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Ramadan (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

Ramadan und Passionszeit

Warum Christen und Muslime fasten

Das gibt es nicht jedes Jahr: Die christliche und die islamische Fastenzeit beginnen gleichzeitig. Musliminnen und Christinnen berichten, was der religiös motivierte Verzicht für sie bedeutet und was die nächsten Wochen für sie so besonders macht.

Von Montag, 16.02.2026, 12:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 16.02.2026, 12:26 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Dieses Jahr fasten Christen und Muslime zur gleichen Zeit: Viele Christen ab Aschermittwoch (18. Februar), und mit einem Gebet am Abend des 18. Februar beginnt auch der islamische Ramadan, ab 19. Februar fasten Muslime. Dass Passionszeit und Ramadan gleichzeitig stattfinden, ist etwas Besonderes. Der islamische Kalender orientiert sich an den Zyklen des Monds und wandert jedes Jahr um 10 bis 12 Tage im Kalenderjahr nach vorn. Die christliche Fastenzeit beginnt immer knapp sieben Wochen vor Ostern, das in diesem Jahr am 5. April gefeiert wird. Vier Frauen aus Baden-Württemberg erklären, was sie zu dem Verzicht motiviert:

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Christin Gabriele Müller fastet seit 30 Jahren

Die Christin Gabriele Müller aus Malmsheim im Landkreis Böblingen begeht bereits seit etwa 30 Jahren bewusst die Fastenzeit und verzichtet auf Schokolade und seit einigen Jahren auch auf Alkohol. Das Schöne sei, dass man dadurch lerne, bewusst zu genießen, sagt sie: „Der erste Biss in eine Praline oder das erste Schokoladenstück schmeckt nach 40 Tagen Fasten dann herrlich. Und auch der erste Schluck Wein ist ein ganz besonderes Geschmackserlebnis.“

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Sie faste nicht, um abzunehmen, sondern für sie passe der Verzicht gut in die Passionszeit, da diese auch eine Zeit der Vorbereitung auf Ostern und der Erinnerung an das Leiden Jesu sei. Ostern sei dann ein Grund zur Freude, „weil wir feiern, dass Jesus wieder auferstanden ist“. Und diese Freude zeige sich auch in dem Genuss an den Dingen, die man sich vorher nicht gegönnt habe, sagt die 52-Jährige.

Muslimin Seher Sucu: Ramadan-Fasten kann das Mitgefühl mit Armen stärken

Für die Muslimin Seher Sucu aus Stuttgart ist das Ramadan-Fasten zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang vergleichbar mit einem Gebet, „weil du das ebenso wie ein Gebet ganz bewusst für Gott tust“. Sie gehe dann gerne in die Moschee zum abendlichen Fastenbrechen: „Ich liebe es, in der Gemeinschaft zu sein und gemeinsam zu beten, das hat eine ganz andere Dynamik.“ Außerdem erfahre man beim Fasten körperlich und seelisch, wie es sei, Hunger zu haben. „Das sorgt für eine große Dankbarkeit, dass es mir so gut geht und ich täglich zu essen habe – und für Mitgefühl mit armen Menschen, die tagtäglich hungern müssen.“

Insgesamt nimmt Sucu, die Referendarin an einem Gymnasium ist, den Fastenmonat als sehr gesegnet wahr, wie sie sagt: Die Gläubigen befassten sich mit dem Koran und man wachse innerlich in dieser Zeit im Glauben. Das „Zuckerfest“, der Abschluss des Fastens, sei etwas ganz Besonderes, wenn die Älteren mit den Jüngeren gemeinsam feierten. „Das ist wie die Belohnung am Ende eines Marathonlaufs“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Muslimin Sofia Azizi: Arbeit in der Bäckerei während des Ramadans

Das Fasten im Ramadan hilft auch Sofia Azizi aus Renningen im Landkreis Böblingen, mit hungernden Menschen noch mehr mitzufühlen, wie sie erzählt: „Wir fasten nur einen Monat und haben nach Sonnenuntergang wieder zu essen. Wir müssen also nur vielleicht 12 bis 14 Stunden fasten. Und die armen Leute haben die ganze Zeit Hunger.“ In ihrer Heimat in Afghanistan habe ihre Familie deshalb auch arme Menschen unterstützt und ihnen etwas zum Essen vorbeigebracht.

Sie hat mit dem Fasten begonnen, als sie 14 Jahre alt war. „Fasten ist eine der fünf Säulen im Islam und eine Pflicht“, erklärt die gläubige Muslimin. Aber natürlich gebe es Ausnahmen, schwangere und stillende Frauen müssten nicht fasten, weil die Gesundheit der Mutter und des Kindes vorgehe. Azizi hat selbst einen drei Monate alten Sohn und arbeitete vor ihrer Elternzeit als Verkäuferin in einer Bäckerei. „Mir hat es nichts ausgemacht, Kuchen und Brot zu verkaufen, während ich gefastet habe, das war völlig egal.“ In der Mittagspause habe sie dann etwas geruht oder geschlafen und nachmittags weitergearbeitet.

Ihre Familie wird dieses Jahr wieder fasten. Aber sie werden kein opulentes Abendessen zubereiten, sagt sie. Sich den Bauch vollzuschlagen, sei nicht gesund. „Vielleicht gibt es ein, zwei Datteln zum Fastenbrechen und dann beten wir und trinken viel Wasser. Und ein paar Stunden später essen wir etwas Suppe oder Reis.“

Pfarrerin Bettina Auerswald: Fasten ist ein Schatz

Regelmäßiges Fasten gehört für Pfarrerin Bettina Auerswald aus Neuenstadt am Kocher auch außerhalb der Passionszeit zum Alltag. Sie versucht, jeden Donnerstag auf Essen zu verzichten. Ihr Alltag sei oft sehr voll mit ihren drei Töchtern und dem Job, da helfe es, wenn man an einem Tag das Essen ausfallen lasse, sagt sie: „Man merkt plötzlich mal wieder: Was ist eigentlich wichtig im Leben? Man wird so ein bisschen reduziert aufs Wesentliche. Ich spüre, dass mir zum Beispiel Bibellesen guttut oder wenn ich es schaffe, nehme ich mir dann auch Raum, um etwas mehr Zeit fürs Gebet zu haben.“

In der Passionszeit vor Ostern wird sie auf jeden Fall weiter donnerstags fasten, vielleicht auch mal eine ganze Woche. Sie ist überzeugt, „dass Fasten ein Schatz ist, den vor allem wir evangelische Christen fast vergessen haben“. Dabei könne Fasten helfen, zur Ruhe zu kommen. „Fasten ist eine Erfahrung, die ich mit dem ganzen Körper mache. Und ich glaube, dass es sehr wertvoll sein kann für Einzelne, das zu entdecken und sich auf diesen Weg zu machen, der zunächst erst mal Verzicht bedeutet, bis man merkt, dass in dem Verzicht ein großer Gewinn steckt.“ (epd/mig) Aktuell Gesellschaft

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