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Studium in der Bibliothek (Archiv) © andrew_t8 @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Studie

Wegfall von Studentenjobs könnte Bildungschancen verringern

Viele Studierende haben in der Corona-Krise ihre Nebenjobs verloren. Einer aktuellen Studie zufolge reißt das die Bildungsschere zwischen Arm und Reich weiter auseinander. Studentenverbände sprechen von einer Schuldenfalle. Forscher fordern Lösungen.

Mittwoch, 27.05.2020, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 27.05.2020, 11:49 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

In der Corona-Krise verlieren viele Studenten ihre Nebenjobs. Laut einer am Dienstag vorgestellten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) trifft dies vor allem Hochschüler aus Nicht-Akademikerfamilien. Mit dem Wegfall eines Zusatzverdienstes wachse ihre finanzielle Unsicherheit und damit die Wahrscheinlichkeit von Studienabbrüchen.

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„Das könnte gesamtwirtschaftlich betrachtet hohe Kosten mit sich bringen. Hierbei ist einerseits an die öffentlichen Ausgaben für nicht abgeschlossene Studiengänge, andererseits aber auch an zukünftig fehlende Fachkräfte zu denken“, führen die Wirtschaftswissenschaftler aus.

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Kritik an Rettungsschirm für Studierende

Sie empfehlen daher, über eine temporäre Erhöhung des Bafög-Satzes sowie eine weitere Ausdehnung des Berechtigtenkreises für eine staatliche Ausbildungsförderung nachzudenken. Die bisherigen staatlichen Hilfen wie neue Kredite und ein Nothilfefonds könnten nicht ausreichen, warnt das Forschungsinstitut.

An den bisherigen Hilfsmaßnahmen wird bemängelt, dass diejenigen, die das neue Darlehen und die Zinsen zurückzahlen müssen, dann vor noch größeren Problemen stehen werden und die Verschuldung für sie weiter zunimmt. Kostenüberlegungen könnten außerdem manche potenzielle Studienanfänger ohne akademischen Familienhintergrund davon abhalten, überhaupt erst ein Studium aufzunehmen.

Bildungsschere geht weiter auseinander

Damit würde der sogenannte „Education Gap“ im Hochschulbereich weiter zunehmen und somit der Bildungshintergrund der Eltern eine noch größere Rolle bei der Entscheidung für oder gegen die Aufnahme eines Studiums spielen. Als „Education Gap“ werden Unterschiede in der Bildungsleistung bezeichnet zwischen Gruppen von Studierenden, die durch ihren Status, der ethnischen Zugehörigkeit oder Geschlecht definiert sind.

Kritik an den bisherigen Hilfsmaßnahmen der Politik übt auch der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS). „Studierende sind in der Krise auf echte Hilfe angewiesen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung treibt sie mit dem Studienkredit weiter in die Schuldenfalle“, empört sich Fabian de Planque, Finanzreferent des BAS. Gerade für internationale Studierende sei dieser Kredit keine Option, denn sie könnten diesen längstens 9 Monate beziehen und zahlten danach jahrelang Zinsen.

Forscher fordern Lösungen

Untersuchungen zeigen, dass ausländische Studierende überdurchschnittlich oft sich mit Nebentätigkeiten über Wasser halten, soweit die Gesetze es erlauben. Im Gegensatz zu EU-Bürgern dürfen Studierende aus sogenannten Drittstaaten höchstens 120 Tage im Jahr ohne gesonderte Genehmigung arbeiten. „Sie können sich einen verzinsten Kredit schlichtweg nicht leisten“, stellt Nadia Galina, hochschulpolitische Referentin des BAS, fest.

Die DIW-Forscher drängen die zuständigen Kultusminister zur Eile: Sie sollten „sehr rasch zu weiteren konkreten Lösungen kommen, die die Gruppe der betroffenen Studierenden unterstützen“. So könnte etwa eine Erhöhung des Bafög-Regelsatzes relativ schnell realisiert werden.  (epd/mig)

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