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Berechnungen (Symbolfoto) © stevepb @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Teufel im Detail

Zinsloses Darlehen für ausländische Studierende eine Schuldenfalle?

Das Darlehensmodell für ausländische Studierende zur Überbrückung der Corona-Pandemie stößt bei Studierenden-Verbände auf scharfe Kritik. Bildungsministerin Karliczek verschweige Details, der Staat verdiene an Studierenden in Not.

Freitag, 08.05.2020, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 07.05.2020, 17:55 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Darlehens-Lösung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek für deutsche und ausländische Studierende zur Überbrückung der Corona-Pandemie stößt bei Verbänden auf scharfe Kritik. Was die Ministerin präsentiert habe, sei eine Mogelpackung. Den Studienkredit der KfW-Bank gebe es schon seit 2006 – die Bedingungen zur Aufnahme dafür werden in der Krise nicht angepasst, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Studierenden-Verbände.

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„Das von Frau Karliczek vorgestellte Modell zeichnet sich angeblich durch Zinsfreiheit aus. Das stimmt aber tatsächlich nicht!“ erklärt Amanda Steinmaus vom „Studentischen Bundesverband“. Der Staat übernehme nur im ersten Jahr die anfallenden Zinsen. Danach würden auf den gesamten Darlehensbetrag übliche Zinsen anfallen.

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Katrin Lögering vom „Landes-Asten-Treffen NRW“ rechnet exemplarisch für eine Auszahlungsphase von 12 Monaten vor: „Die Zinsen, die der Bund in diesem einen Jahr bis zum März 2021 übernimmt, betragen maximal 152,65 Euro. Die Zinslast, die sich danach bis zur Abzahlung des Kredits (inklusive der rund 500 Euro Zinsen während der 18-monatigen Karenzphase) anhäuft, muss von den Studierenden getragen werden – Dabei handelt es sich um 3.631,95 Euro Zinsen bei einer Tilgungsrate von 50 Euro im Monat nach der Karenzphase und damit um eine Gesamtzinslast von rund 4 100 Euro.“ Je schlechter es den Studierenden finanziell gehe, desto höher sei demnach die Zinslast – auch in der Krise!

Schuldenfalle

„Auch ansonsten scheinen die normalen Konditionen eines KfW-Studienkredits zu gelten. Das bedeutet insbesondere, dass die Rückzahlung nach 1,5 Jahren, also meist schon während des Studiums, beginnt“, ergänzt Nathalie Schäfer, Sprecherin des „Bundesausschusses der Studentinnen und Studenten der GEW“. Für Studierende, die den Weg in die Schulden wagen, werde es so nach der Krise kaum möglich sein, normal zu studieren – wenn sie nicht sogar aufgrund der Schulden ihr Studium abbrechen, lautet die Kritik weiter. Andere Studierende würden vermutlich vor den Schulden zurückschrecken und jetzt schon das Studium abbrechen.

Paul Senf, Sprecher der „Konferenz Sächsischer Studierendenschaften“, weist noch auf einen weiteren Punkt hin: „Nicht nur die Konditionen des KfW-Kredits sind problematisch. Auch die Voraussetzungen dafür bleiben unverändert. Das heißt, Studierende über dem 10. Semester oder Studierende, die einen anderen Studienkredit noch nicht abbezahlt haben, bekommen keinen Kredit als ‚Überbrückungshilfe‘ in Zeiten von Corona. Dadurch fallen viele betroffene Studierende weiter durchs Raster.“ Damit breche Ministerin Karliczek ein weiteres Versprechen, dass allen Studierenden in Not geholfen werde.

Darlehen „hochproblematisch“

Über die zunächst verschwiegenen Details gibt es Vanessa Gombisch vom „Bundesverband ausländischer Studierender“ zufolge weitere Kritikpunkte: „Die Darlehenslösung an sich ist hochproblematisch. Insbesondere internationale Studierende stehen vor einer unmöglichen Aufgabe. Sie sollen sich verschulden, um die Krise zu überstehen. Nach der Krise sind sie faktisch gezwungen, mehr zu arbeiten als es ihnen gesetzlich erlaubt ist. Sie müssen dann ja den Kredit abbezahlen und zugleich Miete und Essen finanzieren. Das geht nur, indem sie ihren Aufenthaltsstatus riskieren, um ihn zu behalten – paradox.“

Schließlich sei auch die Höhe des angekündigten Nothilfefonds ungeeignet, um die vielen Probleme mit der Darlehenslösung aufzufangen. Jonathan Wiegers, „Sprecher der Brandenburgischen Studierendenvertretung“ erklärt warum: „Wir gehen von etwa 750.000 Studierenden in finanziellen Notlagen aus. Selbst wenn nur ein kleiner Teil davon, beispielsweise 125.000 Personen, eine Zahlung aus dem Fonds erhielte, entspräche das pro Person einer Einmalzahlung in Höhe von 800 Euro. Das reicht knapp für einen Monat. Es ist also nicht einmal genug, um die aufgebauten Schulden aus den vergangenen beiden Monaten auszugleichen“, so Wiegers.

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