
Von Tah bis Özil
Nach WM-Aus: Mehr rassistische Kommentare bei der Fußball-WM
Nach dem frühen WM-Aus stellt sich das DFB-Team sportlicher Kritik, prangert aber Hasskommentare an. Besonders Jonathan Tah wurde im Netz angegriffen – oft mit Anspielungen auf seine Hautfarbe. Auch die Niederländer und die Fifa beklagen ähnliche Probleme. Das weckt Erinnerungen.
Donnerstag, 02.07.2026, 10:55 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 02.07.2026, 10:40 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
Das DFB-Team hat sich in den sozialen Medien bei seinen Fans für die Unterstützung während der Fußball-WM bedankt, Selbstkritik für das frühe Aus geübt – aber auch diskriminierende Hasskommentare angeprangert.
„Der Kritik an unseren Leistungen stellen wir uns. Sie ist berechtigt und gehört zum Sport. Hass aber gehört nicht dazu. Rassismus und andere Diskriminierungen akzeptieren wir nicht“, heißt es in einem Post beim Instagram-Account der Nationalmannschaft mit seinen 7,6 Millionen Followern: „Der Fußball steht für Gemeinschaft und Zusammenhalt, nicht für Spaltung.“
Das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann war nach dem frühen WM-Aus in der ersten K.-o.-Runde gegen Paraguay auch im Internet stark kritisiert worden. Einige Kommentare gingen weit über das Sportliche hinaus. Obwohl drei deutsche Spieler im entscheidenden Elfmeterschießen verschossen, verdichtete sich die Kritik auf den Nationalspiele Jonathan Tah – oft mit Anspielungen auf seine Hautfarbe.
Niederländische Fehlschützen rassistisch beleidigt
Ähnliche Erfahrungen machten auch die Oranjes. Nach ihren Fehlversuchen im Elfmeterschießen waren etwa die drei niederländischen Profis Justin Kluivert, Quinten Timber und Crysencio Summerville in den sozialen Medien zum Teil rassistisch beleidigt worden. Das Trio schloss deshalb die Kommentarfunktionen in den jeweiligen Accounts. Der niederländische Verband KNVB verurteilte die Beleidigungen und rief dazu auf, entsprechende Beiträge zu melden.
„Fußball bringt Millionen verschiedene Menschen zusammen und Diskriminierung sorgt für das Gegenteil. Das widerspricht also allem, wofür der Fußball steht“, hieß es in einer Stellungnahme des Verbands. Die Niederlande waren im Sechzehntelfinale im Elfmeterschießen an Marokko gescheitert.
FIFA: Mehr rassistische Kommentare bei der WM
Alle Hände voll zu tun hat auch die Fifa. Rassistische Kommentare während der Fußball-WM haben nach Angaben der Weltfußballverbands in den sozialen Medien stark zugenommen. Elf Prozent aller als beleidigend eingestuften Beiträge seien auf eine Art rassistisch, teilte der Fußball-Weltverband unter Verweis auf erhobene Daten mit. Das sei ein Zuwachs um drei Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt bei der vergangenen WM in Katar im November und Dezember 2022. Den Angaben zufolge wurden 1.000 Accounts an Strafverfolgungsbehörden gemeldet.
Die FIFA beruft sich dabei auf den Social Media Protection Service (SMPS), der die Accounts von an der WM teilnehmenden Teams, Spielern, Trainern und Schiedsrichtern scannt und beleidigende Kommentare unsichtbar macht. So sollen die Akteure vor den Auswirkungen der Beleidigungen geschützt werden.
Rassismus keine Ausnahme im Fußball
Diese Fälle stehen nicht für sich allein. Immer wieder werden Spieler mit Schwarzer Hautfarbe, die für Nationalteams mehrheitlich weißer Gesellschaften auflaufen, nach Fehlern oder schwachen Leistungen zur Zielscheibe rassistischer Angriffe. Die Zugehörigkeit, die ihnen bei Erfolgen oft selbstverständlich zugeschrieben wird, wird im Moment des Scheiterns infrage gestellt. Spieler der französischen Nationalmannschaft brachten diese Erfahrung einst auf die Formel: „Wenn wir gewinnen, sind wir Franzosen, wenn wir verlieren, sind wir es nicht.“
Auch in Deutschland ist diese Debatte nicht neu. Der frühere Nationalspieler Mesut Özil hatte nach seinem umstrittenen Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und der anschließenden Kritik seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Dabei warf er dem DFB und Teilen der Öffentlichkeit Rassismus vor: „Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, aber Immigrant, wenn wir verlieren.“
Sein Rücktritt gilt bis heute als Einschnitt – nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich. Seitdem wird im deutschen Fußball immer wieder darüber diskutiert, warum sich junge Talente mit türkischer Familiengeschichte häufiger für die Türkei spielen. (dpa/mig) Aktuell Gesellschaft
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