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European Union Agency for Asylum © European Union Agency for Asylum @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

EU-Agentur

Erneut deutlicher Rückgang von Asylanträgen

Die Zahl der Asylanträge ist 2025 in weiten Teilen Europas um rund ein Fünftel gesunken – in Deutschland sogar um ein Drittel. EU-Migrationskommissar spricht von einer „Migrationswende“. Die Kritik an diesem Kurs ist weiter aktuell.

Mittwoch, 04.03.2026, 11:45 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 04.03.2026, 11:45 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die Zahl der Asylanträge ist 2025 in der Europäischen Union und mehreren anderen europäischen Staaten um rund ein Fünftel zurückgegangen. Die 27 EU-Staaten sowie Norwegen, die Schweiz, Island und Liechtenstein verzeichneten im vergangenen Jahr rund 822.000 Asylanträge – 19 Prozent weniger als im Vorjahr, wie aus dem am Dienstag in Malta veröffentlichten Jahresbericht der EU-Asylagentur (EUAA) hervorgeht.

Grund für den Rückgang ist laut Bericht vor allem, dass nach dem Sturz von Langzeitherrscher Baschar al-Assad Ende 2024 deutlich weniger Menschen aus Syrien (minus 72 Prozent) Asylanträge stellten. Auch die Zahl der Anträge aus der Türkei (minus 40 Prozent) und Bangladesch (minus 15 Prozent) ging demnach zurück.

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EU-Kommissar: „Migrationswende wirkt“

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner erklärte: „Der deutliche Rückgang der Asylanträge in der EU im vergangenen Jahr zeigt: Unsere europäische Migrationswende wirkt bereits.“ Ein zentraler Faktor sei das konsequente Engagement in Ländern entlang der Migrationsrouten. „Dieses Engagement wird uns auch bei neuen Fluchtbewegungen helfen, früher und besser reagieren zu können.“ Die EU-Kommission investiere gezielt in die Stabilisierung der Lage in Syrien und in die Bekämpfung von Schlepperei.

Kritiker indes verweisen darauf, dass der Rückgang der Asylanträge auch mit der Auslagerung europäischer Grenzpolitik zusammenhängt. Die EU hat in den vergangenen Jahren umstrittene Asylpakte mit mehreren afrikanischen Staaten geschlossen, darunter etwa Tunesien, Ägypten und Mauretanien. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International werfen diesen Partnerländern vor, Geflüchtete und Asylsuchende systematisch zu misshandeln – durch willkürliche Inhaftierungen, Gewalt und Folter. Der Vorwurf lautet, dass die EU diese Staaten finanziell unterstützt, damit sie Menschen schon weit vor Europas Grenzen aufhalten.

Das Gemeinsame Europäische Asylsystem

Brunner rief dazu auf, die Umsetzung des europäischen Asylsystems zu vollenden und die neuen Möglichkeiten zu nutzen. „Denn damit schützen wir unser Asylsystem vor weiterem Missbrauch und können auch künftig sicherstellen, dass diejenigen, die unseren Schutz brauchen, ihn auch bekommen“, sagte er.

Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (Geas) soll die Einreise von Geflüchteten besser ordnen und deren Verteilung zwischen den EU-Staaten fairer gestalten. Die EU-Mitgliedstaaten müssen die Geas-Reform bis Mitte 2026 umsetzen.

Deutschland auf Platz eins, aber mit deutlichem Rückgang

Die Bundesregierung hat die Umsetzung bereits auf den Weg gebracht. Die Opposition kritisiert, dass die deutschen Regeln weit über das von der EU beschlossene Rahmen gehen und deutlich schärfer sind. Menschenrechtler sehen dafür keinen Grund mehr, weil die Asylzahlen in Deutschland zuletzt eingebrochen sind.

In Deutschland wurden 2025 mit 163.000 zwar weiterhin die meisten Asylanträge in der EU und ihren Partnerstaaten gestellt – allerdings ein Drittel weniger als 2024. In Frankreich (152.000) blieb die Zahl stabil. Spanien (143.000) verzeichnete einen Rückgang um 15 Prozent, Italien (134.000) und Griechenland (62.000) jeweils um 16 Prozent. Zusammen nahmen diese fünf Staaten 80 Prozent aller Asylanträge entgegen.

Die nun veröffentlichten Zahlen unterscheiden sich nur geringfügig von offiziellen Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), das 2025 rund 168.000 Anträge zählte, davon etwa 113.000 Erstanträge. Der Bericht der EU-Asylagentur berücksichtigt ebenfalls Erst- und Folgeanträge – schlüsselt sie allerdings nicht einzeln auf. (epd/dpa/mig) Aktuell Panorama

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