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Das Europäische Parlament © hpgruesen @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

EU-Demografie-Bericht

Ohne Zuwanderung würde Europa massiv einbrechen

Nach einem Bericht der EU-Kommission hat die europäische Bevölkerung ihren Höchststand erreicht. Ohne Zuwanderung würde sie bis 2100 nicht nur schrumpfen, sondern rund 130 Millionen Menschen weniger zählen. Migration verhindert den Wandel nicht, bremst aber seinen dramatischsten Verlauf.

Mittwoch, 15.07.2026, 14:03 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 15.07.2026, 14:03 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Mit 450,6 Millionen Menschen hat die europäische Bevölkerung laut dem aktuellen Demografie-Bericht der EU-Kommission ihren Höchststand erreicht. Im Jahr 2100 werden demnach nur noch 398,8 Millionen Menschen in Europa leben – das sind 11,7 Prozent weniger als heute und entspricht etwa der Bevölkerungsgröße der zweiten Hälfte der 1970er Jahre.

Europäerinnen und Europäer leben nach Angaben der EU-Kommission durchschnittlich länger als jemals zuvor – die Lebenserwartung lag 2024 bei 81,5 Jahren (84,1 Jahre für Frauen und 78,9 Jahre für Männer). Das zeige Fortschritte bei der Gesundheitsversorgung, dem Lebensstandard und sozialen Verhältnissen. Bis 2100 steige die Lebenserwartung für Männer auf mindestens 86 Jahre und für Frauen voraussichtlich sogar auf über 90 Jahre, heißt es weiter.

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Heute geborene Kinder leben länger ohne schwere Krankheit

Europäer leben dem Bericht zufolge durchschnittlich lange gesund. „Ein Kind, das 2023 in der EU geboren wurde, kann damit rechnen, ohne schwerwiegende Erkrankungen zu leben, bis es 75,3 Jahre alt ist“, teilte die EU-Kommission mit.

Zudem werden Menschen in Europa immer betagter. Im Jahr 2050 wird dem Bericht zufolge fast einer von drei EU-Bürgern 65 Jahre oder älter sein, während es heute noch jeder fünfte ist. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt dem Bericht zufolge von 36 Millionen im Jahr 2025 auf voraussichtlich 48 Millionen bis 2070. Das entspreche dann etwa 11 Prozent der EU-Bevölkerung.

Chance oder Risiko für die Wirtschaft?

Die EU-Kommission sieht in der höheren Lebenserwartung der Bevölkerung einerseits Chancen für mehr Bürgerengagement im höheren Alter und für neue Märkte mit Produkten, die auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten seien. Andererseits werde die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) laut der Analyse zwischen 2025 und 2050 jährlich voraussichtlich um 1,2 Millionen Menschen sinken.

Arbeitnehmer sind in der EU in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich älter geworden. Der Anteil der arbeitenden Personen zwischen 55 und 64 Jahren ist bei Frauen um 13,5 Prozentpunkte gestiegen und bei Männern um 12,2 Prozentpunkte.

Migration soll Alterung abmildern

Die Migration von Fachkräften kann der Mitteilung der EU-Kommission zufolge dazu beitragen, die Folgen der alternden Bevölkerung abzumildern. Sie spiele für die Bevölkerungsentwicklung bereits heute eine entscheidende Rolle. Seit 2012 sterben in der EU jedes Jahr mehr Menschen, als geboren werden. Dass die Einwohnerzahl dennoch weiter gestiegen ist, geht dem Bericht zufolge auf die positive Wanderungsbilanz zurück.

Allein 2024 zogen 4,2 Millionen Menschen aus Staaten außerhalb der EU in die Union. Gleichzeitig wanderten 1,6 Millionen Menschen aus der EU in Drittstaaten aus. Weitere 1,5 Millionen wechselten ihren Wohnsitz von einem EU-Land in ein anderes.

Auch langfristig mehr Zu- als Abwanderung

Auch langfristig geht die EU-Kommission von mehr Zu- als Abwanderung aus. Ohne Migration würde die Bevölkerung bis zum Jahr 2100 nicht nur auf knapp 399 Millionen Menschen sinken, sondern um weitere rund 130 Millionen Menschen niedriger ausfallen. Sie wäre damit etwa 32 Prozent kleiner als in der Hauptberechnung. Auch die Alterung würde sich beschleunigen: Auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter kämen dann deutlich mehr ältere Menschen.

Migration kann den demografischen Wandel nach Einschätzung der Kommission allerdings nur verlangsamen, nicht aufhalten. Zugewanderte sind im Durchschnitt jünger und können dazu beitragen, Arbeitskräfteengpässe zu verringern. Sie werden jedoch ebenfalls älter, und ihre Geburtenraten gleichen sich mit der Zeit häufig denen der übrigen Bevölkerung an.

Eingewanderte oft überqualifiziert

Entscheidend sei deshalb, Zugewanderten eine ihrer Qualifikation entsprechende Beschäftigung zu ermöglichen. Rund 40 Prozent der Hochschulabsolventen aus Nicht-EU-Staaten arbeiten dem Bericht zufolge unterhalb ihres Qualifikationsniveaus. Sprachliche Hürden, Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Abschlüssen und Diskriminierung begrenzten bislang ihren Beitrag zum Arbeitsmarkt.

Zudem brauche es Qualifizierung und Umschulung von bereits in der EU lebenden Menschen. Etwa 20 Prozent der Menschen im erwerbsfähigen Alter innerhalb der EU arbeiten derzeit nicht, heißt es in der Mitteilung. Davon seien auch acht Millionen junge Menschen betroffen. (dpa/mig) Aktuell Gesellschaft

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