Blaue Karte, Blue Card, Aufenhtlatstitel, eu blue card
Die Blaue Karte EU (elektronischer Aufenthaltstitel) © Bundesgesetzblatt 2012, bearb. MiG

EU-Vergleich

50.700 Euro: Deutschland liegt bei Blue Card über EU-Schnitt

Die Gehaltsschwellen für die EU Blue Card unterscheiden sich in Europa stark. Deutschland verlangt 2026 regulär 50.700 Euro brutto im Jahr – mehr als der Durchschnitt der Staaten, aber weniger als die Niederlande, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Montag, 06.07.2026, 11:50 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 06.07.2026, 11:50 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Deutschland braucht Fachkräfte, steht dabei aber nicht allein da. Auch andere EU-Staaten werben um gut ausgebildete Menschen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union. Wer mit einer EU Blue Card nach Deutschland kommen will, muss 2026 in der Regel mindestens 50.700 Euro brutto im Jahr verdienen. Damit liegt Deutschland über dem Durchschnitt der untersuchten EU-Staaten.

Das geht aus einer aktuellen Untersuchung der privaten Hochschule „Gisma University of Applied Sciences“ mit Standorten in Potsdam und Berlin hervor. Danach unterscheiden sich die Anforderungen innerhalb Europas deutlich: Die niedrigste reguläre Gehaltsschwelle nennt die Analyse für Rumänien mit 19.816 Euro im Jahr, die höchste für die Niederlande mit 71.304 Euro. Der Abstand beträgt damit rund das 3,6-Fache. Der Durchschnitt der von der Gisma untersuchten Staaten liegt bei 41.087 Euro.

___STEADY_PAYWALL___

Die EU Blue Card ist ein Aufenthaltstitel für hochqualifizierte Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. Sie soll qualifizierte Zuwanderung erleichtern und gilt nach Angaben der EU-Kommission in 25 von 27 EU-Mitgliedstaaten; Dänemark und Irland nehmen nicht teil. In Deutschland richtet sie sich unter anderem an Menschen mit Hochschulabschluss oder vergleichbarer Qualifikation, die ein konkretes Arbeitsplatzangebot haben. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) beschreibt sie als Aufenthaltstitel, der die dauerhafte Zuwanderung Hochqualifizierter erleichtern soll.

50.700 brutto in Deutschland

Nach den offiziellen deutschen Vorgaben liegt die reguläre Gehaltsschwelle 2026 bei 50.700 Euro brutto im Jahr. Für sogenannte Engpassberufe, also Berufe mit besonderem Fachkräftemangel, sowie für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger gilt eine niedrigere Schwelle von 45.934,20 Euro. Dazu gehören je nach Fall unter anderem Fachkräfte in bestimmten technischen, naturwissenschaftlichen, medizinischen oder IT-Berufen.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit laut Gisma im oberen Mittelfeld. Höhere reguläre Gehaltsschwellen gelten der Untersuchung zufolge unter anderem in Österreich, Schweden, Frankreich, Luxemburg, den belgischen Regionen Flandern und Wallonien sowie in den Niederlanden. Besonders niedrig sind die Anforderungen demnach in Rumänien, Portugal, der Slowakei, Bulgarien und Kroatien.

Zugang stark vom Zielland abhängig

Die Zahlen zeigen, dass die Blue Card zwar auf einer gemeinsamen europäischen Grundlage beruht, der Zugang für Fachkräfte aber stark vom jeweiligen Zielland abhängt. Für Bewerberinnen und Bewerber kann deshalb nicht nur der Arbeitsplatz entscheidend sein, sondern auch die Frage, ob das angebotene Gehalt die jeweilige nationale Schwelle erreicht.

Unterschiede gibt es laut Untersuchung auch bei den Gebühren. Während Bulgarien für die Erstausstellung der Karte 56 Euro verlange, liege Malta mit 600 Euro an der Spitze. Finnland folge mit 530 Euro, Frankreich mit 449 Euro. Deutschland gehört nach Angaben der Gisma mit 100 Euro zu den günstigeren Ländern.

Unterschiedliche Laufzeiten

Auch die Laufzeiten sind nicht einheitlich. Bulgarien, Estland, die Slowakei und die Niederlande stellen die Karte laut Gisma für bis zu fünf Jahre aus. Österreich, Finnland, Portugal und Malta begrenzen die erste Laufzeit dagegen auf höchstens zwei Jahre.

Die Gisma verweist zudem auf mehrere Änderungen im Jahr 2026. Frankreich habe zum 1. Mai sowohl die Gehaltsschwelle als auch die Gebühren erhöht. Schweden führe neue Gehaltsregeln ein, mache eine umfassende Krankenversicherung zur Pflicht und verlängere die Laufzeit der Karte auf vier Jahre. Malta habe die Gebühren verdoppelt und verlange vor der Einreise einen verpflichtenden Qualifikationsnachweis.

Gisma-Präsident kritisiert unterschiedliche Vorgaben

Gisma-Präsident Ramon O’Callaghan sieht in den unterschiedlichen Vorgaben ein Hindernis für internationale Fachkräfte. „Europa braucht transparentere und leichter zugängliche Wege zur EU-Blue-Card, um sicherzustellen, dass hochqualifizierte Fachkräfte nicht durch bürokratische Hürden aufgehalten werden“, erklärte er.

Die Untersuchung basiert nach Angaben der Hochschule auf Recherchen in offiziellen Portalen der zuständigen nationalen Behörden, Daten des EU-Kommissionsportals sowie Auswertungen von Beratungsunternehmen und Migrationsrechtsberichten. Die Gisma bezeichnet die Analyse selbst als Momentaufnahme, weil sich Vorgaben in vielen Ländern regelmäßig ändern und offizielle Quellen nicht immer tagesaktuell seien. (mig) Aktuell Panorama

Zurück zur Startseite
MiGLETTER (mehr Informationen)

Verpasse nichts mehr. Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.

MiGGLIED WERDEN
Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)