbeitrags von Ausländern zu den öffentlichen Haushalten. Darauf folgt in Abschnitt 3 die Analyse des langfristigen Finanzierungsbeitrags.

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Ein Kommentar
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  1. Mr WordPress sagt:

    Hallo, das hier ist ein Kommentar.
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