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Kellnerin bei der Arbeit (Archiv) © de.depositphotos.com

Arbeitsmarkt-Studie

Vergeudete Potenziale: Zugewanderte arbeiten unter Niveau

Trotz Fachkräftemangels arbeiten viele Zugewanderte unterhalb ihrer Qualifikation. Laut einer Bertelsmann-Studie verdienen ausländische Beschäftigte im Schnitt 19,6 Prozent weniger – auch wegen Sprachhürden, Bürokratie und Diskriminierung.

Von Donnerstag, 02.07.2026, 10:44 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 02.07.2026, 10:03 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Trotz Fachkräftemangels in Deutschland hapert es einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge bei der Arbeitsmarktintegration von zugewanderten Menschen. Ausländische Beschäftigte arbeiteten häufiger in niedrig qualifizierten Positionen, selbst dann, wenn sie einen anerkannten höheren Abschluss hätten, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung. Die Gründe hierfür seien vielfältig und reichten von sprachlichen Hürden über komplizierte Anerkennungsverfahren von Berufserfahrungen bis hin zu Diskriminierung. Entsprechend fällt demnach der Einkommensunterschied aus: Zugewanderte in Beschäftigung erzielen durchschnittlich 19,6 Prozent weniger als deutsche Arbeitnehmerinnen und -nehmer.

Für die Studie wurden Daten aus fast 90 Quellen zum Thema analysiert, unter anderem der Bundesagentur für Arbeit und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Knapp die Hälfte der Beschäftigten in Reinigungsberufen hat den Angaben zufolge eine ausländische Staatsangehörigkeit (47,5 Prozent), in der Lebensmittelherstellung sind es fast 44 Prozent. Die Tourismus- und Gastronomiebranche hat einen Anteil von 36 Prozent. Auch im Engpassberuf Pflege kommt mehr als jeder und jede fünfte Beschäftigte aus dem Ausland.

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Ausländische Beschäftigte im Durchschnitt jünger

In den kommenden Jahren wird sich dieses Phänomen wegen des demografischen Wandels noch verstärken, denn jeder vierte deutsche Beschäftigte ist älter als 55 und geht innerhalb der kommenden zehn Jahre in Rente, wie es hieß. So liege der Anteil der Älteren bei ausländischen Beschäftigten nur bei gut zwölf Prozent. „Auch wenn mancherorts Stellen abgebaut werden, gibt es weiterhin über eine Million offene Stellen in Deutschland“, sagte Tobias Ortmann, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung. Es sei deshalb „höchste Zeit, die Debatte um Zuwanderung zu versachlichen“ und Reformen anzuschieben.

Innerhalb der Gruppe der Zugewanderten gibt laut der Studie große ungenutzte Potenziale. Während rund zwei Drittel (65,8 Prozent) der deutschen Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, liegt der Anteil bei Ausländern und Ausländerinnen bei 52,4 Prozent. In der Gruppe der Zugewanderten seien 59 Prozent Männer und knapp 45 Prozent Frauen tätig, hieß es. Besonders groß sei der Geschlechterunterschied bei Menschen aus Asylherkunftsländern – acht Jahre nach ihrer Ankunft arbeiteten 73 Prozent der Männer, aber lediglich 31 Prozent der Frauen.

Viele Zugewanderte arbeiten als Helfer

Fast 36 Prozent der ausländischen Beschäftigten würden in Betrieben lediglich als Helferinnen und Helfer eingesetzt. Bei Erwerbstätigen aus Asylherkunftsländern seien es sogar knapp 45 Prozent. Selbst Zugewanderte mit anerkanntem Berufs- oder Hochschulabschluss (jeweils 31 und 19 Prozent) fänden häufig keine ihrer Qualifikation entsprechende Tätigkeit, wodurch vorhandenes Wissen weniger produktiv eingesetzt werde und die Betroffenen ein geringeres Einkommen erzielten, heißt es in der Studie. In dieser Qualifikationsgruppe träffe das auf gut 29 Prozent der ausländischen Beschäftigten zu.

Positiv bewertet das Experten-Team der Bertelsmann Stiftung den rückläufigen Bürgergeldbezug in mehreren Herkunftsgruppen. Bei Menschen aus Asylherkunftsländern sank demnach die Quote seit 2020 von 58,2 auf 39,6 Prozent, bei Geflüchteten aus der Ukraine seit 2023 von 64 auf 52,1 Prozent. Gleichzeitig verweist die Studie auf den hohen Anteil von Erwerbstätigen, die trotz Arbeit auf Grundsicherung angewiesen seien.

Stiftung fordert bessere Arbeitsmarktintegration

Die Bertelsmann Stiftung fordert für eine bessere Arbeitsmarktintegration zuallererst mehr Investitionen in die Sprachförderung. Die aktuellen Streichungen von Bundesmitteln für Integrations- und berufsbezogene Deutschkurse seien das „falsche Signal“, betonten die Studienautoren. Zudem mahnten sie weniger Bürokratie bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse, beschleunigte Asylverfahren und eine bessere digitale Vernetzung von Ausländerbehörden und Arbeitsverwaltung an. Eine zentrale Anlaufstelle könnte hier als Schnittschnelle fungieren, um Zugewanderte auf dem Weg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. (epd/mig) Leitartikel Studien Wirtschaft

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