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Arbeiter gießen Beton auf der Baustelle (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

Arbeitsmarkt

Ausländer federn Jobrückgang bei Deutschen ab

Die Gesamtzahl der Beschäftigten fällt, doch hinter dem Minus steckt eine drastische Verschiebung: Während die Zahl deutscher Staatsangehöriger rechnerisch einbricht, wächst die Beschäftigung von Ausländern deutlich. Was das für Deutschland bedeutet - und was die Statistik verzerrt.

Montag, 13.07.2026, 13:44 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 13.07.2026, 13:44 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |  

Im April 2026 waren auf dem deutschen Arbeitsmarkt insgesamt rund 150.000 Menschen weniger beschäftigt als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig nahm die Zahl der Beschäftigten ohne deutschen Pass um etwa 190.000 zu. Bei deutschen Staatsangehörigen ging sie damit rechnerisch um rund 340.000 zurück. Das geht aus dem aktuellen Zuwanderungsmonitor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervor.

Besonders stark stieg die Beschäftigung ukrainischer Staatsangehöriger. Binnen eines Jahres kamen knapp 69.000 Beschäftigte hinzu, ein Plus von 21,2 Prozent. Bei Staatsangehörigen aus den acht vom IAB zusammengefassten sogenannten Asylherkunftsländern waren es rund 53.000 oder 7,1 Prozent mehr. Zu dieser statistischen Gruppe gehören Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.

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In eine andere Richtung entwickelt sich die Beschäftigung von Menschen aus der Europäischen Union. Ihre Zahl ging um rund 44.000 oder 1,6 Prozent zurück. Auch die in Deutschland lebende Bevölkerung aus den übrigen EU-Staaten schrumpfte im Vorjahresvergleich. Das ist bemerkenswert, weil die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU über viele Jahre eine der wichtigsten Quellen für zusätzliche Arbeitskräfte war. Inzwischen kommt das Beschäftigungswachstum vor allem aus Staaten außerhalb der Europäischen Union.

Fast das gesamte Plus entfällt auf sozialversicherte Jobs

Der Zuwachs bei ukrainischen Staatsangehörigen und Menschen aus den acht Asylherkunftsländern beruht dabei nicht auf einem Boom der Minijobs. Nach dem aktuellen Faktenblatt der Bundesagentur für Arbeit nahm ihre Beschäftigung zusammen um rund 122.000 Personen zu. Gut 121.000 dieser zusätzlichen Beschäftigten arbeiteten sozialversicherungspflichtig. Das sind mehr als 99 Prozent des Zuwachses.

Bei Menschen aus den acht Asylherkunftsländern sank die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sogar leicht, während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um knapp 54.000 stieg. Bei ukrainischen Staatsangehörigen entfielen gut 67.000 von knapp 69.000 zusätzlichen Beschäftigten auf sozialversicherungspflichtige Stellen. Ob diese Menschen in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten, lässt sich nicht ablesen. Für den Arbeitsmarkt insgesamt gilt laut Juni-Bericht der Bundesagentur: Teilzeit wächst, während Vollzeitstellen zurückgehen.

Vom Warenlager bis zur Pflegeeinrichtung

Wo die zusätzlichen Stellen entstanden sind, weisen die bisher veröffentlichten Daten nicht aus. Sie zeigen aber, in welchen Branchen die beiden Gruppen besonders häufig arbeiten. Männer aus den acht Asylherkunftsländern sind oft im Handel, in der Fahrzeugreparatur, in Verkehr und Logistik sowie im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt. Bei ukrainischen Männern spielen außerdem Bau und Zeitarbeit eine große Rolle. Bei Frauen zeigt sich ein anderes Bild. Sie arbeiten vergleichsweise häufig im Gesundheitswesen, in Pflegeeinrichtungen und sozialen Diensten, im Handel, in Hotels und Gaststätten oder in der Reinigung.

Die Arbeitsmarktdaten zeigen zugleich, wie viel berufliches Potenzial noch ungenutzt bleibt. Von den arbeitsuchenden Menschen aus den acht Asylherkunftsländern suchten im Juni 71 Prozent eine Stelle auf Helferniveau. Bei ukrainischen Staatsangehörigen waren es 59 Prozent. Nur 22 beziehungsweise 33 Prozent waren auf der Suche nach einer qualifizierten Tätigkeit als Fachkraft, Spezialistin, Spezialist oder Expertin und Experte.

Diese Zahlen sagen jedoch nicht etwas über die vorhandene Ausbildung aus. Das ausgewiesene Niveau bezieht sich auf den Beruf, in den eine Person vermittelt werden soll, nicht zwingend auf ihren Abschluss. Eine Ärztin, die wegen fehlender Anerkennung zunächst eine Hilfstätigkeit sucht, erscheint deshalb ebenso in dieser Kategorie wie jemand ohne formalen Berufsabschluss. Sprachkenntnisse, langwierige Anerkennungsverfahren, fehlende Nachweise oder der Druck, möglichst schnell Geld verdienen zu müssen, können dazu führen, dass Menschen weit unterhalb ihrer Qualifikation arbeiten.

