
Ein Jahr nach Lorenz’ Tod
Rassismus-Vorwurf: Hunderte fordern Aufklärung
Hunderte Menschen erinnern in Oldenburg an Lorenz und fordern Aufklärung. Im Zentrum steht nicht nur ein tödlicher Polizeieinsatz, sondern die größere Frage, ob rassistische Muster in Behörden noch immer ignoriert werden.
Montag, 20.04.2026, 12:35 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 20.04.2026, 12:35 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Rund ein Jahr nach den tödlichen Polizeischüssen auf den 21-jährigen Lorenz haben Hunderte Menschen in Oldenburg gegen Polizeigewalt demonstriert. Die Demonstranten erinnerten an den jungen Mann, der bei einem Polizeieinsatz in der Nacht zum 20. April 2025 in der Fußgängerzone erschossen wurde. Der Polizist ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Ob der Fall vor Gericht verhandelt wird, entscheidet das Landgericht Oldenburg.
Der gewaltsame Tod des Schwarzen hatte weit über die Grenzen der niedersächsischen Stadt hinaus für Entsetzen, Anteilnahme und eine erneute Debatte über Rassismusproblem bei der Polizei gesorgt. Experten zufolge wäre Lorenz nicht erschossen worden, wenn er blond statt Schwarz gewesen wäre. Auch die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ und andere Aktivisten befürchten, dass die Schüsse auf den Schwarzen einen rassistischen Hintergrund haben.
Was die Demonstranten fordern
Unter dem Titel „Ein Jahr ohne Lorenz“ versammelten sich auf dem Pferdemarkt nach Angaben der Polizei rund 700 Menschen. Die Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ hatte im Vorfeld der angemeldeten Kundgebung rund 5.000 Teilnehmer erwartet. Auf Bannern und Plakaten von Demonstrationsteilnehmern war etwa „Gerechtigkeit für Lorenz“ und „Gerechte Aufklärung jetzt!“ zu lesen.
„Mit der Demonstration wollen wir unsere Solidarität mit den Angehörigen von Lorenz ausdrücken und ein würdevolles und kraftvolles Zeichen in Gedenken an Lorenz setzen“, teilte die Initiative mit. Gleichzeitig will die Initiative darauf aufmerksam machen, dass der gewaltsame Tod von Lorenz aus ihrer Sicht kein Einzelfall ist. Dazu beteiligten sich an der Kundgebung auch Gruppen, die an andere durch Polizeigewalt ums Leben gekommene Menschen erinnern.
Hinterbliebene fordern Anklage wegen Totschlag
„Wir fordern einen strukturellen Wandel“, teilte die Initiative mit. Dazu gehöre unabhängige Ermittlungsstellen auf Bundes- und Landesebene, die vollständig von Polizei und Staatsanwaltschaft getrennt seien, sowie zivilgesellschaftlich getragene Untersuchungskommissionen bei jedem tödlichen Polizeieinsatz. Außerdem spricht sich die Initiative unter anderem für eine bundesweit verbindliche Bodycam-Pflicht und verpflichtende rassismuskritische Inhalte in der Polizeiausbildung aus.
Der 21 Jahre alte Lorenz war in der Nacht zum Ostersonntag 2025 erschossen worden. Die Kugeln trafen den Deutschen von hinten in Oberkörper, Hüfte und Kopf. Der deutsche Beamte, der schoss, soll den Ermittlungen zufolge irrtümlich geglaubt haben, sich in einer Notwehrlage zu befinden. Laut der Staatsanwaltschaft wollte der 21-Jährige zum Zeitpunkt der Schüsse jedoch fliehen, um nicht festgenommen zu werden. Freunde und Familie des Getöteten fordern eine Anklage wegen Totschlags. (dpa/mig) Aktuell Panorama
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