
Viele Welten
Warum Kreuzfahrten wieder im Trend liegen
Kreuzfahrten liegen wieder im Trend. Sie versprechen Erholung, Komfort und in kurzer Zeit viele Eindrücke: heute eine Hafenstadt, morgen eine Insel, übermorgen ein Land, das man sonst vielleicht nie bereist hätte. Da kommt zusammen, was sonst selten zusammenkommt.
Mittwoch, 22.07.2026, 0:45 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 22.07.2026, 14:47 Uhr Lesedauer: 4 Minuten |
Die Sommerferien stehen vor der Tür, die Koffer werden gepackt, die Urlaubspläne konkret. Viele zieht es wie jedes Jahr an den Strand, in die Berge oder in die Heimat der Eltern und Großeltern. Zugleich erlebt eine Reiseform neue Aufmerksamkeit, die lange mit festen Bildern verbunden war: Kreuzfahrten. Für die einen sind sie der Inbegriff bequemen Reisens, für andere Massentourismus auf See. Tatsächlich liegt die Wahrheit dazwischen.
Die Zahlen zeigen: Kreuzfahrten sind längst kein Nischenthema mehr. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts starteten 2025 rund 1,51 Millionen Menschen von deutschen Häfen aus zu einer Hochseekreuzfahrt – so viele wie nie zuvor. Der Deutsche Reiseverband zählt Hochsee- und Flusskreuzfahrten zusammen inzwischen zu den wachsenden Bereichen des deutschen Reisemarkts. Weltweit meldet auch die Kreuzfahrtbranche neue Höchstwerte.
Warum aber ist diese Reiseform so beliebt? Ein wichtiger Grund liegt auf der Hand: In kurzer Zeit lassen sich mehrere Städte, Regionen und Kulturen erleben. Heute ein Spaziergang durch eine historische Altstadt, morgen ein Marktbesuch in einer Hafenstadt, übermorgen vielleicht eine Insel, die man sonst nie als eigenes Reiseziel gebucht hätte. Kreuzfahrten machen aus einer Reise viele kleine Reisen.
Der besondere Reiz
Gerade darin liegt ihr besonderer Reiz. Viele Urlauberinnen und Urlauber steuern im klassischen Sommerurlaub meist ein Ziel an: ein Hotel, eine Ferienwohnung, eine Stadt. Bei einer Kreuzfahrt dagegen wird der Weg selbst Teil der Reise. Das Schiff ist Unterkunft, Transportmittel, Restaurant, Aussichtspunkt und Treffpunkt zugleich. Der Koffer muss nur einmal ausgepackt werden, während sich die Landschaft draußen verändert.
Das spricht besonders Familien, ältere Menschen und Reisende an, die möglichst viel sehen möchten, ohne ständig Züge, Busse, Mietwagen oder neue Unterkünfte organisieren zu müssen. Auch für Menschen, die sich unsicher fühlen, ob sie eine fremde Stadt allein erkunden wollen, kann diese Reiseform eine Alternative sein. Kreuzfahrten Angebote bieten inzwischen nahezu alle großen Reiseunternehmen an. Man kann Ausflüge buchen, sich einer Gruppe anschließen oder nur für ein paar Stunden auf eigene Faust losziehen.
Begegnung auch an Bord
Hinzu kommt: Nicht nur die Landgänge öffnen Fenster in andere Welten. Auch an Bord begegnen sich Menschen aus unterschiedlichen Ländern. In den Restaurants, auf den Decks, bei Veranstaltungen oder Ausflügen hört man verschiedene Sprachen, sieht unterschiedliche Gewohnheiten und kommt manchmal schneller ins Gespräch, als es in einem abgeschlossenen Hotelurlaub der Fall wäre. Kreuzfahrten können so zu kleinen internationalen Begegnungsräumen werden.
Das gilt nicht nur für Gäste. Auch die Besatzungen sind häufig international zusammengesetzt. Wer aufmerksam reist, merkt schnell: Auf einem Schiff arbeiten Menschen aus vielen Teilen der Welt zusammen. Das kann den Blick weiten – sofern man nicht nur konsumiert, sondern auch wahrnimmt, wer diese Reise überhaupt möglich macht.
Das Für und Wider
Viele Vorurteile über Kreuzfahrten halten sich dennoch hartnäckig. Eines lautet: Das sei nur etwas für Rentner. Das stimmt so nicht mehr. Die Angebote sind vielfältiger geworden: kurze Routen, Familienreisen, Themenreisen, Kulturprogramme, Sportangebote, Ausflüge, Shows und ruhige Rückzugsorte. Wer Party sucht, findet etwas anderes als jemand, der lesen, fotografieren oder historische Orte entdecken möchte.
Ein anderes Vorurteil lautet: Kreuzfahrten seien oberflächlich, weil man überall nur kurz anhalte. Auch das ist nicht völlig falsch. Ein Tag in einer Stadt ersetzt keine längere Reise. Wer wirklich verstehen will, wie Menschen an einem Ort leben, braucht Zeit. Aber ein kurzer Halt kann Neugier wecken. Manchmal reicht ein Vormittag in einer unbekannten Stadt, um später zurückkehren zu wollen. Kreuzfahrten sind dann weniger Abschluss als Anfang einer Entdeckung.
Es kommt auf die Reisenden an
Nicht ausblenden lässt sich die Kritik an Umweltbelastung und Massentourismus. Große Schiffe verbrauchen viel Energie. Hafenstädte klagen über Gedränge, Lärm und Abgase. In manchen beliebten Orten stellt sich längst die Frage, wie viele Gäste eine Stadt verkraftet. Neue Regeln zu saubereren Kraftstoffen und Landstrom sollen die Belastung verringern, doch die Umsetzung bleibt eine Herausforderung. Auf der anderen Seite haben sich viele Einheimische bereits fest eingestellt auf die Besucher. Sie stützen die örtliche Wirtschaft und schaffen Arbeitsplätze.
Deshalb kommt es auch auf die Reisenden an. Wer Kreuzfahrten nutzt, um nur schnell Fotos abzuhaken, nimmt wenig mit und hinterlässt wenig Gutes. Wer aber bewusst reist, lokale Angebote nutzt, respektvoll auftritt und auch die Schattenseiten kennt, kann mehr erleben als bloße Unterhaltung.
Der Kern des Trends
Kreuzfahrten sind also weder Wunderlösung noch Klimasünde allein. Sie sind eine Reiseform mit Stärken und Schwächen. Ihr größter Vorteil liegt darin, dass sie Bewegung, Komfort und kulturelle Vielfalt verbinden. In einer Zeit, in der viele Menschen neugierig auf die Welt sind, aber zugleich Sicherheit, Planbarkeit und Bequemlichkeit suchen, erklärt das einen großen Teil ihres Erfolgs.
Vielleicht ist genau das der Kern des Trends: Man fährt nicht nur von Hafen zu Hafen. Man reist durch verschiedene Eindrücke, Sprachen und Lebensweisen – und entdeckt dabei manchmal Orte, die man ohne dieses schwimmende Hotel nie gesehen hätte. (sb) Panorama
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