Mehr Beschäftigung, aber weiterhin hohe Arbeitslosigkeit

Trotz der Zuwächse bleibt die Arbeitslosigkeit unter Menschen ohne deutschen Pass überdurchschnittlich hoch. Ihre Arbeitslosenquote lag im April bei 14,7 Prozent. Bei Menschen aus den acht Asylherkunftsländern waren es 26,1 Prozent, bei ukrainischen Staatsangehörigen 35,3 Prozent. Zum Vergleich: Die Quote für Deutschland insgesamt lag bei 7,6 Prozent. Allerdings ist die Richtung eindeutig: Binnen eines Jahres sank die Arbeitslosenquote der Menschen aus den Asylherkunftsländern um 2,6 Prozentpunkte, bei ukrainischen Staatsangehörigen sogar um 5,1 Punkte.

Dass die Beschäftigung deutlich wächst und trotzdem viele Menschen arbeitslos bleiben, ist kein Widerspruch. Die Gruppen sind groß und verändern sich laufend. Während ein Teil eine Arbeit aufnimmt, befinden sich andere noch in Sprachkursen, Qualifizierungen oder Anerkennungsverfahren. Hinzu kommen die schwache Konjunktur und eine insgesamt geringe Nachfrage nach neuen Arbeitskräften. Für Eltern, insbesondere für Frauen mit kleinen Kindern, können fehlende Betreuungsplätze und unpassende Arbeitszeiten den Berufseinstieg zusätzlich erschweren.

Weniger Menschen auf Grundsicherung angewiesen

Auch beim Bezug von Grundsicherung geht die Entwicklung nach unten. Im März 2026 erhielten rund 180.000 ausländische Staatsangehörige weniger Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II als ein Jahr zuvor. Bei Menschen aus den acht Asylherkunftsländern sank ihre Zahl um rund 100.000. Unter ukrainischen Staatsangehörigen waren es rund 48.000 weniger. Die Hilfequote lag dennoch bei 39,7 beziehungsweise 51,4 Prozent.

Eine hohe Hilfequote ist jedoch nicht mit einer ebenso hohen Arbeitslosenquote gleichzusetzen. In der Statistik werden nicht nur arbeitsfähige Erwachsene gezählt, sondern auch Kinder und andere Angehörige einer Bedarfsgemeinschaft, die nicht arbeiten können. Zudem beendet eine Arbeitsaufnahme den Leistungsbezug nicht zwangsläufig. Wer in Teilzeit arbeitet, wenig verdient oder mehrere Familienmitglieder versorgt, kann trotz Beschäftigung auf ergänzende Leistungen angewiesen bleiben.

Die Statistik zählt Pässe, nicht Lebensgeschichten

Bei der Einordnung gibt es noch eine weitere Einschränkung: Die Arbeitsmarktstatistik unterscheidet nach Staatsangehörigkeit, nicht nach Einwanderungsgeschichte. Sobald jemand die deutsche Staatsangehörigkeit erhält, wird die Person als deutsche Beschäftigte oder deutscher Beschäftigter gezählt. Das verzerrt die Statistik zugunsten deutscher Staatsbürger und zum Nachteil der Bevölkerungsgruppe mit Migrationsgeschichte deutlich – zumal nur eingebürgert wird, wer seinen Lebensunterhalt vollständig selbst bestreiten kann. Im Jahr 2025 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 332.500 Menschen eingebürgert. Darunter waren etwa 65.600 Menschen, die zuvor die syrische Staatsangehörigkeit besaßen.

Der tatsächliche Beitrag von Menschen mit Einwanderungsgeschichte zum Beschäftigungsstand dürfte deshalb größer sein, als es die nach Pässen geordnete Statistik erkennen lässt. Gleichzeitig sind nicht alle Staatsangehörigen aus den acht Asylherkunftsländern als Geflüchtete nach Deutschland gekommen. Auch die Ukraine-Zahlen umfassen Menschen, die bereits vor dem russischen Angriff im Februar 2022 hier lebten. Die Daten zeigen demnach auch keine genaue Bilanz der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter, sondern die Entwicklung bestimmter Staatsangehörigkeitsgruppen.

Ausgerechnet die benötigten Arbeitskräfte werden ausgebremst

Langfristig ist Deutschland auf weitere Zuwanderung angewiesen. Nach einer Projektion für die Bertelsmann Stiftung wären bis 2040 jährlich rund 288.000 internationale Arbeitskräfte nötig, um den demografisch bedingten Rückgang des Arbeitskräfteangebots zu begrenzen. Ohne zusätzliche Zuwanderung könnte die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte bis dahin um mehrere Millionen sinken. Weil auch viele andere EU-Staaten altern, dürfte ein wachsender Anteil der benötigten Menschen aus Drittstaaten kommen.

Damit verschärft sich ein politischer Widerspruch. Während Betriebe und Arbeitgeberverbände schnellere und einfachere Verfahren verlangen, warten Eingewanderte teils jahrelang auf die Anerkennung ihrer Abschlüsse oder auf Entscheidungen der Behörden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert ebenfalls eine schnellere Anerkennung ausländischer Qualifikationen, warnt aber zugleich vor Ausbeutung und schlechten Arbeitsbedingungen. Die neuen Zahlen zeigen, was dabei auf dem Spiel steht: Menschen ohne deutschen Pass sind längst nicht nur ein künftiges Arbeitskräftepotenzial. Sie verhindern bereits heute, dass der Rückgang der Beschäftigung noch deutlich stärker ausfällt. (mig) Aktuell Wirtschaft

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