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Internationale Studierende im Hörsaal © de.depositphotos.com

Bund streicht Studienhilfe für Zugewanderte ab Ende 2026

Ein bundesweites Förderprogramm hilft Zugewanderten beim Weg an die Hochschule. Ende 2026 soll damit Schluss sein. Opposition und Beratungsstellen warnen vor Folgen für Bildungschancen und Fachkräftesicherung.

Montag, 29.06.2026, 15:06 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 29.06.2026, 17:12 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Ein bundesweites Förderprogramm für studieninteressierte Zugewanderte steht vor dem Aus. Die Bundesregierung will den „Garantiefonds Hochschule“ nach mehr als 50 Jahren Ende 2026 auslaufen lassen. Das berichtet das Recherchezentrum „Correctiv“. Betroffen sind junge Zugewanderte, Geflüchtete sowie Spätaussiedler, die in Deutschland ein Studium aufnehmen oder fortsetzen wollen.

Das Programm unterstützt Studieninteressierte unter anderem mit Bildungsberatung, Sprachkursen und Stipendien. Nach den Förderrichtlinien des zuständigen Bundesministeriums soll es jungen Zugewanderten bis 30 Jahre ermöglichen, die Hochschulreife zu erwerben, ein Studium vorzubereiten oder ein bereits begonnenes Studium fortzusetzen.

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Mehr als 75.000 Beratungen

Nach Angaben der bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit angesiedelten Koordinierungsstelle des Programms wurden zwischen 2020 und 2025 mehr als 75.000 Beratungen durchgeführt. Besonders wichtig sind demnach die Sprachkurse: 83 Prozent der Teilnehmenden erreichten das für ein Studium erforderliche Sprachniveau C1. Im Schnitt hätten jährlich rund 570 Teilnehmende von Sprachkursen anschließend ein Studium aufgenommen.

Die Beratungsstellen und Kursanbieter wurden nach eigenen Angaben Ende Mai über das geplante Aus informiert. Auf der Internetseite der Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule heißt es, das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend habe am 29. Mai 2026 mitgeteilt, dass die Finanzierung des Bundesprogramms nach mehr als 50 Jahren Ende 2026 eingestellt werde.

Ministerium verweist auf Haushalt und Zuständigkeit

Eine Sprecherin des Ministeriums verteidigte die Entscheidung gegenüber „Correctiv“. „Eine Fortführung des Programms hätte vor dem Hintergrund der haushaltspolitischen und strukturellen Rahmenbedingungen keine tragfähige Grundlage“, sagte sie. Zudem verwies das Ministerium auf Förderangebote der Länder, der Hochschulen und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Nach Angaben des Ministeriums stehen für den Garantiefonds Hochschule im Bundeshaushalt 2026 noch 16,3 Millionen Euro aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans zur Verfügung. Im Jahr 2025 seien rund 6.500 Menschen beraten und knapp 1.300 Personen zu Programmmaßnahmen zugelassen worden.

Widerspruch zur Fachkräftestrategie

Die geplante Einstellung steht in einem Spannungsverhältnis zur Fachkräftepolitik des Bundes. Deutschland versucht seit Jahren, mehr internationale Studierende zu gewinnen und nach dem Abschluss im Land zu halten, um den Fachkräftebedarf abzumildern. Der Deutsche Akademische Austauschdienst bezeichnet internationale Studierende als „Fachkräfte von morgen“. Werden zugleich Förderstrukturen für Zugewanderte auf dem Weg an die Hochschule abgebaut, könnte das den politischen Zielen bei Fachkräftesicherung und Integration entgegenlaufen.

Entsprechende Kritik kommt von Grünen und Linken. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Anja Reinalter, hält die Begründung über geänderte Zuständigkeiten für unzureichend. Die Bundesregierung müsse erklären, warum ein seit Jahrzehnten bestehendes und nachgefragtes Programm ohne erkennbare Übergangsregelung und ohne Anschlusskonzept beendet werden solle.

Linke: „Bildungspolitischer Skandal“

Noch deutlicher äußerte sich Nicole Gohlke, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion und Sprecherin für Bildung und Wissenschaft. „Wer Fachkräftegewinnung und Chancengerechtigkeit ernst meint, darf funktionierende Förderstrukturen nicht einfach zerschlagen“, sagte sie. Die geplante Einstellung des Garantiefonds Hochschule sei ein „bildungspolitischer Skandal“. Gohlke forderte, die Entscheidung zurückzunehmen und das Programm dauerhaft abzusichern.

Für die betroffenen Studieninteressierten könnte das Aus des Programms eine Lücke hinterlassen. Denn der Garantiefonds verbindet Beratung, Sprachförderung und finanzielle Unterstützung für den Hochschulzugang. Ob Länder, Hochschulen oder andere Programme diese Struktur ersetzen können, ist bislang offen. (mig) Leitartikel Politik

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