Liebe besorgte Bürgerin. Eigentlich habe ich keine Zeit, Dir zu schreiben, aber ich habe heute Geburtstag – und kann somit den Tag etwas lockerer angehen. Ich bin nun 36 Jahre alt und kein bisschen stolz darauf, geschweige denn glücklich. Von Martin Gommel
Der Freistaat Sachsen hat erstmals eine umfangreiche Umfrage zu politischen Einstellungen in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind alarmierend. Besonders junge Menschen im Freistaat sind voller Vorurteile.
Jugendliche in Sachsen haben einer aktuellen Umfrage zufolge sehr ausgeprägte Vorurteile gegenüber Ausländern, Muslimen und Juden. Auch die Ablehnung menschenverachtender Einschätzungen ist bei jungen Sachsen überproportional ausgeprägt.
Das Bundeskabinett hat den Bericht "Gut leben in Deutschland" verabschiedet. Danach will sich die Bundesregierung stärker an den Bürgerwünschen orientieren. Besorgniserregend ist die Zunahme von Hasskriminalität und fremdenfeindlichen Übergriffen.
Furcht vor Flüchtlingen und Andersgläubigen gab es in Deutschland auch in den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Was ein späterer Landesvater 1945 in einem Brief formulierte, klingt heute absurd, aber aus der aktuellen Asyl-Debatte eigenartig vertraut. Von Karsten Packeiser
Ein junger Flüchtling stürzt sich in den Tod, Anwohner sollen ihn dabei angefeuert haben. Die Polizei widerspricht den Vorwürfen. Die Beamten hätten nichts gehört, im Polizeibericht werden die Zurufe nicht erwähnt.
Der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde in Schleswig-Holstein wurde von einem Unbekannten niedergeschlagen. Zuvor hatte es Drohungen mit fremdenfeindlichem Hintergrund gegeben. Politiker zeigen sich empört.
Zwei Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und ein Kongresszentrum erschüttern Dresden. Beamte überwachen nun Moscheen und das islamische Zentrum. Muslime fordern schonungslose Aufklärung. Es dürfe keinen zweiten NSU geben.
Der Fremdenhass gefährdet nach Überzeugung des Bielefelder Soziologen Andreas Zick den Frieden im Osten. Der Konfliktforscher verlangt ein Umdenken in der Politik. Fremdenfeindlichkeit werde in den neuen Bundesländern aus Imagegründen heruntergespielt und ignoriert.
Bis Mitte September haben Behörden bereits über 500 fremdenfeindliche Gewaltdelikte registriert. Das ist doppelt so hoch wie 2015. Grünen Politiker werfen dem Verfassungsschutz vor, Rechtsextremismus nur bruckstückenhaft zu analysieren. Bei diesen Zahlen könne es nicht sein, dass es mehr islamistische Gefährder gebe als Neonazis.