
Stimmungsbild
Mehrheit hat Angst vor einer AfD-Regierung
Eine mögliche AfD-Regierung alarmiert bundesweit mehr als jeden Zweiten. In Sachsen-Anhalt selbst liegt die Partei dennoch vorn. Marianne Birthler hält wenig von einfachen Erklärungen und warnt vor Pauschalurteilen über den Osten.
Von Karsten Frerichs Mittwoch, 02.09.2026, 12:09 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 02.09.2026, 12:09 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Sorge um die Demokratie: Bei einer Umfrage des „Spiegels“ zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stimmten 41 Prozent der Befragten der Aussage voll und ganz zu, dass es eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland wäre, wenn die AfD in dem Bundesland an die Regierung kommt. Zwölf Prozent hätten dem eher zugestimmt, meldete das Nachrichtenmagazin am Mittwoch online.
Der sachsen-anhaltische Landtag wird am Sonntag neu gewählt. In Umfragen liegt die AfD vorn, deren Landesverband vom sachsen-anhaltischen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.
Deutliche Unterschiede zwischen West und Ost
Deutliche Unterschiede gibt es laut „Spiegel“ in der Umfrage zwischen den Befragten in West- und Ostdeutschland. Während in den alten Bundesländern 57 Prozent entsprechende Sorgen um die Demokratie äußern, sind es in den neuen Bundesländern nur gut 38 Prozent.
Das Institut Ipsos befragte im Auftrag des „Spiegels“ vom 26. bis 31. August bundesweit rund 2.100 Menschen. Die Ergebnisse seien repräsentativ für die Wahlberechtigten in Deutschland. Die statistische Unsicherheit liege bei bis zu 2,3 Prozentpunkten.
Die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, wendete sich im Zusammenhang mit der bevorstehenden Wahl gegen Pauschalurteile über ihre ostdeutschen Landsleute. „Die“ Ostdeutschen gebe es nicht. „Diejenigen, die die Demokratie erhalten wollen, sind auch im Osten nach wie vor in der Mehrheit. Wer sich dieser Tage in Sachsen-Anhalt umschaut, kann dort eine vielgestaltige und lebendige Zivilgesellschaft erleben“, sagte Birthler dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. „Vielleicht hat jetzt auch die Gefahr, die durch die AfD droht, viele Menschen mobilisiert“, fügte die ehemalige Grünen-Politikerin hinzu.
Birthler sieht Gründe für Angst und Wut
„Die AfD-Wahl- und Umfrageergebnisse sind zum großen Teil ein Ergebnis von Gefühlen“, sagte Birthler. Gründe für Angst und Wut gebe es durchaus.
Frage man Menschen, warum sie die AfD wählen, sei aber oft nur „Es muss alles anders werden“ zu hören. „Viele Menschen waren nach den 90er Jahren froh, die Umstellungsprobleme in Beruf und Leben einigermaßen überwunden zu haben. Jetzt haben viele Angst, ihren Wohlstand wieder zu verlieren – und sehen dabei nicht, dass die Wahl der AfD dahin der sicherste Weg ist“, sagte die 78-Jährige. (dpa/mig) Aktuell Gesellschaft
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