
Lehrerpräsident gegen Obergrenze
Deutsche Eltern würden auf Privatschulen ausweichen
Bildungsministerin Prien hält eine Obergrenze für Migranten an Grundschulen für „ein denkbares Modell“. Der Lehrerverband warnt vor den Folgen: Deutsche Eltern würden ihre Kinder aus staatlichen Schulen nehmen. Auch die Bundesschülerkonferenz ist dagegen.
Montag, 07.07.2025, 13:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 07.07.2025, 20:48 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, hält den Vorstoß von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) für Migrationsquoten an Grundschulen für nicht umsetzbar. „Wenn wir einfach eine Migrationsquote ansetzen, dann werden wir an der Umsetzung scheitern“, sagte Düll der „Augsburger Allgemeinen“. „Das Ausweichverhalten deutscher Eltern, raus aus dem staatlichen System und hin zu Privatschulen, ginge radikal nach oben“, warnte der Lehrerverbandschef. Auch die Bundesschülerkonferenz wies die Überlegungen Priens zurück.
Man dürfe nicht nur vom Migrationshintergrund ausgehen, sondern müsse den Sprachstand eines Kindes zugrundelegen, betonte Lehrerverbandschef Düll. Es gebe schließlich auch Kinder mit Migrationshintergrund, die in Deutschland geboren seien und die Sprache beherrschten. Sprachschwierigkeiten von Kindern aus zugewanderten Familien müssten schon im Kindergarten oder in Zusatzkursen aufgefangen werden.
Bundesschülerkonferenz: Obergrenze ist rassistisch
Bildungs- und Familienministerin Prien hatte jüngst eine Obergrenze für Kinder mit Migrationshintergrund an Schulen als „ein denkbares Modell“ bezeichnet und dabei auf Erfahrungen aus dem Ausland verwiesen. Düll sagte zu dem Vorstoß, die Ministerin wolle damit „in erster Linie die Diskussion anregen“.
Soll es an Schulen Obergrenzen für Schüler mit Migrationgeschichte geben?Nein (59%) Ja (33%) Weiß nicht (8%)Wird geladen ...
Ein solcher Vorschlag führe zur strukturellen Verfestigung von Rassismus an Schulen, erklärte die Bundesschülerkonferenz am Montag in Berlin. Der Vorschlag der Bundesbildungsministerin setze „ein gefährliches Signal“, dass nicht alle Kinder gleich willkommen seien. „Schulen müssen Orte der Teilhabe sein, nicht der Ausgrenzung“, hieß es.
Absagen auch aus Bayern und Rheinland-Pfalz
Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) lehnt eine Begrenzung des Anteils von Kindern mit Migrationshintergrund an Schulen strikt ab. „Eine Migrationsquote an unseren Schulen ist schon organisatorisch gar nicht umsetzbar, aber darüber hinaus auch das falsche Signal“, sagte Stolz. Auch Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) äußerte sich skeptisch, er sagte dem „Münchner Merkur“, Bayern setze auf verpflichtende Sprachtests und Sprachkurse.
Der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber ist ebenfalls gegen eine Obergrenze. Ein solcher Vorschlag widerspreche humanitären Vorstellungen wie Bildungsgerechtigkeit und sei noch dazu praktisch nicht umsetzbar, sagte der SPD-Politiker. „Sprachförderbedarf hat oft nichts mit Migrationshintergrund zu tun, sondern auch mit sozioökonomischen Einflüssen“, betonte Teuber. Wer Chancengleichheit wirklich wolle, müsse dort ansetzen. „Eine Quote ignoriert den Elternwillen, ist weltfremd, weil praktisch nicht umsetzbar, und löst kein Problem“, sagte Teuber.
Studien zeigen: Durchmischung hilft
Die Bundesschülerkonferenz warf Ministerin Prien vor, einen Migrationshintergrund mit geringerer schulischer Leistung gleichzusetzen. Die von Prien angeregten Deutsch-Eignungstests für vierjährige Kinder befürwortete die Bundesschülerkonferenz hingegen. Bei unzureichenden Ergebnissen müssten Fördermaßnahmen greifen, hieß es.
Demgegenüber beklagen Lehrer und Eltern an Schulen mit hohem Anteil an Schülern mit Migrationsgeschichte fehlende soziale Durchmischung. Studien zufolge erzielen Kinder mit Einwanderungshintergrund bessere schulische Leistungen, wenn sie in einer Klasse sind, in der auch Schüler ohne ausländische Wurzeln lernen. Auch für die Integration und das Ankommen in Deutschland sei es hilfreich, wenn Kinder in Schulen Kontakt zu Mitschülern haben, die nicht eingewandert sind. Demgegenüber sind viele Eltern bestrebt, ihre Kinder nicht in sogenannte „Migrantenschulen“ zu schicken. Dafür nehmen sie sogar weitere Schulwege in Kauf. So entstehen vielerorts sogenannte Deutsch- und Ausländerklassen. (dpa/mig) Leitartikel Panorama
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